Optiker suchen neue Geschäftsfelder

Brillenbranche geht es sportlich an

+
Die Optikerbranche will wachsen: Vor allem mit Spezialbrillen.

München - Den Optikern geht's gut. Der Anteil der Brillenträger in der Bevölkerung wächst. Dazu kommt ein immer größerer Markt für Spezialbrillen.

Die Deutschen werden immer älter. Das freut die Augenoptiker: Die Branche hat Aussicht auf glänzendes Wachstum. Jetzt kommen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in das Alter, wo es nicht mehr ohne Brille geht. Dazu kommt der Trend zu Zweit- und Drittbrillen fürs Autofahren, die Bildschirmarbeit oder auch für den Sport, wie Verbandspräsident Thomas Truckenbrod sagt. Sportbrillen sind heute noch eine Nische - aber der Markt bietet riesiges Potenzial.

Etwa 42 Millionen Deutsche tragen heute eine Brille oder Kontaktlinsen. Wenn die Sehkraft nachlässt, behelfen sich viele übergangsweise mit einer Fertigbrille aus dem Drogeriemarkt. Aber bis 2030 erwartet die Branche eine Million zusätzliche Kunden.

Spezialbrillen sollen den Umsatz noch mehr ankurbeln

Noch schöner fänden es die Augenoptiker, wenn jeder nicht nur eine einzige Brille hätte - ein Drittel der Brillenträger bescheidet sich heute noch damit. Nur eine Million Brillenträger treiben Sport mit einer optischen Sportbrille, berichtet Peter Frankenstein vom Industrieverband Spectaris am Freitag vor der Fachmesse opti in München. Mehr als 15 Millionen fehlsichtigen Sportlern würde er gerne den richtigen Durchblick verpassen.

Auf dem wachsenden Markt tummelt sich auch der Sportfachhandel. Er hat schicke Brillen für Skiläufer, Schwimmer und Beachvolleyballer im Angebot. Die Radfahrer-Brille mit polarisierten Gläsern schützt vor Insekten, Sonnenblendung und lässt dennoch jedes Schlagloch erkennen. Aber bei Sehschwäche fehlt etwas - und da wollen die Optiker mit ihrem Know-how punkten.

Diese Lebensmittel sind gut fürs Auge!

Möhren sind gut für die Augen. Doch andere Gemüsesorten sind nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen noch viel gesünder für die Augen.
Möhren sind gut für die Augen. Doch andere Gemüsesorten sind nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen noch viel gesünder für die Augen. © AFP
Grünkohl ist besonders gut fürs Auge: Er kann helfen, einer altersbedingten Makula-Degeneration (AMD) vorzubeugen und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Denn im Grünkohl sind reichlich Lutein und Zeaxanthin enthalten. © dpa
Makula
Die Makula, auch gelber Fleck genannt, ist die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut. Sie ist nur 1,5 Millimeter groß und hat einen hohen Anteil an Makula-Pigment. Das Makula-Pigment besteht nämlich vor allem aus Lutein und Zeaxanthin. © dpa
Früher war man davon ausgegangen, dass der Makula aus mehr Betakartotin besteht. Hier sehen Sie eine Querschnittsdarstellung einer Netzhauterkrankung (Altersbedingte Makula-Degeneration) © obs/Woche des Sehens/Carl Zeiss
Brokkoli
Brokkoli enthält auch viel Lutein und Zeaxanthin. Lutein und Zeaxanthin sind Abkömmlinge von Beta-Carotin. Deshalb stimmt es durchaus, dass Möhren gut für die Augen sind © dpa
Spinat gehört zu den luteinreichsten Gemüsen: 100 bis 150 Gramm Grünkohl, Spinat oder Brokkoli enthalten 10 Milligramm Lutein. Für Patienten die perfekte Menge. Um das gleiche Ergebnis mit Möhren zu erzielen, müsste eine Person mehr als ein Kilogramm Karotten pro Tag essen.
Spinat gehört zu den luteinreichsten Gemüsen: 100 bis 150 Gramm Grünkohl, Spinat oder Brokkoli enthalten 10 Milligramm Lutein. Für Patienten die perfekte Menge. Um das gleiche Ergebnis mit Möhren zu erzielen, müsste eine Person mehr als ein Kilogramm Karotten pro Tag essen. © AFP
Orangen enthalten auch Lutein. Doch um den Wert zu erreichen, müsste man ungefähr 30 Orangen pro Tag zu sich nehmen.
Orangen enthalten auch Lutein. Doch um den Wert zu erreichen, müsste man ungefähr 30 Orangen pro Tag zu sich nehmen. © AFP
Rucola ist sehr luteinreich.
Rucola ist sehr luteinreich. © dpa
Das Essverhalten ist fürs Auge auch deshalb bedeutend, weil der Körper die Stoffe, die er benötigt, um die Makula immer wieder neu aufzubauen, nicht selbst bilden kann, sondern über die Nahrung zu sich nehmen muss - neben Lutein und Zeaxanthin auch Omega-3-Fettsäuren, welche die Netzhaut schützen.
Das Essverhalten ist fürs Auge auch deshalb bedeutend, weil der Körper die Stoffe, die er benötigt, um die Makula immer wieder neu aufzubauen, nicht selbst bilden kann, sondern über die Nahrung zu sich nehmen muss - neben Lutein und Zeaxanthin auch Omega-3-Fettsäuren, welche die Netzhaut schützen. © AFP
Schlecht für die Augen sind Rauchen und Übergewicht.
Allerdings darf der Einfluss der Ernährung auf die Augengesundheit auch nicht überschätzt werden. Schlecht für die Augen sind Rauchen und Übergewicht. © dpa
Bei intensiver Bildschirmarbeit sind Entspannungsübungen für das Auge sehr wichtig.
Bei intensiver Bildschirmarbeit sind Entspannungsübungen für das Auge sehr wichtig. © picture-alliance/ dpa

