Berliner Unternehmen verblüfft mit neuartiger Batterie für Elektro-Autos

605 km ohne zu laden

Erstmals hat ein normales E-Auto 605 Kilometern ohne Aufladen zurückgelegt. Entwickelt wurde die Batterie von Mirko Hannemann (27), der aus dem Auto steigt. Unterstützt wurde das Projekt vom Energieanbieter Lekker Energie. Foto: dpa

Berlin. Weltweit zum ersten Mal hat ein alltagstaugliches Elektroauto 605 Kilometer von München nach Berlin ohne aufzuladen zurückgelegt. Ausgestattet ist der umgebaute Audi A2 mit einer Batterie auf Lithium-Metall-Polymer-Basis (LPM). Entwickelt wurde sie vom jungen Berliner Unternehmen DBM Energy GmbH, deren Geschäftsführer und technischer Kopf Mirko Hannemann (27) ist.

Der Audi A2 hatte bei dieser Testfahrt eine Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde, war mit vier Sitzen ausgestattet, hat einen vollständig nutzbaren Kofferraum, Servolenkung, Airbags und Komfortfunktionen wie Klimatisierung, Sitzheizung und Radio. Insgesamt brachten Fahrzeug und Insassen 1,6 Tonnen auf die Waage – die Batterie hatte daran nur einen Anteil von gut 100 Kilo.

Mit Informationen über sich selbst ist Hannemann deutlich sparsamer: Sein Abitur machte er an einem Gymnasium für mathematisch-naturwissenschaftlich begabte Kinder – wo, sagt er nicht. Privates gibt er nicht preis. Er studierte Physik an der Technischen Universität Illmenau. Seit 2005 forscht er an LPM.

Zum Vergleich: Eine Lithium-Ionen-Zelle hat die Größe eines DIN-A4-Blattes und wiegt ein Kilogramm. Die Energiedichte pro Kilo liegt bei 0,1 Kilowattstunden (kWh). Der Wert zeigt an, wie viel Strom eine Zelle speichern kann. Die LPM-Zelle wiegt 180 Gramm, hat das Format einer Tafel Schokolade und eine Energiedichte, die 2,5mal höher ist. Der Wirkungsgrad liege bei 99,7 Prozent. Bereits in den 90er-Jahren wurde die Technik angestoßen, aber der Strom floss erst ab 60 Grad. Mit einem neuen Batterie-Aufbau sei der Stromfluss zwischen minus 40 und plus 100 Grad Celsius stabil.

Zwar sei bei beiden Zellen teures Lithium im Spiel, aber LPM braucht laut Hannemann nur ein Zehntel der üblichen Akkus. Verzichtet werden kann auch auf teure Schwermetalle wie Kobalt. Aktuell liegen die Preise für Lithium-Ionen-Batterien für Autos um 10 000 Euro, Hannemann will mit der Hälfte auskommen.

Bislang tat sich die Autobranche schwer: VW und Continental wollten die Batterie erst in Einzelteile zerlegen, da lehnte der Jungunternehmer ab. Beim Porsche-Umrüster RuF scheiterte er am Siemens-Konzern, der für das Bordmanagement des Cayenne zuständig ist. Siemens habe „kein Interesse“ signalisiert, sagte Hannemann im Januar in der „Berliner Zeitung“.

Von Martina Wewetzer

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