Kurs der BVB-Aktie zieht mit Spielerfolg mit – hat aber vor allem Liebhaberwert

Ein Papier fürs Gefühl

Alles auf Sieg: Shinji Kagawa (Mitte) bejubelte am vergangenen Sonntag sein Tor zum 1:0 gegen Hannover 96 mit Teamkollegen Matts Hummels (links) und Sven Bender. Foto: dpa

Dortmund. Die Fans jubeln, und auch die Aktionäre des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund können sich freuen: Die BVB-Aktie hat nach dem Sieg der Borussen über Hannover 96 am Sonntag gestern die Zwei-Euro-Marke überschritten. Damit setzt sich der Höhenflug des Börsenpapiers seit dem vierten Spieltag fort.

Trotzdem hat Deutschlands einzige Fußball-Aktie vor allem eins: Liebhaberwert. Denn der Ausgabepreis betrug am 31. Oktober 2000 elf Euro pro Stück. Die rund 150 Millionen Euro Erlös aus dem Börsengang sollten den BVB zu einem der wohlhabendsten Sportvereine machen. Doch schon am Ende des ersten Handelstags rutschte die BVB-Aktie auf 9,90 Euro. Fortan verlor sie immer weiter an Wert. Im März 2008 erreichte das Papier mit 84 Cent seinen bisherigen Tiefpunkt.

Vor allem teure Spielertransfers und die hohen Kosten für den Ausbau des Signal-Iduna-Parks ließen den Verein in der ersten Hälfte der Dekade in die roten Zahlen rutschen und brachten den Aktienkurs ins Trudeln.

Ein Grund zum Jubeln besteht für Anleger der ersten Stunde also allenfalls darin, dass mit dem Sturm der Borussen an die Tabellenspitze die Talsohle zunächst durchschritten scheint. Für sie bleibt das Papier weiter hochgradig defizitär. Wer allerdings nach August 2007 in die seit zehn Jahren enttäuschende Aktie investiert hat, kann nun Gewinne einfahren. Damals fiel der Wert unter zwei Euro.

Zwiespältige Euphorie

Das Bankhaus Lampe setzt auf eine weitere Wertsteigerung und empfiehlt „Halten“. BVB-Aktionäre sollten ihre Wertpapiere in Erwartung einer anhaltenten Hausse noch nicht abstoßen. So zwiespältig die Euphorie aus Sicht der Anteilseigner ist: Sportlich gesehen stellt die Elf von Trainer Jürgen Klopp einen Rekord auf. Noch nie hat eine Mannschaft zum Saisonauftakt sechs Auswärtsspiele in Folge gewonnen.

„Der Erfolg einer Sportaktie ist stark abhängig vom sportlichen Erfolg einer Mannschaft - und der ist schwer planbar“, sagt Sportökonom Tim Pawlowski von der Deutschen Sporthochschule Köln. Anders als bei reinen Wirtschaftsunternehmen könnten keine langfristigen Strategien, wie etwa Marketing-Kampagnen, entwickelt werden, die auf einen bestimmten Erfolg abzielten. Insofern seien Sportaktien in hohem Maße von Emotionen abhängig.

Tatsächlich ist das BVB-Papier eine Fan-Aktie. Knapp 75 Prozent der Wertpapiere befinden sich in der Hand von Kleinanlegern. Größter Einzelaktionär ist der Media-Manager Bernd Geske. Dem Aufsichtsratmitglied des BVB gehören 10,1 Prozent der Anteile.

Im Jahr 2005 hatte der Verein fast Konkurs angemeldet. Inzwischen ist die Schuldenlast um die Hälfte verringert, lag aber im Geschäftsjahr 2009/2010 (30. Juni) mit 59 Millionen Euro noch immer bei mehr als 50 Prozent des Umsatzes. Eine Dividendenausschüttung für die Anleger ist somit weiter unwahrscheinlich.

Von Jan Baetz

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