VW-Strategie: Piëch setzt auf Spritsparer – Winterkorn sieht Zukunft auch elektrisch

Noch Fragen zum e-Auto?

„Aber das 1- bis 2-Liter Auto wird kommen und es wird ökonomischer sein als das Elektroauto.“ VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, 10. Mai 2010

Kassel. In der Autowelt gilt der Porsche-Enkel Ferdinand Piëch (73) als begnadeter Ingenieur und gewiefter Taktiker. Seinen Ruf als genialer Konstrukteur brachte er von Audi mit, wo er Entwicklungen von der Aluminium-Karosserie in Leichtbauweise bis hin zum Audi-Quattro-Antrieb vorantrieb.

Wenn solch ein Technik-Visionär vor Studenten der Technischen Universität Wien sagt, dass „das 1- bis 2-Liter Auto kommen wird, und es ökonomischer sein wird als das Elektroauto“, und der „Focus“ dies veröffentlicht, dann horcht die Autobranche auf.

Knapp eine Woche ist es her, da hatten sich Regierung und Industrie in Berlin auf eine Strategie für Elektroautos geeinigt, da schießt die graue Eminenz der Branche quer: VW-Aufsichtsratchef Piëch glaubt an den Sprit sparenden Verbrennungsmotor.

Was heißt das? Bleiben e-Golf und e-Jetta 2013 als Volumenmodelle auf der Strecke? Rollt die Testflotte von 500 Golf mit Elektroantrieb an, für die das VW-Werk Kassel die e-Traktion liefert? Stellt der Konzern die Weichen für die E-Mobilität neu? „Wenn all dies zu der Interpretation führt, VW wendet sich von der e-Mobilität ab, dann ist dies falsch“, sagt Jürgen Stumpf, Betriebsratsvorsitzender des Werks Kassel. Piëchs Aussage sei kein Widerspruch, stellt er klar. Stumpf ist auch Mitglied des Aufsichtsrats.

Stand der Dinge ist, dass nach wie vor alle Autohersteller in Deutschland bis 2020 zwar mit einer Million e-Autos rechnen. Das wären nach heutigem Stand 2,2 Prozent aller Fahrzeuge. Die restlichen 44 Millionen Autos werden aber mit Hybridantrieb oder Verbrennungsmotor unterwegs sein.

Schlüsseltechnologie Leichtbau

Diese Technologie muss sich in den kommenden zehn Jahren deutlich verbessern, denn die CO2-Werte müssen weiter sinken. Zwar gibt es noch keine Norm seitens der Europäischen Union. Mittelfristig wird aber ein Flottenausstoß von 120 Gramm pro 100 Kilometer als Richtschnur dienen. Dies wird nur über effizientere Verbrennungsmotoren möglich sein – auch wenn Piëch in Wien eingeräumt hat, dass die Idee des Drei-Liter-Lupo zehn Jahre zu früh kam.

Aufhorchen lassen auch Piëchs Aussagen zum Leichtbau. Denn auch dieser sorgt für einen geringeren Spritverbrauch durch weniger Gewicht. Ob Benziner oder e-Fahrzeug – bei beiden werden derartige Innovationen eine gewichtige Rolle spielen.

In dem Punkt ist die Gießerei des VW-Werk Kassel bereits heute gut aufgestellt. So können mit dem Spritzgießen von Magnesium Sitzschalen, Spiegel und Pedalwerk deutlich leichter hergestellt werden. Mit der Fertigung von Federbeinaufnahmen im Alu-Druckgussverfahren werden schon jetzt bis zu 6,6 Kilogramm im Vergleich zum herkömmlichen Stahlblechbau gespart. Das Gewicht fällt und damit auch der CO2-Wert. Im Karosseriebau setzt das Werk aufs Formhärten. Dafür wird Stahl erhitzt und in Form gebracht. Der Effekt: weniger Stahl gleich weniger Gewicht, aber härtere Produkte.

Von Martina Wewetzer

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