Ein Fest, das in Erinnerung bleibt

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Ist immer wieder mit Fleiß und Herzblut dabei: die Helferschar des Stadtfestes „Keller, Treppen, Hinterhöfe“ in Witzenhausen traf sich für ein Teamfoto im Hof des Wilhelmitenklosters an der Steinstraße.

Das Witzenhäuser Kulturfestival „Treppen, Keller, Hinterhöfe“ zählt zu den schönsten Europas.

Es gibt Stadtfeste, da geht man als Besucher hin, trinkt etwas, isst etwas, hat einige Stunden Spaß - und hat das Fest dann ganz schnell wieder vergessen. Und dann gibt es Stadtfeste, die hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Dort kann man auch etwas essen und trinken. Dort hat man auch Spaß. Aber da sieht man auch Dinge, die man so noch nie gesehen hat. Die einen überraschen und begeistern. Genau so ein Fest ist das von der Kulturgemeinschaft Witzenhausen ausgerichtete Festival „Treppen, Keller, Hinterhöfe“, dass alle zwei Jahre die Massen in die Kirschenstadt lockt. Und das jetzt von der Stiftung Lebendige Stadt als eines der 19 schönsten Stadtfeste Europas ausgezeichnet wurde.

„Vor Jahren schon habe ich mich gefragt, wie man verlassene Orte der Altstadt für das tägliche Leben zurück gewinnen und sowohl die Stadt als auch ihre Bewohner kulturell weiterentwickeln kann“, sagt Festival-Initiator Uwe Arends. Das Witzenhäuser Stadtbild innerhalb der alten Stadtmauer sei zwar reich an Fachwerkhäusern, aber die Zahl leer stehender oder kaum genutzter Gebäude nehme stetig zu. Ihm kam die Idee, die Altstadt im Rahmen eines mehrtägigen, nicht kommerziellen Festivals mit Kunst, Musik, Kabarett, und Lesungen zu bespielen und zu beleben. Dafür sollten leer stehende Gebäude, verlassene Wohnungen, verschlossene Kellerräume und verwunschene Hinterhöfe als Ausstellungsfläche und Bühne für Künstler aller Art genutzt werden.

In seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der Kulturgemeinschaft Witzenhausen präsentierte er seinen Vorstandskollegen und den übrigen Mitgliedern seine Idee und stieß sofort auf offene Ohren. Man beschloss, das Fest erstmals anlässlich des Tages des offenen Denkmals im September 2008 zu veranstalten. Monatelang kümmerten sich Arbeitsgruppen darum, Künstler und Hauspaten ausfindig zu machen, das Programm und ein Programmheft zu erstellen, die Ausstellungs- und Veranstaltungsorte aufzuräumen, zu bestuhlen und mit der nötigen Technik auszustatten, Plakate aufzuhängen und die vielen freiwilligen Helfer aus Reihen der Witzenhäuser Bevölkerung einzuteilen. Und als es endlich soweit war, wurde das viertägige Fest ein voller Erfolg.

„Beim ersten Festival, das unter dem Motto ‚Friede den Religionen’ stand, hatten wir schon rund 1000 Besucher pro Tag“, erzählt Uwe Arends. Bei der dritten der im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Veranstaltung (Motto: Afrika) waren es im vergangenen Jahr bereits 2000 Besucher pro Tag. Auch der Umfang des Festivals hat sich erweitert. 2012 stellten 22 Künstler ihre Werke aus und es gab 90 Auftritte von 120 Bühnenkünstlern.

Möglichst viele Bewohner aus der Mittelmeerregion ansprechen

 „Sowohl die Künstler als auch die Gäste kommen hauptsächlich aus der Region, aber wir haben auch welche, die extra aus anderen Teilen Deutschlands und sogar aus dem Ausland anreisen“, sagt Arends. Besonders wichtig sei ihm jedoch, dass sich innerhalb Witzenhausens etwas tut. „In unserer kleinen Stadt leben Menschen aus 102 Nationen“, sagt er. Ziel für das nächste Festival, das im September 2014 stattfinden und unter dem Motto „Mittelmeer“ stehen wird, sei es, möglichst viele Bewohner, die aus der Mittelmeerregion stammen, zum Mitmachen zu bewegen. „Bei dem Festival geht es ja auch ums Essen und Trinken“, sagt Arends. Und da könnten doch viele etwas beisteuern.

Dass „Treppen, Keller, Hinterhöfe“ in Witzenhausen beliebt ist, daran bestehe kein Zweifel. „Das Festival hat wesentlich zur Belebung des Stadtbildes und ihrer Einwohner beigetragen und die leer stehenden Gebäude gehören wieder mit zum Stadtleben“, freut sich Uwe Arends. Lob gibt es auch von der Bürgermeisterin. „Die Veranstaltung ist der Stadt nicht aufgesetzt, sie ist hier angekommen“, sagt Angela Fischer. Finanziell getragen wird das Festival, bei dem die Künstler keine Gage bekommen, durch Spenden- und Sponsorengelder sowie durch die Eintrittsgelder. „Das Angebot, dass jeder Sponsor seine eigene Veranstaltung finanzieren kann, wurde sehr gut angenommen“, sagt Uwe Arends. Was die Auszeichnung durch die Stiftung Lebendige Stadt angeht, ist der Initiator stolz. „So etwas beflügelt natürlich“, sagt er. „Und es zeigt, dass wir für eine kleine Stadt wie Witzenhausen schon einiges bewegt haben.“ (per)

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