Analyse: Commerzbank-Chef Blessing kämpft mit Kosten der Dresdner-Bank-Übernahme und Ideenlosigkeit

Niederlage eines Bank-Strategen

Commerzbank-Vorstand Martin Blessing steht vor Verlusten. Bislang fehlt die Strategie, um das Ruder herumzureißen. Foto: dpa

Frankfurt. Düstere Wolken über dem Frankfurter Kaiserplatz: Mit einem Verlust von 4,5 Milliarden Euro rutscht die Commerzbank tiefer ins Minus als befürchtet. Analysten gingen von minus 3,7 Mrd. Euro aus. Als Gründe für dieses Desaster sagt Commerzbank-Chef Martin Blessing (46) lapidar „die Krise ist noch nicht vorüber“. Nur: Andere Geldinstitute schreiben in diesen Zeiten schwarze Zahlen.

Die Gründe für das schlechte Abschneiden der Commerzbank liegen für den Enkel des Bundesbank-Chefs Werner Blessing außerhalb der Bank. Die Antwort nach seinem Beitrag, um das Ruder herumzureißen, bleibt Blessing am Tag vor der Bilanzpressekonferenz schuldig.

Auch die stets wiederholten Belastungen durch die Dresdener Bank klingen aus dem Mund des Betriebswirts nur begrenzt belastbar. Zwar stecken in dem Milliardenverlust Aufwendungen für die Integration der Dresdner Bank sowie Abschreibungen auf die Immobilientochter Eurohypo über 1,9 Mrd. Euro. Der Rest der Verlustsumme stammt aber aus dem Anleihegeschäft, aus Abschreibungen unter anderem aus dem Wertpapiergeschäft. Die Frage, womit die Commerzbank künftig Geld verdienen will, lässt Blessing offen. Das Geschäftsmodell stellt er nicht infrage.

Kredit verspielt

Zwar wurden in die Bilanz vermutlich alle erdenklichen Risiken reingepackt, aber nach der Stütze durch den Bund, der immerhin 25 Prozent an der Bank hält, hätte das Ergebnis anders aussehen müssen. Mit diesem Verlust hat die Blessing-Truppe sämtlichen Kredit in der Öffentlichkeit verspielt. Es wird Zeit, dass der intellektuelle Stratege Blessing zum handelnden Chef wird. Blessing, der „Staatsbanker“, dessen Gehalt auf 500 000 Euro gedeckelt ist, muss nun Aktionären wie Mitarbeitern das Gefühl vermitteln, dass er noch an das Geschäftsmodell der Commerzbank glaubt.

Seine zögerliche Argumentation für 2010 – schwarze Zahlen stellte er nur in Aussicht, „wenn die Entwicklung der Konjunktur und der Finanzmärkte sehr positiv verlaufen wird“ – macht eher skeptisch als zuversichtlich.

Rückzahlung

Immerhin geht der einstige McKinsey-Mann Blessing davon aus, dass 2010 das Geschäft mit Privatkunden, Mittelstand, in Osteuropa und dem Investment-Banking Gewinne abwirft. Privatkunden und Mittelstand brachten 2009 rund 754 Mio. Euro ein. Im Jahr zuvor waren es noch 1,9 Mrd. Euro.

Ob diese Posten 2010 reichen, ist offen. Offensichtlich setzt Blessing auf das Prinzip Hoffnung. Zumal auch die Rückzahlung der Staatshilfe das Geschäft belastet. Mit 18,2 Mrd. Euro hat der Staat den wankenden Bankenriesen gestützt. 2012 soll zurückgezahlt werden.

Steuerzahler-Geld hilft

Weitere Problembereiche: Schiffsfinanzierung, Gewerbeimmobilien in den USA sowie die Schuldenkrise in Griechenland. Allein die Tochter Eurohyp ist mit 3,1 Mrd. Euro überwiegend in griechischen Staatsanleihen engagiert. Für faule Kredite hat die Bank im vergangenen Jahr 4,2 Mrd. Euro zurückgelegt. 2010 soll die Risikovorsorge bei 3,8 Mrd. Euro liegen.

Zwar hilft das Geld der Steuerzahler der Commerzbank, die Verluste zu verkraften. Aber all diese Posten und ein zögerlicher Blessing lassen eher Skepsis denn Zuversicht aufkommen. Sollte sich dieses Gefühl auch in den Reihen des Großaktionärs Bundesrepublik breitmachen, dürfte es für Blessing eng werden.

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.