Ein gedeckter Tisch für Bedürftige

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Im Einsatz für Bedürftige: Monika Hemann (links) und Renate Grimm arbeiten ehrenamtlich bei der Witzenhäuser Tafel mit.

Menschen, die sich ehrenamtlich dafür einsetzen, dass Familien mit geringem Einkommen zusätzliche Lebensmittel auf den Tisch bekommen, gilt Respekt. Eher selten wird von ihren Leistungen gesprochen und doch sind sie durch ihr Engagement nordhessische Champions.

Zu diesen Menschen gehören Renate Grimm und Monika Hemann von der Witzenhäuser Tafel. Und ihr gesamtes Team. Renate Grimm engagiert sich seit 52 Jahren für das Wohl ihrer Mitmenschen. Für diesen Einsatz wurde ihr in diesem Jahr das Bundesverdienstkreuz verliehen. Acht Jahre lang baute die 74-Jährige die Witzenhäuser Tafel auf und war bis Anfang diesen Jahres deren Vorsitzende, bevor Monika Hemann den Posten übernahm. Für die im Jahr 2001 gegründete Tafel war Renate Grimm „die richtige Frau“, sagt Christel Bertermann, die zweite Vorsitzende des Vereins. Durch sie wurde bald das Ladenlokal in der Oberen Mühlstraße eröffnet. Auch im „Ruhestand“ unterstützt Renate Grimm die Tafel weiterhin, denn „es gibt Menschen, um die man sich kümmern muss“, sagt sie. Das macht die Ermschwerderin, seit sie 22 Jahre alt ist. Damals übernahm sie ihr erstes Amt in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. Außerdem war sie viele Jahre Stadtverordnete in Witzenhausen und im Ermschwerder Ortsbeirat tätig.

Wie jede andere Tafel beruft man sich in Witzenhausen auf einen festen Grundsatz: qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können an diejenigen zu verteilen, die sie brauchen. Und hinter diesem Grundsatz steckt jede Menge harte Arbeit. Denn es war und ist nicht immer leicht, die Firmen zu überzeugen, Essen kurz vor dem Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums der Witzenhäuser Tafel zu überlassen. „Viel zu viele Lebensmittel landen auf dem Müll“, sagt Renate Grimm. In Witzenhausen engagiert sich ein 20-köpfiges Team für die Tafel. Seit acht Jahren gibt die Witzenhäuser Tafel in ihrem Ladenlokal in der Oberen Mühlstraße zweimal in der Woche Essen aus. Die Tafel erhält Obst, Wurst, Gemüse, Joghurt und andere Waren kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums aus den Geschäften im Umfeld. „Das Essen ist ja noch gut, aber nach Ende des Haltbarkeitsdatums eben nicht mehr verkäuflich“, sagt Christel Bertermann. Montags und donnerstags kommt deshalb Leben in die ehemalige Metzgerei. Am Vormittag wird die Ware sortiert, vor allem beim Obst und Gemüse gibt es da reichlich zu tun, am Nachmittag kommen dann die Kunden. Im Ausgaberaum geht es zweimal die Woche zu wie in einem florierenden Dorfladen. Es riecht nach frischem Obst, Bananen und Zitronen. Auf dem Tresen stapeln sich die Kisten mit Champignons, Gurken, Tomaten und Salat. In den Regalen türmen sich Brotkisten, Marmelade und Nudeln ebenso wie Hähnchen. Nur eine Kasse ist nirgends zu sehen. Doch ohne Geld bekommt man keine Lebensmittel: „Wir nehmen einen Euro, damit die Leute nicht das Gefühl haben, betteln zu müssen“, sagt Renate Grimm. Im Schnitt sind 300 Menschen aus dem Altkreis Witzenhausen, aber verstärkt aus dem Stadtkern, auf die Tafel angewiesen. Einige wenige nur vorübergehend, die meisten aber ständig. „Zu unseren Kunden zählen viele Langzeitarbeitslose“, berichtet Grimm, die sich nicht anmaßt, über ihre Kunden urteilen zu können – keine der Ehrenamtlichen tut dies. Die Lebensmittel werden ausschließlich an Besitzer eines Passes ausgegeben, der nur für einkommensschwache Personen ausgestellt wird. Unter den Bezugsberechtigten sind auch häufig Migranten, darunter einige Asylbewerber. „Kinder haben bei uns auch stets Vorrang“, berichtet Christel Bertermann, so werde Obst und Schokolade stets für sie aufgehoben.

Weiter Hilfe gesucht

Die Ehrenamtlichen der Tafel kommen im Monat auf zahlreiche Stunden, sie engagieren sich gern. Trotzdem brauchen sie weiterhin Menschen, die mithelfen und sich ehrenamtlich für die Tafel einsetzen. Die Arbeit bei der Tafel ist mit sehr viel Spaß verbunden. Die Helfer und Kunden verstehen sich sehr gut miteinander und „es gibt immer was zum Lachen“, sagt Monika Hemann, die amtierende Vorsitzende des Vereins, die sich über Spenden freut.

Christiane Geier

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