Deutsche Solarunternehmen werden von chinesischer Billigkonkurrenz regelrecht überrannt

Niedergang der Vorzeige-Branche

kassel. Weite Teile der deutschen Solartechnik-Industrie stehen mit dem Rücken zur Wand. Förderkürzungen im Inland und auf anderen wichtigen Märkten sowie der rasante Preisverfall für Solaranlagen setzen der einstigen Vorzeige-Branche immer heftiger zu. Chinesische Anbieter wie Trina, Suntech und Yingli schwemmen dank staatlicher Subventionen und künstlich niedrig gehaltenem Yuan-Kurs seit Jahren den deutschen Markt mit Billigmodulen, die mittlerweile Produkten aus heimischer, EU- und US-Fertigung in Sachen Qualität kaum nachstehen.

2006 kostete ein Kilowatt installierter Solarleistung einschließlich Installation im Schnitt etwa 5000 Euro. Vor einem Jahr waren es 2700 Euro, derzeit sind es 2200 Euro. Am Markt werden bereits Preise in Richtung 2000 Euro registriert. Branchenkenner erwarten angesichts weltweiter Überkapazitäten und rückläufiger Marktvolumina weitere Preisabschläge.

Die meisten Solarunternehmen, die vor kurzem noch zu den Ertragsperlen der deutschen Wirtschaft zählten, leiden unter rückläufigen Gewinnen oder schreiben rote Zahlen. Viele der gut 70 000 Jobs bei Anlagen- und Modulbauern sowie bei Zulieferern sind in Gefahr.

Durchweg schlechtere Zahlen

Das Paradebeispiel für den Niedergang der deutschen Solarbranche ist der Zellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen kämpft ums Überleben. Ein Teil der Produktion wird nach Malaysia verlagert. Bis zu 300 der 2500 Jobs stehen auf der Kippe, nachdem bereits 2009 über 500 Stellen gestrichen wurden. Der Grund: Im ersten Halbjahr machte das Unternehmen bei einem Umsatz von 441 Millionen Euro fast 396 Mio. Verlust. Davon entfielen 256 Mio. auf Wertberichtigungen, weil Sachanlagen und Vorräte an Wert verloren. Bei der Roth & Rau, einem führenden Hersteller von Anlagen für die Zell- und Modulproduktion, fiel in den ersten sechs Monaten ein Verlust von 18,3 Mio. Euro an. Der Komponentenbauer Phoenix Solar rutsche mit 21 Mio. Euro in die roten Zahlen, und der zum Bosch-Konzern gehörende Modulanbieter Aleo erzielte einen Mini-Gewinn von 1,8 Mio. Euro nach 21,9 Mio. im ersten Halbjahr 2010.

Notwendige Konsolidierung

Auch der Branchenpionier und einstige Anlegerliebling Solarworld muss sich an sinkende Gewinne gewöhnen. Im ersten Halbjahr verdiente das Unternehmen nur noch 22,4 Mio. Euro – 42 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Vorstandschef Frank Asbeck macht der Branche keine Hoffnung auf Besserung: „Es wird weitere Bremsspuren geben.“ Solarkritiker Wolfgang Hummel von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Technik sieht eine Branchenkonsolidierung heraufziehen und hält sie auch für dringend erforderlich. „Dann wird vielleicht aus zwei, drei schwachen Anbietern ein globaler Spieler“. Bisher sei die Branche viel zu mittelständisch geprägt.

Wie rasant der Niedergang vonstatten geht, lässt sich an den Aktienkursen ablesen: Ende 2008 notierte Q-Cells bei 100 Euro, heute ist die Aktie mit 72 Cent nahezu wertlos.

Von José Pinto

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