Ein Champion seit Jahrhunderten

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300 Jahre Technik: Alljährlich sorgen die Wasserkünste am Fuße des Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe für ein außergewöhnliches Schauspiel – und das ganz ohne Pumpen.

Er ist der größte in Europa, und er ist wunderschön. Seit dem Beginn seiner Entstehung vor fast 300 Jahren fasziniert er die Menschen, freilich hat sich das Publikum gewaltig geändert.

Sonst hat er sich im wesentlichen nicht verändert, zum Glück: Denn das war unter anderem ausschlaggebend dafür, dass er gerade mit einem begehrten Titel ausgezeichnet wurde. Der Bergpark in Kassel ist seit Juni als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt.

Ob das seinen Bauherren, Landgraf Karl, beeindruckt hätte, sei dahingestellt. Der hatte offensichtlich noch ganz andere Dinge im Sinn als das 2,4 Quadratkilometer große Areal, über das sich der Bergpark oberhalb des Stadtteils Bad Wilhelmshöhe im Westen Kassels heute erstreckt. Anfang des 18. Jahrhunderts gab er einige Gemälde mit einer gigantischen Garten-, Park- und Schlossanlage in Auftrag. Möglicherweise vermischen sich in diesen Gemälden Wunsch und Wirklichkeit: Herkules, Kaskaden und Schloss Weißenstein gab es damals schon, vieles wurde in der Form und mit den gigantischen Ausmaßen, die die Bilder zeigen, nie verwirklicht.

Ab 1696 wurde mit der Anlage des Parks und im Jahr 1701 mit dem Bau des Oktogon begonnen. Der italienische Architekt des Landgrafen, Giovanni Francesco Guerniero, schuf mit den Kaskaden und der Wasserachse ein Paradestück an moderner Kunst - gemessen am Zeitgeschmack des Adels im Barock. Dreizehn Jahre nach Baubeginn wurden die Wasserspiele erstmals öffentlich präsentiert. Im Jahr 1717 wurde die Herkules-Statue aufgestellt.

Was damals vor allem Repräsentationszwecken diente, begeistert heute Menschen aus aller Welt. Für viele sind die Wasserspiele das Herzstück des Bergparks. Zweimal wöchentlich ergießt sich das Wasser aus Speicherbecken über die Kaskaden mit ihrem Mittellauf und den beiden Seitenläufen bis hin zum Fontänenteich. Über eine Stunde dauert es, bis die rund 1200 Kubikmeter Wasser alle Bauwerke und Stationen auf dem Weg ins Tal passiert haben. Attraktionen wie Teufelsbrücke, Aquädukt oder Steinhöfer Wasserfall wurden im Zuge einer Erweiterung des Bergparks unter Landgraf Wilhelm IX. ab dem Jahr 1785 errichtet. Keine Pumpen, keine Technik werden bei den Wasserspielen eingesetzt - sie basieren einzig auf dem Gefälle am Berg und einem raffiniert angelegten Wegesystem, über- und unterirdisch.

Am Ende steigt die große Fontäne gegenüber dem Schloss stolze 52 Meter in die Höhe. Die Umgestaltung im 18. Jahrhundert lässt sich im unteren Teil des Bergparks erkennen. Vom Schloss Wilhelmshöhe aus dominieren nicht mehr strenge Achsen wie bei der barocken Anlage im oberen Teil. Vielmehr ist der Park natürlichen Räumen nachempfunden. Die Wege schlängeln sich durch die Gartenanlage und bieten dem Besucher immer wieder attraktive Ansichten, wie etwa rund um den großen Schlossteich, den Lac. Von dort geht es zur Löwenburg, die im Stil einer verfallenen mittelalterlichen Burg erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. Noch später - zu Beginn des 19 Jahrhunderts - entstanden Ballhaus und das Große Gewächshaus in unmittelbarer Nähe zum Schloss. Ganz gleich, von wo aus man den Bergpark betritt - schnell ist der Besucher eingetaucht in die besondere Atmosphäre. Hinter jeder Wegbiegung offenbart sich ein neuer Reiz, der Augen und Sinne bezaubert. Wasser spielt dabei eine wichtige Rolle, auch wenn gerade keine Wasserspiele aufgeführt werden. Ach ja, die beginnen übrigens - abgesehen von den beleuchteten Wasserspielen an besonderen Terminen - immer mittwochs und sonntags um 14.30 Uhr am Fuße des Herkules. Das dieser zur gleichen Zeit seine Keule von der linken in die rechte Hand schwingt, ist allerdings ein Gerücht. (zip)

www.museum-kassel.de

www.kassel-marketing.de

www.wilhelmshoehe.de

www.kassel.de

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