Plattenspieler-Hersteller Dual war einst Marktführer, ging pleite – und überlebte

Der Oldie spielt wieder mit

Verträumt vor dem Plattenspieler: „Zum guten Ton gehört Dual“ warb der Hersteller 1960. Foto: Dt. Phono-Museum St. Georgen

Für ihn habe ich mein Sparbuch geplündert. 994 Mark habe ich abgehoben, für mich damals eine gewaltige Summe. Der Dual-Plattenspieler war die erste größere Anschaffung meines Teenager-Lebens. Er hieß HS 141. Die Buchstaben standen für Heim-Stereoanlage und bedeuteten, dass der Verstärker im Gerät integriert war. Zwei 15-Watt-Boxen gehörten dazu.

Ich fand die Anlage sehr schick: weißer Korpus, rauchbraune Abdeckhaube, die Frontpartie in mattgebürstetem Edelstahl. Kaum war HS 141 bei mir eingezogen – ich hatte ihm ein Phono-Tischchen gekauft, das auch Platz für Platten bot – änderte sich mein Einkaufsverhalten. Statt in Taschenbücher, Puzzles und Krimskrams floss das Taschengeld nun in LPs.

Als mein HS 141 Mitte der 70er Jahre auf den Markt kam, war Dual der größte Plattenspieler-Hersteller Europas. Mit der Übernahme des Konkurrenten Perpetuum-Ebner hatte er seinen Siegeszug gekrönt. Mehr als 3000 Menschen arbeiteten für das Unternehmen aus dem Schwarzwald. Täglich liefen fast 4000 Plattenspieler und Plattenwechsler vom Band.

Josef und Christian Steidinger, Söhne einer Familie, die Uhrenteile herstellte, hatten 1907 in St. Georgen ihre „Fabrik für Feinmechanik“ gegründet. Vier Jahre später gingen sie zerstritten getrennte Wege. Christian und seinen Konstrukteuren aber gelang 1927 der große Wurf, als er ein Federlaufwerk mit einem Elektromotor zu einem neuen Grammophon-Antrieb kombinierte. Er nannte ihn Dual.

Doch während sich auf meinem Plattenteller Scheiben von den Rolling Stones und Pink Floyd drehten, klang bei Dual der Niedergang an. Vielleicht zu lange hatte man sich auf den alten Glanz verlassen, nun überholte die japanische Konkurrenz. 1980 schreibt Dual erstmals rote Zahlen. Zwei Jahre später sind die Schwarzwälder pleite.

Es folgt eine Irrfahrt. Dual wird zweimal verkauft. Markenrechte wandern zu Karstadt, gehen weiter nach Asien. Schließlich kommen sie dorthin zurück, wo alles begann. Zu einer Zeit, als auf dem Massenmarkt bereits die CD den Ton angab, übernahm der Unternehmer Alfred Fehrenbacher die Plattenspieler-Produktion, sicherte sich später die Markenrechte.

Ein halbes Leben lang hatte er selbst bei Dual Plattenspieler zusammengeschraubt. Auch er gab der Technologie nur eine Gnadenfrist. Doch der Plattenspieler erlebt eine Renaissance. Die Verkaufszahlen steigen langsam, aber stetig, Wurden 2002 in Deutschland noch 75 000 Plattenspieler aller Marken verkauft, werden es in diesem Jahr wohl 120 000 werden, schätzt die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik in Frankfurt. Damit schlägt der Oldie den CD-Player um Längen.

Von Barbara Will

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