Betriebsrat und Unternehmen sind einig: Beschäftigten verzichten auf Millionen

Opelaner stützen Opel

Schnürten ein Millionen-Paket: Opel-Chef Nick Reilly (links) und der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz schlossen ein Rahmenabkommen. Nun soll der Staat am Zug sein. Foto: dpa

Die Opel-Beschäftigten in den vier deutschen Werken beteiligen sich an der Rettung ihres Arbeitgebers. Sie machen Abstriche am Gehalt. Dafür gerantiert Opel Investitionen und verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen. Nun hofft der Autobauer auf Staatsbürgschaften.

? Was kommt auf die Opel-Mitarbeiter zu?

!Sie sollen bis 2014 jährlich 265 Millionen Euro aufbringen, 176,8 Mio. Euro davon sollen die Beschäftigten in Deutschland beisteuern. Das Urlaubs- und Weihnachtsgeld wird für zwei Jahre halbiert. Eine vereinbarte Tariferhöhung von 2,7 Prozent wird auf Eis gelegt. Bedingung: Die Mitarbeiter schnallen den Gürtel nur enger, wenn auch Staatshilfen fließen.

? Wie viel Geld wird für die Opel-Rettung gebraucht?

!Insgesamt fast vier Milliarden Euro. Die Opel-Mutter General Motors (GM) bringt 1,9 Mrd. Euro auf. Weitere 1,8 Mrd. Euro an Bürgschaften und Krediten sollen die Staaten beisteuern, in denen der Autobauer arbeitet. Deutschland wäre mit einer Mrd. Euro dabei, die sich der Bund und die vier Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen teilen sollen.

? Über diese Staatshilfe wird heftig gestritten – warum?

!Die Staatsgarantien sollen aus dem „Deutschlandfonds“ gewährt werden. Dieser hilft aber nur Opfern der aktuellen Wirtschaftskrise. Opel schrieb jedoch schon jahrelang rote Zahlen. Auch befürchtet der Bund, dass deutsches Steuergeld in der US-Kasse von GM landen könnte.

? Was bietet Opel den Beschäftigten?

!Opel hat Zusagen über Beschäftigung, Produktion und Unternehmensstrategie gemacht, erklärt Armin Schild, Bezirksleiter der IG Metall Frankfurt und Opel-Aufsichtsratsmitglied. So wird Opel zur Aktiengesellschaft, um mehr Eigenständigkeit und Mitbestimmungsrechte zu garantieren. Wenn es mit Opel aufwärts geht, sollen die Beschäftigten am Gewinn beteiligt werden.

? Was ist von solchen Gewinnbeteiligungen zu halten?

!Sie sind eine Kompensation für die Abstriche der Beschäftigten, sagt Heinrich Bayer, Geschäftsführer der Arbeitgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP). Die Organisation aus Kassel beschäftigt sich mit Mitarbeiterbeteiligungen in Unternehmen.

? Wie wird abgesichert, dass die Opelaner die Gegenleistungen auch bekommen?

!Die Beiträge der Beschäftigten sollen auf ein Treuhandkonto fließen. Wenn die staatlichen Bürgschaften bewilligt werden, „haben wir bis 2015 Sicherheiten“, so Schild. Gibt es keine Bürgschaft, liege das Finanzierungsrisiko beim Unternehmen. Werden geplante Investitionen nicht umgesetzt, bekommen die Beschäftigten das Geld zurück.

? Wann fällt eine Entscheidung über die Staatshilfen?

!Sie wird vom, überwiegend mit Staatssekretären besetzten Lenkungsausschuss des Deutschlandfonds getroffen. Er kommt am Dienstag zusammen.

? Was sieht der Plan des Opel-Chefs Nick Reilly vor?

!In Europa sollen gut 8300 von 48 000 Stellen gestrichen werden, An den vier deutschen Standorten in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach würden etwa 3900 Stellen wegfallen. Reilly will die Produktionskapazitäten von Opel um ein Fünftel kürzen und sich vom Werk in Antwerpen trennen.

Von Barbara Will

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