Die Region hat auf dem Arbeitsmarkt gleichgezogen - größere Dynamik als in anderen Landesteilen

Nordhessen so gut wie das ganze Land

kassel. Nordhessen hat auf dem Arbeitsmarkt erstmals seit Jahrzehnten mit den anderen Landesteilen gleichgezogen. Wie das Regionalmanagement anhand der aktuellen Daten der Agentur für Arbeit ermittelt hat, liegt die Arbeitslosenrate in der Region bei 5,9 Prozent, was der aktuellen Landesquote entspricht. Eine regionale Gesamtquote liefert die Arbeitsagentur aufgrund eines anderen Gebietszuschnitts nicht.

Der Arbeitsmarkt entwickelte sich im Norden weit dynamischer als in Ost-, Mittel- und Südhessen. Während die Quote im gesamten Land im Oktobervergleich binnen Jahresfrist von 6,5 auf 5,9 Prozent sank, ging sie in den Kreisen Kassel, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg sowie in der Stadt Kassel von sieben auf 5,9 zurück.

Für den Leiter des Regionalmanagements Holger Schach liegen die Gründe dafür in einer hervorragend aufgestellten mittelständischen Industrie mit hohem Exportanteil, im massiven Ausbau der Logistik-Branche, in der boomenden Erneuerbaren-Energien-Industrie (SMA) sowie in den äußerst wettbewerbsfähigen Konzernstandorte von Daimler und VW, die in der Krise nicht entlassen und in hohem Maße investiert hätten. „Dass es so gut laufen würde, hat vor einigen Monaten noch niemand zu hoffen gewagt“, so Schach.

Auch im Vergleich mit den meisten angrenzenden Regionen erweist sich der nordhessische Arbeitsmarkt als außerordentlich robust. Lediglich im Hochsauerland ist die Erwerbslosenrate mit 5,6 Prozent niedriger als hier. Südniedersachsen und Westthüringen stehen mit Quoten von 7,8 beziehungsweise 8,5 Prozent sogar schlechter da als der Bund mit einer aktuellen Quote von sieben Prozent. Ostwestfalen liegt mit 6,9 Prozent knapp darunter.

Aber in der Region läuft es nicht überall gleich gut: Während die traditionell von hoher Arbeitslosigkeit betroffene Stadt Kassel mit 10,1 Prozent noch immer eine zweistellige Quote aufweist, glänzen Frankenberg mit genau vier sowie Melsungen und Wolfhagen mit je 4,1 Prozent mit Werten, wie es sie nur in weiteren Bereichen Bayerns und in einigen regionen Baden-Württembergs gibt.

Während die Erklärung für die niedrigen Raten in Frankenberg und Melsungen mit den boomenden Großunternehmen Viessmann und B. Braun zu erklären sind, ist die Begründung für Wolfhagen eine andere. Dort gibt es keinen wirklich großen Arbeitgeber. Aber mit dem Aufbau des großen Rewe-Lagers und des Mineralwasser-Produzenten Vitaqua in Breuna, der Gründung des Spezialglas-Herstellers Energy Glas in Wolfhagen sowie der Eröffnung neuer, größerer Altenpflege-Einrichtungen sind im Altkreis mit seinen gut 40 000 Bewohnern in den vergangenen Jahren 800 bis 900 neue Jobs entstanden. Darüber hinaus profitiert das Wolfhager Land von der Nähe zu Kassel.

Noch keine Vollbeschäftigung

Vollbeschäftigung herrscht in Melsungen, Frankenberg und Wolfhagen deshalb aber nach den meisten gängigen Definitionen noch nicht. Die Mehrzahl der Wirtschaftsforschungsinstitute sehen sie erst bei etwa drei Prozent.

Von José Pinto

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