Keine Lösung in Sicht

Pilotenstreik geht weiter - 100.000 Passagiere betroffen

Frankfurt/Main - Die Piloten bei der Lufthansa haben ihren Streik auf einen dritten Tag verlängert. Erneut werden 100.000 Passagiere in Mitleidenschaft gezogen. Eine Lösung des Konflikts ist immer noch nicht in Sicht.

Wegen des noch einmal verlängerten Pilotenstreiks fallen bei Lufthansa an diesem Freitag erneut 830 Flüge aus. Am dritten Streiktag hintereinander sind dieses Mal nahezu ausschließlich Kurz- und Mittelstrecken betroffen, mit zusammen rund 100.000 Passagieren, wie das Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Anders als an den Vortagen werde die Langstrecke „nahezu planmäßig durchgeführt“. „Insgesamt sind an den drei Streiktagen mehr als 315.000 Passagiere von 2618 Flugausfällen betroffen“, resümierte die Fluggesellschaft. Nur wenige Fluggäste wichen auf die Bahn aus.

Der Dax-Konzern forderte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit Nachdruck dazu auf, nach der 14. Streikrunde einer Schlichtung zuzustimmen. „Wir sind als Vorstand für mehr als 120 000 Mitarbeiter verantwortlich und wollen Lufthansa zukunftsfähig aufstellen. Das wird mit einer Forderung von 20 Prozent mehr Lohn nicht möglich sein“, sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister.

In dem bis Anfang 2014 zurückreichenden Tarifkonflikt hatte Lufthansa den Piloten zuletzt ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. Die Vereinigung Cockpit lehnt das ab. Sie verlangt für die rund 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings Tariferhöhungen von insgesamt 22 Prozent für die Zeit bis einschließlich April 2017.

„Wir merken das in unseren mittelfristigen Buchungszahlen“

Hohmeister nannte das „abstrus“ und „völlig unakzeptabel“. Jeder Streiktag koste Lufthansa rund zehn Millionen Euro. Hinzu komme ein Imageschaden, der nicht genau zu beziffern sei. „Wir merken das aber in unseren mittelfristigen Buchungszahlen.“

Die VC verteidigte ihr Vorgehen damit, dass das Lufthansa-Management weiter keinerlei Bewegung zeige und kein verhandlungsfähiges Angebot übermittelt habe. Sprecher Jörg Handwerk warf dem Vorstand eine „kompromisslose Unternehmenspolitik“ vor. Die Piloten lehnen eine Schlichtung bisher ab und kritisieren das aus ihrer Sicht zu niedrige Angebot der Lufthansa.

Am Donnerstag waren wegen des Streiks 912 Verbindungen gestrichen worden, am Mittwoch 876 - jeweils rund die Hälfte des Programms der Kernmarke Lufthansa. Flüge der Billigtochter Eurowings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti waren nicht betroffen, viele Gäste wurden darauf umgebucht.

Auch am Freitag sollten in der Lufthansa-Gruppe 2170 von 3000 Flügen stattfinden. Darunter ist auch der erste Direktflug von San Francisco nach Berlin. An Bord des Sonderflugs LH 343 mit einem Lufthansa-Jumbo sind die Berliner Philharmoniker auf ihrer Rückreise von einer Nordamerika-Tournee.

Lufthansa hat in München und Frankfurt tausende Hotelbetten reserviert

„Die Lage in den Terminals ist ruhig“, hieß es bei der Lufthansa. Der Streik-Flugplan werde wie geplant geflogen. Viele Fluggäste seien vorab informiert worden oder hätten sich selbst schlau gemacht. Der Konzern erklärte, es seien mehr als 150 000 Mails oder SMS mit Fluginfos versendet worden. An die wenigen gestrandeten Passagiere wurden Snacks, Wasser und Saft verteilt. Lufthansa hat vorsorglich in München und Frankfurt tausende Hotelbetten reserviert. Im Frankfurter Terminal standen zudem wieder Feldbetten für Transit-Fluggäste, die ohne Visum nicht in den Schengen-Raum einreisen dürfen.

Die Deutsche Bahn will trotz des Lufthansa-Streiks keine Sonderzüge einsetzen. „Das ist nicht geplant“, sagte ein Bahnsprecher. Die zusätzlichen Lufthansa-Passagiere könnten mit den regulären Zügen befördert werden. An mehreren Knotenpunkten stünden - wie immer - Ersatzzüge bereit, die im Bedarfsfall eingesetzt werden könnten. Nach Angaben der Lufthansa waren am Mittwoch rund 2200 Flugtickets in Bahnfahrscheine umgewandelt worden.

dpa

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