Kasseler Fraunhofer-Institut Iwes entwickelt neuartiges Hybrid-Kraftwerk für das größte Eiland

Öko-Strom für Galápagos-Insel

Kassel/GalÁpagos. Noch ist es eine Vision, aber in einigen Jahren soll das Galápagos-Archipel im Pazifik mit seinen 13 großen und 115 kleinen und kleinsten Inseln komplett auf eine regenerative Energieversorgung umgestellt werden. Autos und Motorboote sollen künftig elektrisch oder mit Biokraftstoff fahren, und auch die Stromversorgung wird erneuert. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet das Kasseler Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes).

Die Erneuerbaren-Energien-Spezialisten entwickeln derzeit ein Hybrid-Kraftwerk für die größte Insel Isabela. Es soll künftig die 1200 Bewohner und ebenso viele Touristen mit Strom versorgen.

Das Energiekonzept, das Iwes-Bereichsleiter Philipp Strauß jetzt auf dem Weltsolarkongress in Kassel vorstellte, ruht auf drei Säulen: vier mit Bioöl aus Südamerika betriebene Stromaggregate, ein mittelgroßer Solarpark sowie Batterien, die Strom für sechs Stunden speichern können. Was sich leicht anhört, ist aber technologisch sehr anspruchsvoll und birgt zwei echte Neuheiten. Erstmals wird eine Insellösung so konzipiert, das die Versorgung am Tag ausschließlich von der Solaranlage und den Batterien geleistet wird. Die Stromaggregate laufen nur nachts und laden dabei auch die Stromspeicher auf.

Die zweite Neuheit: Jeder Haushalt bekommt ein kleines Gerät, das den Bewohnern sagt, wann viel oder zuviel Solarstrom im Netz ist, damit sie ihre Elektrogeräte anstellen oder die Auto- und Bootsbatterie laden können. Dadurch wird die Sonnenenergie optimal genutzt und verpufft nicht im Netz. Dieses intelligente Netz - oder smart grid wie die Fachleute sagen - wird dem Iwes dann als Testfeld für die Weiterentwicklung der Technologie dienen.

Was das Iwes noch nicht hat, ist ein „verlässlicher Partner“, der das System dann baut und vor Ort installiert, erklärt Strauß. Weit schauen muss er aber nicht. Denn der Solartechnik-Hersteller SMA in Niestetal (Kreis Kassel) fertigt nicht nur Wechselrichter, sondern bietet seit vielen Jahren auch komplette Insellösungen zur autarken Energieversorgung entlegener und netzferner Regionen an. Hunderte von Systemen haben die Solarprofis aus Nordhessen bereits gebaut - unter anderem Griechenland und China.

Hintergrund des anspruchsvollen Galápagos-Projekts ist ein Tankerunfall im Jahr 2001, bei dem mehr als 770 000 Liter Benzin, Diesel und Heizöl ausliefen. Der Ölteppich erstreckte sich zeitweise über eine Fläche von 1000 Quadratkilometern. Die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, wegen der die Unesco das gesamte Galápagos-Gebiet unter strengen Schutz gestellt hat, wurde nachhaltig geschädigt. Dank günstiger Strömungsverhältnis blieb die ganz große Katastrophe aber aus.

Daraufhin hat die Regierung von Ecuador beschlossen, die Energieversorgung der Inselgruppe komplett umzustellen. Dabei wird sie von der Unesco und der internationalen Staatengemeinschaft unterstützt. Auch Deutschland gehört zu den Förderern des anspruchsvollen Projekts.

Von José Pinto

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