Analyse: ZEW-Index bricht ein, DIHK und Einkaufsmanager bleiben optimistisch

Die Konjunkturdaten sind im August eingebrochen. Deutlich, meint das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Der Index fiel von minus 15,1 im Juli auf minus 37,6 Punkte. Doch wie aussagekräftig ist der Index?

Um ihn zu erstellen, werden 400 Analysten und institutionelle Anleger nach ihren Erwartungen hinsichtlich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt – eine Gruppe, die von den Börsenturbulenzen arg gebeutelt ist. Das drückt die Stimmung.

Dabei überzeugte der Index hinsichtlich der konjunkturellen Ausblicke für Deutschland in der Vergangenheit wenig. Im Frühjahr 2010 sanken die ZEW-Konjunkturerwartungen schon einmal, ohne dass es – im Gefolge der Griechenland-Krise – zu einer Rezession gekommen wäre. Also: Nur nicht bange machen lassen.

Zudem lassen sich die Verluste an der Börsen nicht nur auf die Staatsschuldenkrise abwälzen, sondern auch mit der Angst der Anleger vor einer Rezession begründen.

Dienstleister leiden mehr

Optimistischer als die Börsenprofis sind die Einkaufsmanager der deutschen Industrie. Zwar verliert die Wirtschaft an Schwung. Aber laut einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Markit unter Einkaufsmanagern von 1000 Firmen wurde der Abwärtstrend gestoppt. Der Index verharrte bei 52 Punkten.

Bezieht man die Dienstleister mit ein, sank der so genannte Composite Index von 52,5 auf 51,3 Punkte. Unter 50 Punkte bedeutet dies eine Abnahme der Wirtschafts-Aktivität. Fazit: Die Wirtschaft rechnet mit Stagnation, die Finanzwelt sieht eine Rezession.

Woher kommt der Optimismus der Chefs? Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichte diese Woche seinen Außenhandelsbericht, der nach den Worten des stellvertretenden Hauptgeschäftsführer Volker Treier die jüngsten Turbulenzen an den Börsen berücksichtigt. Danach wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3,9 Prozent wachsen. 2012 sollen es 4,1 Prozent sein.

Laut DIHK-Prognose dürften die Exporte in diesem Jahr um elf und 2012 um neun Prozent steigen. Bei den Einfuhren wird ein Plus von je elf Prozent erwartet. Im Boomjahr 2010 lagen die Wachstumsraten bei 20 Prozent. Befragt wurden 80 Außenhandelskammern mit 42 000 Mitgliedsunternehmen.

Dass diese Zahlen keiner Stimmung entsprungen sind, belegen die höheren Investitionen der Wirtschaftschefs. Danach wollen sie in diesem Jahr 14 Prozent mehr für Bauten und Ausrüstung ausgeben. Das hat das Münchner ifo-Institut erfragt. 2010 hatten die Unternehmer des westdeutschen verarbeitenden Gewerbes 38 Milliarden Euro ausgegeben – nur zwei Prozent mehr als im Krisenjahr 2009.

Heute wird das Ifo-Institut seinen Stimmungsindex präsentieren. Der ZEW-Index gilt als richtungweisend und so wird der Ifo-Index wohl sinken. Zuletzt fiel er von 114,5 auf 112,9 Punkte. Ein ähnlicher Rückgang wäre ein Indiz für eine sich beruhigende Konjunktur, aber kein Signal für die gefürchtete Rezession.

Von Martina Wewetzer

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