Volkswagen AG: Das Herz kommt aus Nordhessen

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Ganz frisch: Peter Schengel und Bianca Pohl stehen an einem gerade produzierten DSG-Getriebe.

Wenn im Herbst 2013 mit dem e-up! das erste Elektrofahrzeug der Volkswagen AG auf den Markt kommt, dann stammt das Herz dieses Fahrzeuges aus Nordhessen.

Etwa 300 Ingenieure haben in den vergangenen fünf Jahren im Baunataler Werk des Konzerns an dem Antrieb für das Elektrozeitalter gearbeitet – und sich mit ihrer Baunataler Entwicklung gegen die weltweite Konkurrenz durchgesetzt.

Der Baunataler Standort ist deshalb der Antrieb für die Zukunft von Volkswagen – und damit ein echter Champion, der Technologien „made in Nordhessen“ in die ganze Welt trägt.

Mehr als 16 700 Mitarbeiter beschäftigt der Standort und ist damit nach dem Stammwerk in Wolfsburg die zweitgrößte Produktionsstätte der Volkswagen AG in Deutschland. Zwar werden in Baunatal keine Fahrzeuge montiert – mit den Komponenten, die hier vom Band laufen, ist das Werk aber trotzdem ein unverzichtbarer Teil der Volkswagen-Konzernwelt. Denn etwa 4 Millionen Getriebe – 13 verschiedene Typen – für die Marken Volkswagen, Seat, Audi und Skoda werden in Nordhessen jährlich gefertigt, womit etwa die Hälfte der benötigten Getriebe aus dem Werk an der Bauna kommt. Absolute Renner in der Getriebenachfrage sind dabei die Direktschaltgetriebe – kurz DSG – die ohne Zugkraftunterbrechung ein ganz besonderes Fahrgefühl bescheren: Fast 2 Millionen der in Baunatal gefertigten Getriebe waren 2011 solche DSG. Dank Baunataler Technologie sind Automatikgetriebe heute fast beliebter als herkömmliche Schaltgetriebe.

Vorreiter ist der Baunataler Standort aber nicht nur bei der Entwicklung erfolgreicher Produktinnovationen – auch bei vielen Fertigungsverfahren ist das Werk ein Leitwerk im Konzern. So betreibt der Standort die größte Leichtmetall-Gießerei Europas, in der neben Getriebegehäusen auch Motorblöcke und Karosserieteile gegossen werden. Durch die besonderen Verfahren, mit denen die Experten in Baunatal diese Teile fertigen, sind die Produkte gegenüber herkömmlichen Gießverfahren bis zu 30 Kilogramm leichter – und die Fahrzeuge, in denen die Teile verbaut werden, verbrauchen am Ende weniger Sprit.

Die Mobilität der Kunden sicher zu stellen, ist das Ziel der Mitarbeiter im Konzern Vertrieb Original Teile & Service (VO), der ebenfalls in Baunatal seinen Sitz hat und die Kunden auf der ganzen Welt mit original Ersatzteilen versorgt. Zur Volkswagen-Flotte gehören derzeit etwa 70 Millionen Fahrzeuge weltweit, die regelmäßig Ersatzteile benötigen. Im Hallenkomplex des VO, der etwa so groß wie 130 Fußballfelder ist, lagern 440 000 verschiedene Artikel – insgesamt mehrere Millionen Teile. In den vergangenen zwei Jahren ist das Sortiment der Ersatzteile dabei allein um 30 000 Artikel gewachsen. Und für jedes neue Modell, das bei einer der Konzernmarken auf den Markt kommt, kommen zwischen 5000 und 8000 Teile hinzu. Von Kassel aus gelangen die Original Teile in alle Welt: über die Schiene und per Lastwagen innerhalb Europas sowie über den Seeweg und per Flugzeug nach Übersee. Dabei hat eine möglichst schnelle Versorgung mit allen möglichen Teilen für die Baunataler Experten höchste Priorität – innerhalb von 24 Stunden werden die Teile über Masterdepots an jeden Zipfel der Welt geliefert und jedes Teil wird bis zu 15 Jahre nach Auslaufen der Serienproduktion im Lager vorgehalten.

Das Baunataler Volkswagen Werk ist also ein globaler Nordhessen-Champion, von dem – das hat eine Studie der Universität Kassel ergeben – schon jetzt mehr als 70 000 Menschen in der Region wirtschaftlich profitieren. Und die Tendenz steigt – denn weil das Werk stetig wächst, wurden allein 2011 mehr als 1000 Zeitarbeiter eingestellt, von denen 800 in ein festes Beschäftigungsverhältnis übernommen wurden. Jedes Jahr starten etwa 220 junge Leute in insgesamt sieben Berufen eine Ausbildung am Standort Baunatal. 115 Praktikumsstellen hat das Werk derzeit noch zu besetzen. (nh)

Visitenkarte

Leistungsüberblick

Das Werk Kassel ist als der wichtigste Getriebehersteller einer der bedeutendsten Komponentenlieferanten für die fahrzeugbauenden Werke des Volkswagen Konzerns weltweit. Neben Getrieben werden Fahrzeugteile wie Abgasanlagen und Karosserieteile hergestellt. Im Jahr 2011 wurden vier Millionen Getriebe und 3,6 Millionen Abgasanlagen produziert. Im Presswerk/Karosseriebau werden täglich 1300 Tonnen Stahlblech zu Karosserieteilen verarbeitet. Neben der größten Aluminiumgießerei Europas ist am Standort das Volkswagen Original Teile Center, das größte und modernste Logistik-Zentrum Europas, angesiedelt. Inklusive der Außenlager sind dort 440 000 Original Teile auf einer Fläche von über einer Million Quadratmetern gelagert. Von Baunatal aus werden weltweit 250 Importeure in über 170 Ländern versorgt.

Chronologie

Ende der 50er-Jahre wurde in Wolfsburg wegen der sich rasant entwickelnden Nachkriegswirtschaft Platz für die Käferfertigung benötigt. So wurde 1957 das Volkswagenwerk in Baunatal gegründet. Die Fabrik liegt zehn Kilometer südlich von Kassel. Die Stadt Baunatal entstand erst nach der Gründung des Werkes. Die Aufbereitung von Motoren begann im Juli 1958 und stand dem sich später entwickelten Original Teile Center Pate . Bereits anderthalb Jahre später kam die Produktion von Getrieben und anderen Aggregaten hinzu. Seit Juni 2003 läuft im Werk Kassel das mit einer Doppelkupplung ausgestattete DSG-Getriebe vom Band.

Kontakt

Volkswagen AG Kassel
Dr. Rudolf-Leiding-Platz 1
34225 Baunatal
Telefon: 05 61 / 49 00
 www.volkswagen.de

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