In den 60ern kam der Herrenhut in die Mottenkiste – Heute schwören Designer auf ihn

Ein Opfer der Hippies

Robert Redford im Film „Jenseits von Afrika“, 1985.

Alain Delon in den 60er-Jahren im Film „Der eiskalte Engel“, Robert de Niro in dem Gangster-Epos „Es war einmal in Amerika“ - sie alle trugen Hüte und sahen damit richtig cool aus. Besonders, wenn es ein edler Borsalino aus Italien war“, sagt der Redakteur unserer Zeitung Stefan Wewetzer. „Dieser Hut hat für mich etwas nostalgisches. Er erinnert mich an die Zeit, als ich als Student die Gangster-Filme der „schwarzen Serie“ verschlang, die Krimis von Raymond Chandler und Dashiell Hammett las. Und Jahre später - ich hatte gerade in einem Artikel des „Zeit-Magazins“ gelesen, in welch liebevoller Handarbeit so ein Borsalino gearbeitet wird - wollte ich auch einen haben.“

Mit der Kinoindustrie stieg das Image vom Borsalino ins Mysthische. Und gipfelte 1970 im gleichnamigen Film von Jacques Deray mit Alain Delon und Jean-Paul Belmondo. Doch da kriselte es bereits in der Hutindustrie. Für die 68er-Generation war der Borsalino ein alter Hut, die Absatzzahlen sanken kontinuierlich. Kopftücher, Leder- und Strohhüte sowie auftoupierte Hippiefrisuren und neue Kleidungsideale machten der konservativen Hutmode ein Ende.

Doch das Unternehmen Borsalino in Alessandria gibt es heute noch. Für die 153 Jahre alte Firma arbeiten 120 Mitarbeiter. Im Jahr produzieren sie 90 000 Filzhüte und erwirtschaften einen Umsatz von 20 Millionen Euro. Sie werden von Hand gefertigt und durchlaufen nach Angaben des Herstellers rund 120 Arbeitsschritte. Der billigste Borsalino kostet 150, der teuerste 1500 Euro.

„Ich bekam 1994 zu Weihnachten einen schwarzen Klassiker mit breiter Krempe“, sagt Stefan Wewetzer. „Vor Kurzem kam dann ein pflegeleichter Alltagshut dazu, der im Gepäck so schön zusammengeknautscht werden kann. Eine gute Gelegenheit, um sich wieder einmal „Es war einmal in Amerika“ anzuschauen.“

Konrad Adenauer bevorzugte einen Homburg-Hut mit hochgebogener, eingefasster Krempe der Bad Homburger Hutfabrik Möckel. Er wurde um 1880 nach dem Geschmack des Prinzen von Wales angefertigt und weltberühmt wurde. Doch die Firma gibt es wie viele Hutfabriken nicht mehr.

Die große Zeit der Hüte war von 1850 bis 1950. Fast jeder trug einen. Macht und Autorität drückte er aus. Er schützte das Haupt und ließ den Träger größer erscheinen. Und: „Einen Hut trägt man, um ihn bei Gelegenheiten abzunehmen, wo es sich schickt“. Diese romantische Interpretation stammt aus Thomas Manns 1924 veröffentlichten Roman „Der Zauberberg“.

Der Herrenhut erfährt seit zehn Jahren eine Renaissance. Mit Schnauzer und Nerdbrille sieht man ihre Träger in hippen Szenevierteln der Großstädte. Sie sagen von sich: Ein Hutträger habe Aussage und Stil. Das finden auch Designer. Der Herrenhut ist bei Modeschauen in Paris, New York und Mailand nicht mehr wegzudenken.

Von Stefan Wewetzer und Heike Wagner

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