Nordhessen Champions

Ein Faible für Wildpferde

Pferdetrainerin Sina Schilling mit dem Mustang Twister im Arm.
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Zugewandt und wissbegierig: Seit Juli hat Sina Lippe zusätzlich den Mustang Twister ausgebildet, um mit ihm beim Mustang-Makeover in Aachen an den Start zu gehen. Beide hatten gleich einen guten Draht zueinander.

Ruhig steht Sina Lippe vor dem Mustang, den Führstrick hält sie locker in der linken Hand. Mit fließenden Bewegungen streckt sie ihm ihre rechte Hand entgegen, zieht sie zurück und streckt sie erneut vor.

Immer wieder kommt der Wallach ein winziges Stück auf sie zu, weicht zurück und nähert sich ihr wieder an. Dann ist es soweit. Ganz langsam neigt der Mustang namens Major seinen Kopf und berührt mit den Nüstern für einen kurzen Moment die Hand von Sina Lippe. Ein ganz besonderer Augenblick – die erste Berührung zwischen dem Wildpferd aus Amerika und seiner Trainerin aus Ahnatal.

Nur wenige Stunden zuvor hatte Sina Lippe den Mustang im Mai am Frankfurter Flughafen in Empfang genommen. Bis zum letzten August-Wochenende hatte sie Zeit um ihn auszubilden. Dann sollte er beim Finale der Mustang-Makeover-Trainer-Challenge in Aachen zeigen, was er gelernt hat. Major ist einer von 15 Mustangs, die im Rahmen der Challenge in 120 Tagen von Trainern aus mehreren europäischen Staaten ausgebildet wurden. Diese hatten sich im Vorfeld um die Teilnahme beworben.

Magischer Moment: Die erste Berührung zwischen Pferdetrainerin Sina Lippe und dem Mustang Major.

Sina Lippe war bereits zum dritten Mal dabei. Die Veranstaltung soll laut den Organisatoren auf die schwierige Situation der Mustangs aufmerksam machen, die in Amerika in freier Wildbahn leben. Da die Flächen nicht genug Nahrung und Wasser für alle Wildpferde bieten, werden immer wieder Teile der Herden eingefangen und in Auffangstationen versorgt. Das Mustang-Makeover soll zum Schutz der Mustangs beitragen und ihnen ein neues Zuhause jenseits der Auffangstationen vermitteln. Im Anschluss an das Finale werden die Tiere versteigert.

„Das Besondere an Mustangs ist, dass sie vollkommen natürlich und ehrlich agieren und reagieren“, beschreibt Sina Lippe ihre Faszination für die Wildpferde. „Ich arbeite gezielt mit Körpersprache und Energie und bekomme von den Mustangs ein viel schnelleres Feedback als bei Pferden, die schon lange von Menschen geprägt sind.“

Da Sina Lippe bereits viel Erfahrung mit Mustangs hat, trainierte sie dieses Mal ein Wildpferd, das laut der Charakterbeschreibung zwar freundlich, aber auch schreckhaft und unsicher ist, sich gern mal losreißt und sich eher verletzen würde statt nachzugeben. Mit der ersten Begegnung war sie sehr zufrieden. „Er ist zugänglich, war total aufmerksam und hat das, was ich gemacht habe, sehr gut verarbeitet“, erklärt sie. Bei der Arbeit mit Mustangs geht es Sina Lippe im ersten Schritt darum, ihnen Sicherheit und Führung zu vermitteln. „Dann kommt das Vertrauen. Das Pferd lernt, dass es sich bei mir entspannen kann und ist bereit, mir zu folgen. Das ist die Basis. Darauf baue ich alles auf“.

Übung: Hier übt Sina Lippe mit dem Mustang Twister die Nachgiebigkeit am Kopf. Er lernt, den Kopf unabhängig von den Beinen zu bewegen.

Einiges hat sie bei Major in den vergangenen Wochen bereits erreicht. Doch im Laufe des Trainings zeigte sich, dass er deutlich mehr Zeit als andere Mustangs braucht. „Wir haben dann Anfang Juli entschieden, dass es für Major zu stressig ist, ihn auf das Event zu bringen und ich bin sehr froh, dass wir da pro Pferd entschieden haben“, erklärt Sina Lippe. Sie wird unabhängig von dem Event weiterhin mit Major arbeiten. Auf die Teilnahme beim Mustang-Makeover musste die Pferdetrainerin aber nicht verzichten. Kurzerhand bekam sie einen zweiten Mustang, den sie seit Ende Juli ausgebildet hat. „Twister ist sehr offen und er lernt schnell“, erzählt Sina Lippe. Innerhalb kürzester Zeit konnte sie ihn berühren und mit ihm spazieren gehen. Nach und nach hat sie ihm dann die nötigen Bausteine vermittelt, um geritten werden zu können.

„Das Pferd gibt das Tempo vor“, betont Sina Lippe. Und das haben Major und Twister in den vergangenen Wochen bestätigt. (Meike Schilling)

Zur Person:
Sina Lippe (32) lebt in Ahnatal und arbeitet als selbständige Pferdetrainerin. Sie ist ausgebildete Horsemanship-Trainerin, Pferdeosteopathin und Pferdephysiotherapeutin. Derzeit absolviert sie zudem eine Weiterbildung im Bereich der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) für Pferde und Hunde. Sie bietet Pferdetraining und osteopathische sowie physiotherapeutische Behandlung für Pferde an sowie Reitkurse in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (PMI)

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