Ökoenergie-Ausbau kostet: Strom wird 2011 teurer

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Die Ökostrom-Zulage wird nächstes Jahr ordentlich steigen

Berlin - Angesichts des massiven Ausbaus bei der Solarenergie wird der Strom für die Verbraucher im nächsten Jahr teurer. Was auf die Verbraucher zukommt.

Die von allen Stromverbrauchern zu zahlende Ökostrom-Umlage steigt 2011 um knapp 71 Prozent auf ein Rekordhoch von 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Branchenkreisen. Offiziell wird dies am Freitag bekannt gegeben.

Nach aktuellen Berechnungen des Verbraucherportals toptarif.de kann die Erhöhung der Umlage je nach Haushaltsgröße zu jährlichen Mehrkosten von bis zu 112 Euro führen. Angesichts der deutlich steigenden Kosten zur Förderung der erneuerbaren Energien sei bereits zum Jahreswechsel mit flächendeckenden Preiserhöhungen bei Hunderten Versorgern zu rechnen, sagte toptarif-Energieexperte Thorsten Bohg.

Grund ist unter anderem der massive Ausbau vor allem im Bereich der Solarenergie und damit steigende Vergütungskosten - mehr als 50 Prozent der Umlage macht die Solarförderung aus. Doch der Nutzen in diesem Bereich ist angesichts einer eher geringen Stromproduktion umstritten. Durch die massive Zunahme in diesem Jahr - bis Ende August ging eine Leistung von 4,88 Gigawatt ans Netz und damit ein Gigawatt mehr als im gesamten Jahr 2009 - wird es aber automatisch weitere Deckelungen bei der Solar-Förderung geben. Im Januar wird die Einspeisevergütung für kleine Photovoltaikanlagen auf dem Dach um die laut Gesetz maximal möglichen 13 Prozent sinken.

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2010 lag die im Erneuerbaren-Energie-Gesetz festgelegte Umlage bei 2,047 Cent. Angesichts der deutlichen Zunahme wird eine Debatte über die Zukunft der Förderhöhe erwartet. Die Regierung will aber bisher an den Regelungen wie dem Einspeisevorrang für Ökostrom und den Förderinstrumenten festhalten. Aber sie setzt in ihrem Energiekonzept einen deutlichen Schwerpunkt bei der Windenergie. Energiekonzerne wie RWE argumentieren, dass Sonnenstrom in Ländern, wo die Sonne mehr scheint, billiger zu bekommen sei.

Für einen Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1 800 Kilowattstunden (kWh) Strom steigt die EEG-Umlage im kommenden Jahr nach Angaben von toptarif.de um durchschnittlich rund 31 Euro brutto von 43,85 Euro auf 74,97 Euro. Eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 kWh Strom zahle dagegen 69 Euro mehr ­ statt 97,44 Euro in diesem Jahr könnten es 2011 schon 166,60 Euro werden.

Für jede Kilowattstunde Strom erhalten die Energieerzeuger eine Einspeisevergütung. Da Strom aus Sonne, Wind und Biomasse bisher teurer ist als Strom aus Kohle oder Atom wird mittels der Förderung versucht, den Anteil zu steigern. Ziel der Bundesregierung sind 80 Prozent Ökostrom bis 2050. Die Einspeisevergütung für Wind, Sonne und andere Ökoenergieträger ist unterschiedlich. Sie ist abhängig von der Größe der Anlagen, dem Alter und der Produktivität.

Was die Ökoenergie-Branche zum Strompreis meint

Die Ökoenergie-Branche betont, dass durch immer mehr Ökostrom auch starke Dämpfungseffekte beim Strompreis erreicht wurden. Zudem gebe es eine hohe Wertschöpfung. 2009 lag sie in den Kommunen bei knapp 7 Milliarden Euro. Auf 8,9 Milliarden Euro beziffert das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) diese Wertschöpfungseffekte für das kommende Jahr. Dazu steuern Ökostrom-Kraftwerke rund 7,4 Milliarden Euro bei, Anlagen zur Wärme- und Kraftstofferzeugung jeweils rund 740 Millionen Euro.

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell, vor zehn Jahren einer der Väter des Erneuerbare-Energie-Gesetzes war, sagte zu der drastisch steigenden EEG-Umlage: “Unter dem Strich handelt es sich für den Bürger um eine lohnende Zukunftsinvestition.“ Den Mehrkosten stünden viele positive Faktoren wie 340 000 Arbeitsplätze und Milliarden an Steuereinnahmen gegenüber sowie große Einsparungen durch vermiedene Umweltschäden. “Die 300 Milliarden Subventionen für die Atomenergie und 200 Milliarden Subventionen für die Steinkohle schaffen dagegen immer neue Probleme. Erneuerbare Energien hingegen lösen Probleme.“

Der Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling betonte: “Die staatliche Förderung der Atomkraft ist heute immer noch doppelt so hoch wie die Förderung der erneuerbaren Energien.“ Energiekonzerne wie RWE weisen Angaben zu einer massiven Subventionierung der Atomenergie als unseriös zurück.

Von Georg Ismar

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