Mit Kampfkunst zu sich selbst finden

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In jeder Lebenslage: Kampfkunst baut Alltagsstress ab.

Michael Möller engagiert sich seit 16 Jahren gegen Aggression und Gewalt

Wenn Michael Möller von seiner Kindheit erzählt, tut er das mit einem Lächeln. Dabei kann einem beim Zuhören schon mal das Lachen im Halse stecken bleiben. Der freundliche Mann erlebte als Kind Gewalt in vielerlei Facetten. „Es verging fast kein Tag, ohne dass mich andere auf dem Schulweg verprügelt haben“, sagt er. Er träumte davon, sich wie seine Vorbilder Bruce Lee oder die Shaolin-Mönche verteidigen zu können. Wie sie hielt er seine Hände vor den Körper, wenn sich ältere Jungs vor ihm aufbauten, und fragte seine Angreifer: Warum machst Du das? „Da habe ich gleich noch eine drauf gekriegt“, erinnert er sich.

Mit acht Jahren begann er Kampfsport zu machen. Was er dabei lernte, war nicht nur Angriffs- und Verteidigungstechniken, sondern auch, einfach einen anderen Schulweg zu gehen als den üblichen, und sich nicht dafür zu schämen.

Die Welt der Kampfkunst half ihm, Gewalt und Missbrauch zu überstehen, die weiterhin zu seinem Leben gehörten. Als er sieben Jahre alt war, starb sein Vater. Ein Jahr später kam ein neuer Mann in die Familie, der seine sadistischen Gewaltfantasien an ihm und seinen beiden Brüdern austobte, bis hin zu Tötungsversuchen. Und schließlich erlebte der heute 34-Jährige, wie ihn eine potenzielle Vertrauensperson vier Jahre lang sexuell missbrauchte, bis zu seinem 13. Lebensjahr.

Die schlimmen Erlebnisse einerseits und der Kampfsport als Kraftquelle andererseits erwiesen sich als Wegbereiter für Michael Möller. Mit 18 Jahren war er Träger zahlreicher Auszeichnungen und Lizenzen. Er eröffnete seine eigene Kampfsportschule in Bad Hersfeld. Sein Ziel: Ängste, Aggressionen und Alltagsstress durch Kampfsportkunst abzubauen, seinen Schülern Sicherheit, innere Ausgeglichenheit und ein gesundes Selbstbewusstsein zu vermitteln.

Mit seinem Trainerteam betreut er heute etwa 400 Schüler, der jüngste ist zweieinhalb, der älteste 74 Jahre alt. Mal schicken Eltern ihre verhaltensauffälligen Kinder. Jugendliche kommen, die über ihre eigene Aggressivität erschrecken. Auch Jugendamt oder Polizei vermittelt ihm Schüler – dass sich Kampfsport positiv auf das Sozialverhalten auswirken kann, hat sich herumgesprochen. „Hier werden alle gleich behandelt“, sagt Michael Möller. Für seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist er immer auf der Suche nach neuen Sponsoren.

Seine eigenen Erfahrungen helfen ihm, Andere zu verstehen. Lebensstudium nennt Michael Möller das. „Oft sind diejenigen aggressiv, die selbst Gewalt erlebt haben. Wir kanalisieren Aggressionen in kontrollierte Aktionen“, sagt er. Wertevermittlung liegt ihm am Herzen, dazu gehören Höflichkeit, Verlässlichkeit und Respekt voreinander. Seine Botschaft lautet: Ihr seid nicht allein. Ihr könnt einen anderen Weg gehen, wenn ihr wollt. „Sie dabei zu unterstützen, ist meine Lebensaufgabe“, sagt Michael Möller. (zip)

www.mm-sportschule.de

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