Opel streicht fast 4000 Jobs und will Milliardenhilfe

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Die Streichung von 3900 Stellen ist bei den Opel-Werken in Deutschland geplant. 

Frankfurt/Main - Der angeschlagene Autobauer Opel will in Deutschland rund 4.000 Jobs streichen und fordert 1,5 Milliarden Euro Staatshilfe von Bund und Ländern. Die Opel-Streichliste:

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Opel streicht 8.300 Stellen in Europa

Europaweit sollen sogar 8.300 Stellen wegfallen. “Wir werden ein europäisches Unternehmen formen, das profitabel ist und dauerhaft auf eigenen Füßen steht“, sagte Opel-Chef Nick Reilly bei der Vorstellung des Sanierungsplans am Dienstag in Frankfurt am Main. In Deutschland ist das Werk Bochum mit einem Minus von 1.799 Stellen am stärksten vom Personalabbau betroffen. In Rüsselsheim sollen insgesamt 1.639 Jobs wegfallen, in Eisenach und Kaiserslautern jeweils 300. Das Werk im belgischen Antwerpen mit fast 2.400 Mitarbeitern wird wie bereits angekündigt ganz geschlossen. Durch den Personalabbau wollen Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall ihre Gesamtkapazität um 20 Prozent kürzen, eine Reaktion auf die gesunkene Nachfrage.

Verhandlungskrimi um Opel: Eine Chronik

14. November 2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten ruft Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat zur Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen. Nach Unternehmensangaben geht es um “etwas mehr als eine Milliarde Euro“. © dpa
17. Februar 2009: Der ums Überleben kämpfende Mutterkonzern General Motors (GM) will 47 000 Stellen streichen, davon 26 000 außerhalb der USA. © dpa
27. Februar: Opel will sich weitgehend von GM abkoppeln. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf 3,3 Milliarden Euro beziffert. © dpa
2. März: Der Rettungsplan wird der Bundesregierung vorgelegt. © dpa
31. März: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellt Unterstützung für Opel in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg. © dpa
23. April: Fiat will Opel übernehmen. Die Arbeitnehmer sind dagegen. Ende Mai zieht sich Fiat zurück. © dpa
28. April: Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna, hier Vize Chef Sigfried Wolf, legt ein erstes “Grobkonzept“ für Opel vor. © dpa
12. Mai: Es wird bekannt, dass auch der in Brüssel ansässige Finanzinvestor RHJ International ein Angebot prüft. © dpa
27. Mai: GM, um Verhandlungsführer John Smith (r.), kündigt dem Vorsitzenden des Opel-Treuhand-Beirats, Fred Irwin (l.) an, sein Europa-Geschäft mit der Hauptmarke Opel rechtlich abzuspalten. © dpa
30. Mai: Bund, Länder, GM, Magna und das US-Finanzministerium einigen sich auf ein Rettungskonzept. Damit ist der Weg frei für einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro an Opel sowie das umstrittene Treuhand-Modell. © dpa
1. Juni: GM reicht in New York einen Antrag auf Insolvenz mit Gläubigerschutz ein. © dpa
10. Juli: GM, hier Fritz Henderson, Präsident und CEO von General Motors, wird aus der Insolvenz entlassen. Mehrheitlich in Staatsbesitz soll GM wesentlich verkleinert überleben. Es fließen mehr als 50 Milliarden Dollar (36 Mrd Euro) an Steuergeldern. © dpa
15. Juli: Der Finanzinvestor RHJI stellt ein nachgebessertes Übernahmeangebot vor. Die Bundesländer mit Opel-Standorten favorisieren Magna, weil der Zulieferer weniger Stellen abbauen will. © dpa
19. August: Bund und Länder wollen die Kreditzusagen und Bürgschaften für Opel über 4,5 Milliarden Euro ohne Beteiligung der anderen europäischen Länder mit Opel-Standorten vorstrecken, wenn GM sich für Magna entscheidet. © dpa
25. August: Erneutes Opel-Spitzentreffen zwischen Bund, Ländern und GM in Berlin. Laut Medienberichten prüft der US-Autokonzern, seine bisherige Tochter doch zu behalten. © dpa
2. September: RHJI hat sein Angebot abermals nachgebessert und fordert jetzt 600 Millionen Euro weniger Staatshilfen. Dennoch spricht sich die Bundesregierung erneut für Magna aus. © dpa
10. September: Der GM-Verwaltungsrat empfiehlt einen Verkauf von Opel an Magna. Die Treuhand genehmigt das Geschäft. © dpa
14. September: Magna bestätigt, dass in Deutschland mehr als 4000 der rund 25 000 Stellen wegfallen werden. Die EU-Kommission kündigt eine “sehr sorgfältige“ Prüfung der Milliardenbeihilfen an. Belgien ist aufgebracht, weil der Standort Antwerpen geschlossen werden soll. Widerstand kommt auch aus Großbritannien und Spanien. © dpa
22. September: Bevor weitere drei Milliarden Euro fließen, müssen Wirtschaftsprüfer grünes Licht geben. PriceWaterhouseCoopers stuft die Pläne Magnas als “nicht besonders robust“ ein. © dpa
15. Oktober: Aus Sorge um ein späteres Veto der EU-Kommission legen der designierte Käufer Magna mit seinem russischen Partner Sberbank und GM die Unterzeichnung des Übernahmevertrags auf Eis. © dpa
16. Oktober: In einem Brief an Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) äußert EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes schwere Bedenken gegen die von der Bundesregierung versprochenen 4,5 Milliarden Euro an Staatshilfen. Die Hilfszusagen dürften nicht an einen Bieter gebunden sein. © dpa
3. November: Der GM-Verwaltungsrat beschließt in einer dramatischen Wendung, Opel doch zu behalten. Der Mutterkonzern will das Europa-Geschäft selber sanieren. © dpa

