Wintershall weitet Gas-Produktion aus

Neuland Argentinien

Buenos Aires/Kassel. Der Kasseler Erdöl- und Gasproduzent Wintershall Holding AG rechnet sich in Argentinien hohe Chancen aus. Rainer Seele, seit Oktober Vorstandsvorsitzender der BASF-Tochter, spricht von „großen Wachstumspotenzialen“. In drei Regionen des südamerikanischen Landes ist Wintershall aktiv – in Engagements, die Heiko Meyer, Geschäftsführer der Argentinien-Tochter Wintershall Energia, zeitlich in „heute, morgen, übermorgen“ unterteilt.

Geld verdient das Unternehmen im Neuquen-Becken, einer Region, die mehr als die Hälfte zur argentinischen Gasproduktion beisteuert. Die Lizenz an zwei Feldern, an denen Wintershall mit den Partnern Total Austral S.A. und Pan American Energy beteiligt ist, wurde bis 2027 verlängert. Das südliche Feuerland hingegen zählt zu den Schätzen von morgen. Die vor der Küste gelegenen Plattformen Carina und Aries können rein rechnerisch ein Zehntel des gesamten argentinischen Gasbedarfs decken. Bis zum Jahr 2027 sollen sie 56 Milliarden Kubikmeter Gas und 3,4 Millionen Tonnen Kondensat, das etwa zu leichtem Heizöl verarbeitet werden kann, hergeben, sowie 2,4 Mio. Tonnen Flüssiggas, eine Mischung aus Butan und Propan.

Pionierarbeit ist die Erkundung eines fast 20 000 Quadratkilometer großen Gebiets in der Region Chubut in Patagonien, das Wintershall in einem Konsortium mit der spanischen Repsol erschließt. Im kommenden Jahr wollen die Partner den Bohrer ansetzen. Wenn sie fündig werden, kann es noch acht bis zehn Jahre dauern, bis das erste Gas aus dem Patagonien-Vorkommen auf dem Markt ist.

In den fünf Jahren ab 2008 sollen 170 Millionen Euro Investitionen nach Argentinien fließen. Leicht ist das Gasgeschäft dort nicht. Die Preise sind teilweise, für Haushaltskunden, von der Regierung reguliert. Exporte sind für die Gasförderer unattraktiv geworden, seit sie mit hohen Zöllen belegt werden, weil Argentinien selbst mehr Gas verbraucht als gefördert wird. Doch die Nachfrage nach Gas steigt, mittelfristig werden staatlich verordnete Niedrigpreise kaum zu halten sein. Unternehmen, die auf die sichere Energieversorgung angewiesen sind, sind bereit, dafür mehr zu zahlen.

Angesichts dieser Hürden bleiben bei Wintershall Energia Wünsche an die Regierung offen: Der Ausbau des Pipeline-Netzes zählt ebenso dazu wie Marktpreise, die Investitionen lohnend machen, formuliert es Wintershall-Vorstandschef Rainer Seele. Auch solle es möglich sein, das Gas für den Export zu nutzen. Doch trotz der Hindernisse bescheinigt Seele der argentinischen Wintershall-Tochter ein „exzellentes Ergebnisniveau“, wie viel das in Euro oder Peso ausmacht, darüber schweigt das Unternehmen diskret.

Ties Tiessen, der im Wintershall-Vorstand für Erkundung und Produktion zuständig ist, ist mit dem Engagement zufrieden: „Wir kommen mit der Wirtschaftlichkeit unserer Projekte zurecht.“

Von Barbara Will

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