Auch Online-Optiker drängen auf diesen Markt. Der nach eigenen Angaben größte, Mister Spex, hat inzwischen 400 Sportbrillen im Angebot - davon allerdings nur 36 Modelle mir Sehstärke, dazu alle nur von einer einzigen Marke. Die Konkurrenz aus dem Internet macht den Fachgeschäften ohnehin wenig Angst: Sie erwirtschaftet lediglich vier Prozent des Umsatzes der Augenoptiker, und der ist vergangenes Jahr um zwei Prozent gewachsen auf 5,7 Milliarden Euro. Weitaus die meisten Kunden wollen ihre Brille anprobieren, sich bei der Auswahl beraten und sie vom Fachmann anpassen lassen, sagt Truckenbrod.

Eine weitere Zielgruppe für Sportbrillen sind Millionen Schulkinder. „Jedes vierte Kind im Sportunterricht sieht schlecht“, erklärt der Sportwissenschaftler Gernot Jendrusch von der Ruhr-Universität Bochum. Kinder, die nicht scharf sehen, bewegen sich übervorsichtig oder haben ein höheres Verletzungsrisiko. Und auch die Alltagsbrille ist riskant - schnell landet ein Ball oder Ellenbogen im Gesicht. Die Unfallkassen verzeichnen jedes Jahr rund 11 000 Augenverletzungen im Schulsport. Erfreut präsentiert Jendrusch daher den jüngsten Schulsport-Brillen-Test seiner Fakultät: 19 Modelle erfüllen alle Anforderungen. „Das Angebot guter Sportbrillen wächst.“ Aber nicht nur im Sport - generell sind Schulkinder und Studenten eher anfällig für Sehhilfen.

Optiker blicken zuversichtlich in die Zukunft

Zum Jahresauftakt zeigte sich Verbandschef Truckenbrod zufrieden. Eine aktuelle Umfrage lasse eine positive Tendenz erkennen. „So wird die wirtschaftliche Situation bei zumeist steigenden Umsätzen überwiegend als gut eingeschätzt, und auch für 2017 werden Umsatzsteigerungen erwartet.“ Dass Augenoptik Zukunftsperspektiven biete, zeige sich auch in steigenden Ausbildungszahlen. Auch der Industrieverband ist zuversichtlich, das Inlandsgeschäft hat den Export vergangenes Jahr mit zwei Prozent Plus überflügelt und soll dieses Jahr 2,5 Prozent zulegen.

Die mittelständischen Augenoptiker müssen sich aber einiges einfallen lassen, wenn sie bestehen wollen. Viele haben mit Hilfe von Marktforschern und des Verbandes ihre Zielgruppe vor Ort und ihre Konkurrenz genauer analysiert. Nicht nur große Ketten mit ihren Filialen seien weiter gewachsen, auch Mittelständler mit einem klaren Profil, sagt Truckenbrod. Branchenkönig Fielmann, der mehr als ein Fünftel des Branchenumsatzes kassiert, will seine neuesten Zahlen im Februar vorlegen.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.