Kurzer Wisch der Hand über einen Scanner reicht

Pilotprojekt in Schweden: Bezahlen per Handauflegen

Stockholm. Student Fredrik Leifland bezahlt im Supermarkt von Lund nur mit einer Handbewegung. Er braucht an der Kasse weder Kreditkarte noch Bargeld.

Wenn die Waren auf dem Fließband vom Scanner eingelesen sind, drückt der 24-jährige Erfinder des Bezahlsystems Quixter seinen vierstelligen Code ein. Dann hält er seine Handfläche zwei bis vier Zentimeter über einen kleinen Infrarotscanner an der Kasse.

Der liest das Muster seiner Handvene. Die Venen absorbieren das Infrarotlicht, während der Rest der Hand es reflektiert. Das bei jedem Menschen einzigartige Handvenenmuster wird so erfasst und elektronisch mit einer zuvor eingespeicherten Version vergleichen. Die Bankverbindung, von der das Geld abgebucht werden soll, wird in wenigen Sekunden dazugekoppelt. Zurzeit ist das dafür nötige Quixter-Konto noch dem normalen Bankkonto vorgeschaltet. Es zieht dann nachträglich das Geld zweimal im Monat vom Girokonto des registrierten Verbrauchers ab.

Hintergrund: Handfläche statt Fingerabdruck

Fingerabdrücke sind leicht zu beschädigen durch Hautkrankheiten oder kleine Verletzungen und Narben. Dann könnten sie nicht mehr richtig eingelesen werden, sagt Erfinder Fredrik Leifland. Er werde allerdings oft gefragt, was passieren würde, wenn ihm jemand Fremdes, wie in einem Hollywoodfilm, die Hand abhacken würde, um damit sein Konto leer zu räumen. „Auch da ist das Handvenenmuster dem Fingerabdruck überlegen“, gibt er sich selbstsicher. „Denn das Venenmuster muss mit zirkulierendem Blut gefüllt sein, damit es funktioniert.“ (yeu)

Immer mehr Kunden in der südschwedischen Universitätsstadt können in Geschäften und Cafés auf diese Weise mit ihrer Hand bezahlen. Inzwischen machen 1600 Personen bei dem Pilotprojekt mit. Geplant ist, das Bezahlsystem in Schweden auszubauen. Leifland: „Diejenigen, die sich bei uns registriert haben, bezahlen inzwischen bei Wahlmöglichkeit lieber mit der Hand, weil es praktischer ist.“

Kürzere Warteschlangen 

Der angehende Ingenieur kam auf die Idee, als er vor zwei Jahren genervt an einer Kasse in der Schlange stand und es wieder mal Ewigkeiten dauerte, bis er an der Reihe war. Ihm fiel auf, wie viel Zeit die Leute brauchen, um ihre Geldbörsen hervorzuholen und aus ihnen die herkömmlichen Bezahlmittel hervorzufischen. Bargeld muss abgezählt werden. Inzwischen haben Verbraucher aber auch so viele unterschiedliche Plastikkarten, dass das Hervorkramen der richtigen Karte lange dauern kann. Auch andere neue Bezahlformen wie mit dem Handy seien langsamer, so Leifland. Denn auch das müsse hervorgekramt werden und dann müsse noch die richtige App eingestellt werden, so Leifland. Wo die eigene Hand ist, weiß der Mensch sofort.

„Ich wollte den Bezahlweg verkürzen. Statt mit Geld oder Karte in der Hand soll man mit der Hand selbst bezahlen können“, sagt Leifland dieser Zeitung. „Zehn Sekunden sparen wir durchschnittlich ein pro Kunde im Vergleich zu anderen Zahlmethoden“, so Leifland. Das klinge nach nicht viel, summiere sich aber.

Dass Leifland sich für das Handvenenmuster und nicht den klassischen Fingerabdruck entschieden hat, hat zwei wichtige Gründe: „Die Handfläche ist vom Datenschutz her nicht bedenklich. Fingerabdrücke hinterlassen Menschen überall, wo sie sind und etwas anfassen. Es wäre für viele Kunden außerdem kränkend, ihren Fingerabdruck abgeben zu müssen. Aber das Muster der Handvenen wird nirgendwo einfach so hinterlassen“, so Leifland. Die Bürger müssten also keine Angst haben, überwacht zu werden. (yeu)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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