Da ist er: Jochen Behle

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Herausragende Karriere: Von der Olympiade 1980, bei der der berühmt gewordene Reporterspruch „Wo ist Behle?“ geprägt wurde, bis zu seiner zehnjährigen Laufbahn als Bundestrainer hat Jochen Behle über lange Zeit den deutschen Langlaufsport geprägt.

Irgendwie hat dieser bekannte Ausruf etwas Gutes für Jochen Behle. „Genervt hat er mich nie, eher hat er geholfen“, ist Behle sicher. Es sind die Olympischen Winterspiele 1980 in den USA und Jochen Behle aus Schwalefeld geht als gerade einmal 19-jähriger Langläufer an den Start.

Und dann fällt dieser Satz von Fernsehreporter Bruno Moravetz, der auch 34 Jahre später mit Behle verbunden ist. „Wo ist Behle?“, fragte Moravetz damals aufgeregt. Nicht aber, weil der im hinteren Feld unterwegs gewesen wäre, sondern weil er wegen eines Fehlers in der Übertragung nicht zu sehen war.

„Namen sind in einer Randsportart wie dem Langlauf sonst schnell vergessen“, weiß Jochen Behle. Seiner ist bis heute präsent. Vielleicht aber auch, weil es neben dem Sportler auch einen erfolgreichen Trainer Jochen Behle gab. Insgesamt zehn Jahre war der 54-Jährige bis 2012 Trainer des deutschen Langlaufteams. Eine Zeit, die von vielen als die erfolgreichste des deutschen Langlaufs überhaupt gesehen wird. Ist einem Trainer das während seiner Arbeit bewusst? Jochen Behle überlegt kurz. „Irgendwann wird einem das klar, auch wegen der Siege.“ Mehr als 30 Medaillen bei Olympia und im Weltcup fallen in Behles Amtszeit als Trainer, auch vier Gesamtweltcup-Siege – in Folge. René Sommerfeldt im Jahr 2004, Axel Teichmann im Jahr 2005 und Tobias Angerer in den Jahren 2006 und 2007. „Das haben nicht einmal die Norweger geschafft“, sagt er. Nun gilt Norwegen als Hochburg des Langlaufs.

„Wir haben in dieser Zeit ein Umfeld der Athleten wie das Technikteam aufgebaut, unsere kleine Mannschaft zusammengehalten.“ Eines stand dabei immer im Vordergrund: der Teamgedanke. Jochen Behle ist der Überzeugung, dass es ohne ihn nicht geht. Diesen Standpunkt hat er auch gegenüber dem Deutschen Skiverband stets vertreten. Ebenso wichtig: der kontinuierliche Austausch mit den Athleten. Entscheidungen zu erklären, für Kritik offen zu sein, das sind die Dinge, auf die Behle Wert gelegt hat.

Er, der selbst sechs Mal an den Olympischen Spielen teilnahm und fast 30 Deutsche Meistertitel einheimste, trug im Jahr 1998 die deutsche Fahne bei Olympia. Er blickte auf eine bewegte Karriere zurück, als er im März 2012 vom Amt des Bundestrainers zurücktrat.

Nahezu vierzig Jahre sind er und der Langlauf inzwischen verbunden. Es stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Faszination, die für Behle von dieser Sportart ausgeht. „Ich bin mit dieser Sportart über die Jahre zusammengewachsen, habe das von klein auf gemacht.“ Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich habe mein Herz an den Langlauf verloren.“ Wenn Jochen Behle mit Kollegen oder Weggefährten darüber spricht, stimmen sie ihm zu. „Viele sagen, dass man das bei meiner Trainertätigkeit gemerkt hat.“ Trotz alledem, der Langlauf sei eine Randsportart geblieben. Er aber hat stets für „seinen“ Langlauf geworben.

Soziales Engagement

Seit etwa zehn Jahren setzt sich Jochen Behle auch für den guten Zweck ein. Sein Verein richtet etwa Golfturniere aus, um gegen die Kinderarmut in Deutschland zu kämpfen. Kürzlich erst fand ein Turnier in Lippstadt statt. „Das Geld bleibt immer in der Region, wo ein Turnier stattfindet“, sagt Behle. Darauf legt er besonderen Wert. Weil es Kinderarmut eben nicht nur im Ausland gebe. „Die Deutschen sind nur zu stolz, sich auch im eigenen Land Kinderarmut einzugestehen.“ Doch was bedeutet eigentlich Heimat für einen Menschen, der in seiner aktiven Karriere jährlich nur durchschnittlich 50 Tage zu Hause verbracht hat? „Eigentlich spüre ich sie jetzt erst so richtig“, gesteht er. Früher sei er eher der „Gast zu Hause“ gewesen. Aber er bereut das nicht. „Es gehört nun mal zum Job.“ Jochen Behle hat viel gesehen von dieser Welt, aber seine Heimat liegt in Schwalefeld, einem Willinger Ortsteil. Einem Ort, der nicht einmal 1000 Einwohner hat, aber fast ebenso viele Gästebetten. „Mir gefällt die Gegend, ich vergleiche sie manchmal mit dem Allgäu“, sagt Behle. Wenn er abends auf seiner Terrasse sitze, die Vögel beobachte, die Zeitung lese, dann sei das für ihn Heimat. „Einfach herrlich.“ Ohnehin sei es eine lebendige Region. „Was in Willingen alles in die Hand genommen wurde“, staunt er. Er habe diesen Ort wachsen sehen – vom kleinen Dorf zur Touristenhochburg, die Willingen heute ist. Und das nicht nur wegen des Ski-Weltcups, sondern auch wegen des entsprechenden Angebots rundherum, wie Jochen Behle festgestellt hat. Und sein Lieblingsort in dieser Region? Lachend zeigt Behle auf den Boden. „Genau hier.“ Sein Zuhause. Der Ort, an dem er sich zurückziehen und das Leben genießen kann. Auch in Zukunft. „Ich werde immer Schwalefelder bleiben“, sagt er.

LUCA DEUTSCHLÄNDER

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