Reilly bezifferte die Gesamtsumme, die Opel braucht, erneut auf 3,3 Milliarden Euro. Davon sollen die europäischen Regierungen 2,7 Milliarden geben. Der Rest käme von der Opel-Mutter General Motors. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte in Berlin, Opel wolle von Bund und Ländern 1,5 Milliarden Euro Staatshilfe in Form von Kreditgarantien. Weitere 1,2 Milliarden Euro sollten durch Großbritannien, Spanien, Polen und Österreich abgesichert werden.

Die IG Metall lehnte den Sanierungsplan ab und forderte Bund und Länder auf, dem Unternehmen keine Kreditgarantien zu gewähren. Die Arbeitnehmer würden diesen Plan nicht durch Lohnverzicht unterstützen, erklärten die für die deutschen Opel-Standorte zuständigen IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild und Oliver Burkhard. Reilly räumte ein, dass er sich mit dem Betriebsrat bislang nicht einigen konnte. Opel hat die Belegschaft zu einem Lohnverzicht von 265 Millionen Euro pro Jahr aufgefordert.

Der Opel-Chef versprach für die Jahre bis 2014 Investitionen von insgesamt elf Milliarden Euro. 80 Prozent des Produktportfolios würden in den kommenden Jahren erneuert. Zudem soll Opel nach Reillys Worten in Europa führend bei alternativen Antriebsformen werden, wie beispielsweise Elektromotoren. Nach dem am Dienstag vorgestellten Sanierungsplan soll das Unternehmen bereits im kommenden Jahr wieder eine schwarze Null schreiben und ab 2012 wieder Gewinne machen.

Koch reagiert zurückhaltend

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch forderte einen höheren Beitrag von General Motors. “Nach unserer ersten Einschätzung wird es geboten sein, dass GM als Eigentümer seine Beteiligung an der Sanierung und Neuaufstellung deutlich erhöht“, sagte der CDU-Politiker in Wiesbaden. Opel-Gesamtbetrisbratschef Klaus Franz sagte der Tageszeitung “Die Welt“ (Mittwochausgabe), es sei unklar, wann es zu einer Einigung über einen Beitrag der Arbeitnehmer kommen werde: “Es sind keine Gesprächstermine derzeit vereinbart.“ Der Betriebsrat fordert als Gegenleistung für den Lohnverzicht eine Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen. Der Autoexperte Stefan Bratzel sieht beim Opel-Sanierungsplan eine Erfolgschance von 50 Prozent. Entscheidend für den Erfolg sei, dass die von Opel angekündigten neuen Modelle auch Käufer fänden, sagte Bratzel im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD. Hier treffe Opel in Europa auf Konkurrenten, die teils besser aufgestellt seien.

apn

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