Viele Fischbestände sind bedroht: Ratgeber für den Einkauf

Kassel. Karpfen und Forelle dürfen guten Gewissens in die Pfanne gehauen werden, bei Kabeljau und Lachs ist Vorsicht angebracht, Aal und Rotbarsch sollten vom Speisezettel verschwinden: Diese und andere Empfehlungen gibt die Umweltorganisation Greenpeace Verbrauchern mit ihrem aktuellen Fisch-Einkaufsführer auf den Weg.

Die kostenlos erhältliche Broschüre, für die 80 Fischarten und 380 Fischereibetriebe untersucht wurden, ist nicht nach jedermanns Geschmack: Der Bundesverband der deutschen Fischindustrie kritisiert eine „verzerrte Darstellung“, auch Verbraucherschützer gehen auf Distanz: Greenpeace akzeptiere das MSC-Siegel nicht, moniert die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die Zertifizierung kennzeichnet Produkte aus umweltverträglicher Fischerei.

Hintergund:

Der Marine Stewardship Council (London) ist eine unabhängige, international tätige Organisation. Das MSC-Siegel wird an Fischereibetriebe verliehen, die dafür sorgen, dass genügend Fisch für die Zukunft vorhanden ist und Meeressäuger und Vögel geschützt werden. In Deutschland gibt es rund 2000 MSC-Produkte.

Naturland ist ein Zusammenschluss von 55 000 landwirtschaftlichen Erzeugern. Das Siegel gibt es für Zuchtfisch. Kriterien sind unter anderem, dass die Tiere artgerecht gehalten und mit Futter aus Ökolandbau ernährt werden.

Bioland, ein Zusammenschluss von 5000 Landwirten, zertifiziert bisher nur Karpfenzüchter. Sie müssen bestimmte Regeln zu Fischbesatz in den Teichen, Wasserqualität und Fütterung einhalten.

Das Bio-Siegel kennzeichnet knapp 61 000 ökologisch erzeugte Lebensmittel. Für die Fischzucht ist unter anderem die artgerechte Tierhaltung vorgeschrieben. Neu ist das EU-Biosiegel, ein grünes Blatt mit weißen Sternen

Durchschnittlich 15,7 Kilogramm Fisch isst der Bundesbürger im Jahr. Von den 2,1 Millionen Tonnen, die 2009 auf den deutschen Markt kamen, stammen laut des Fisch-Informationszentrum (Hamburg) nur 273 000 Tonnen aus eigener Produktion. Der Rest wurde importiert. Wichtigste Lieferländer sind Polen, China und Norwegen.

Mit den Fang- und Zuchtmethoden geht nicht nur Greenpeace hart ins Gericht. Auch die Naturschutzorganisation WWF kritisiert in ihrem Einkaufsführer Grundschleppnetze, die den Meeresboden schädigen und die Fischerei in gefährdeten Beständen. Die Aquakultur genannte Zucht bringt ebenfalls Probleme mit sich. Besonders heikel: Viele Zuchtfische fressen Fisch. Um ein Kilogramm Zuchtlachs zu erzeugen, werden bis zur vier Kilo Wildfisch gebraucht. Auch werden oft Chemieprodukte und Medikamente eingesetzt. Das gilt etwa für den Pangasius. Die asiatische Wels-Art hat ihren Marktanteil in Deutschland binnen zwei Jahren verdoppelt. Doch Finger weg, rät Greenpeace, wenn es sich nicht um Öko-Ware handelt.

Nach der Liste der Hamburger Organisation ist nur der Verzehr weniger Fischsorten vertretbar. Matthias Keller, Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie, hält dagegen: Die Aussagen seien zu pauschal. So sei der Kabeljau als grundsätzlich nicht vertretbar eingestuft, obwohl sich die Bestände in einigen Gebieten gut erholt hätten. Auch fehle ein Hinweis auf nachhaltige Fischerei.

Weitere Informationen:

- WWF

- Greenpeace

- Infos zu Fanggebieten

- Friend of The Sea

Der Verbraucher hat es bei der Suche nach dem ökologisch korrekten Kabeljau nicht leicht. Zwar muss Fisch einen Herkunfts- sowie den Nachweis tragen, ob er aus Zucht oder Wildfang stammt, aber detaillierte Informationen fehlen oft. Eine Orientierung bieten Bio- und Ökolabel. Beispiele sind das MSC-Siegel, Bioland und Naturland vergeben ihre Siegel an ökologisch arbeitende Zuchtbetriebe. Weitere Informationen zu Fischbeständen und Links zu Einkaufsführern finden sie auf www.hna.de/wirtschaft

Von Barbara Will

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