Ludwig Georg Braun erhält für sein Lebenswerk Deutschen Gründerpreis

Neugier – „eine Art Kulturgut“

Melsungen. Ludwig Georg Braun hütet eine alte Eintrittskarte. Sein Urgroßvater Bernhard hat sie 1889 für die Weltausstellung in Paris gelöst. Der Apotheker aus der Provinz war offen für die Welt. Und das, sagt sein Urenkel, zeichnet einen Unternehmer aus: „Man muss die Neugier wie eine Art Kulturgut bewahren.“

Gestern abend ist Ludwig Georg Braun (66), Vorstandsvorsitzender des Medizintechnik- und Pharmaherstellers B. Braun Melsungen AG, in Berlin mit dem Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk geehrt worden. Hinter dem undotierten Preis stehen das Magazin „Stern“, das ZDF, die Sparkassen und der Autobauer Porsche.

Der Konzern ist heute vierfacher Umsatzmilliardär. Die Märkte seien stark gewachsen, sagt Braun. Ein Unternehmer müsse diese Chancen wahrnehmen: „Ich darf mich nicht zufriedengeben. Ich habe für die Produkte von morgen und den Umsatz von morgen zu sorgen.“

Offener Denker

Der 66-Jährige ist schmal, unprätentiös in seinem Anzug aus gutem Stoff, der Krawattennadel mit der Perle. Der konservativ wirkende Konzernherr ist ein offener, gänzlich unorthodoxer Denker und deshalb immer für eine Provokation gut. Etwa als er als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelkammertags für Nullrunden bei Tarifabschlüssen plädierte.

Seine Beschäftigten in der hessischen Zentrale, einem kühnen Bau der britischen Stararchitekten James Stirling und Michael Wilford, machte er zu Wanderarbeitern. Feste Schreibtische gibt es nicht mehr, der Braunianer sucht sich einen freien Platz.

Offen sein, hinaus gehen in die Welt, das prägt die Familie Braun. Eine Familie, die für den Konzernchef ein „Eckpfeiler des erfolgreichen Wirtschaftens“ ist, mit aller Konsequenz: „Das Unternehmen geht im Grunde den persönlichen Ausgaben vor.“ Dass die Brauns mitunter auf den Milliardärslisten des amerikanischen Forbes-Magazins auftauchen, ändert nichts am Maßhalten. Was man ausgibt, muss man vorher verdient haben, damit ist er aufgewachsen. Als Kind hat er in den Ferien gearbeitet, hat Erbsen gepflückt, beim Großvater.

Geheimnis

Im März 2011 will Braun, der engagierte Protestant, der seinen Mitarbeitern zur Mittagszeit ein „Stundengebet“ per Email schicken lässt, den Vorstandsvorsitz aufgeben. Leid tue es ihm nicht, sagt er, und: „Ich gehe davon aus, dass ich an bestimmten Stellen im Unternehmen noch gefragt bin.“ Im übrigen gelte die Regel: „Stehe zur Seite und nicht im Weg.“ Der Nachfolger wird aus der Familie kommen, der Name ist ein gut gehütetes Geheimnis. Zwei Töchter und drei Söhne hat Braun, zwei seiner Kinder sind im Unternehmen tätig.

Leidenschaft Laufen

Langweilig wird dem Ruheständler Braun nicht werden. Er ist vernetzt in Fördervereinen, der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Für die FDP sitzt er im Melsunger Stadtparlament. Und dann ist da noch der Marathon. Fünf Langstreckenläufe hat er dieses Jahr schon absolviert. Der nächste Lauf steht fest: 2011 in Tokio.

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