Wie man sich gegen Abo-Fallen wehrt

Wie man sich gegen Abo-Fallen wehrt

Kassel. Auch schon mal aus heiterem Himmel eine Rechnung bekommen? Millionen Bundesbürger sind entnervt und ratlos, weil sie dubiose Forderungen, Mahnungen oder Inkassobriefe am Hals haben.

Oft kommen monatelang immer neue Schreiben. Die Empfänger sollen zahlen, obwohl sie nichts geordert, gekauft oder genutzt haben. „Eine Massenplage“, sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Masche der Drahtzieher ist immer ähnlich: Sie wollen die Adressaten mit Zahlungsaufforderungen, Mahnungen und sogar Inkasso-Androhungen einschüchtern und abkassieren.

?Was kann man tun, wenn offensichtlich ungerechtfertigte Rechnungen oder Mahnungen ins Haus flattern?

!Gelassen bleiben. Auf keinen Fall unter Druck setzen lassen und das Wichtigste: bloß nicht zahlen, wie Tatjana Halm, Juristin der bayerischen Verbraucherzentrale betont. Wie man dann weiter mit unberechtigten Geldforderungen umgeht, sollte man vom eigenen Nervenkostüm abhängig machen. Entweder, man reagiert überhaupt nicht. Oder man betreibt aktive Gegenwehr, schreibt per Einschreiben zurück und widerruft vorsorglich noch den angeblichen Vertragsschluss. Musterbriefe gibt es bei allen Verbraucherzentralen oder online unter www.vzhh.de

?Was ist die bessere Strategie?

!Meist sei das aktive Abblocken effektiver, so die Erfahrungen Castellos. Je klarer man zurückschreibe, desto schneller sei man den Spuk wieder los. Schlimmstenfalls kann es Jahre dauern, bis keine Mahn- und Inkasso-Androhungen mehr kommen. Wer will, kann den Spieß umdrehen und damit drohen, die Forderung juristisch prüfen zu lassen. Die Anwaltskosten muss die Gegenseite übernehmen. „Das wirkt oft Wunder“, so Castello.

?Wie sieht die Rechtslage aus?

!Grundsätzlich gilt: Wer keinen Vertrag abgeschlossen hat, muss auch nichts bezahlen. Nur wenn sich zwei Parteien einig sind über Preis und Inhalt einer Leistung, kommt ein Vertrag zustande. Das ist bei den versteckten Kostenfallen im Internet oder am Telefon aber nicht der Fall. Das haben mehrere Gericht bestätigt, unter anderem das Amtsgericht München (Az: 161 C 23695/06). Im Musterbrief der Verbraucherzentralen wird der angebliche Vertragsschluss deshalb auch bestritten und vorsorglich widerrufen. Wer schreibt, dass er nicht zahlt, hat nichts zu befürchten. Wer Geld will, muss beweisen, dass ein wirksamer Vertrag zustande kam.

?Und wenn die Mahnungen weitergehen?

!Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, drohen die Firmen gern mit Mahnbescheid, Zwangsvollstreckung, Einkommenspfändung, mit Inkassofirmen, dem Gerichtsvollzieher oder einem Eintrag in Schuldnerverzeichnisse. „Ignorieren“, rät Castello. Das sei nichts als heiße Luft. Auch der 20. Drohbrief könne in den Papierkorb wandern. Unseriöse Firmen geben nach einer Weile auf, weil sie für den nächsten Schritt, den gerichtlichen Mahnbescheid, in Vorleistung gehen müssten. Und so weit kommt es fast nie.

?Häufig wird mit der Mahnung eine Ratenzahlungsvereinbarung verschickt. Wie soll man sich verhalten?

!Auf keinen Fall zahlen. Wer zahlt, erkennt die Forderung an – auch wenn sie unbegründet ist. (apn)

Von Berrit Gräber

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