Rückruf von einer Million Autos

Erst Toyota, jetzt Honda: Pannen in Serie

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Willi Diez

Kassel. In der Autobauer-Nation Japan herrscht Hochkonjunktur derzeit nur bei den schlechten Nachrichten: Während Marktführer Toyota derzeit weltweit acht Millionen Fahrzeuge wegen fehlerhafter Gaspedale und Bremsen in die Werkstätten zurückholt, zieht nun Honda nach.

Der Konzern weitet einen Rückruf um 440 000 Autos aus und muss nun bei einer Million Fahrzeuge defekte Airbags austauschen. Der deutsche Markt ist nach Honda-Angaben nicht betroffen, weil hier andere Airbags eingebaut worden sein.

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Auto-Experten halten es nicht für einen Zufall, dass es die asiatischen Fabrikate in Serie trifft. „Die Häufung ist auffällig. Offenbar funktioniert die Qualitätssicherung nicht richtig“, sagt Prof. Willi Diez, Leiter des Institutes für Automobilwirtschaft in Geislingen.

Ursache für das Pannen-Dilemma sei aber nicht nur die Sparpolitik, mit der etwa Toyota seine weltweite Expansion vorantreibe. Probleme gebe es auch deshalb, weil die asiatischen Hersteller mit einer großen Modellvielfalt auf den internationalen Märkten vertreten sind. „Selbst die einzelnen Modelle unterscheiden sich von Land zu Land, und dann kann es leichter passieren, dass ein Bauteil nicht passt, das anderswo keine Probleme macht“, erklärt Diez.

In Anbetracht der ADAC-Pannenstatistik kann die Entwicklung verwunderlich erscheinen: Toyota belegt darin seit Jahren regelmäßig Spitzenplätze. „Dass die Asiaten nicht ganz unten rangieren, ist nicht verwunderlich. Mit Defekten im Airbag, Gaspedal oder der Bremse bleibt ein Auto nicht unbedingt liegen. Insofern wird es nicht gezählt“, sagt Diez.

Mit den aktuellen Pannen sieht der Auto-Experte ein schwerwiegendes Problem auf die Japaner zukommen. „Das wird Toyota nicht umbringen aber doch herbe Folgen haben.“

In Amerika mit seinen harten Gesetzen zur Produkthaftung droht den Autobauern eine Klagewelle. In den USA sind zwölf Fälle bekannt, in denen Honda-Airbags so heftig explodierten, dass Insassen gefährdet wurden. In einem Fall wurde der Fahrer getötet. „US-Verbraucheranwälte sind auf derartige Schadensersatzfälle in bis zu dreistelliger Millionenhöhe spezialisiert“, sagt Diez.

Für den deutschen Automarkt sei der japanische Image-Verlust eine „Steilvorlage“. Jetzt könne VW nach der begehrten Weltmarktführer-Position von Toyota greifen.

Von Bastian Ludwig

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