Ermittlungen gegen Ex-Chef Wiedeking – Fusion mit Sportwagenbauer festgefahren

Porsches Erbe bremst VW

Grund für viele Probleme: Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wollte VW mit riskanten Finanzgeschäften schlucken. Foto: dpa

Eigentlich sollte die Verschmelzung von Porsche und Volkswagen noch in diesem Jahr über die Bühne gehen, doch dass der Termin gehalten wird, ist unwahrscheinlich. Auch heute, in der Porsche-Hauptversammlung in Stuttgart, werden die Aktionäre von Martin Winterkorn kaum Neues dazu erfahren. Winterkorn ist in Personalunion Vorstandsvorsitzender von VW und der Porsche Automobil Holding SE.

Zwar versichert er stets, zuletzt Anfang Mai, dass die geplante Integration von Porsche vorankommen wird, „allerdings liegen nach wie vor einige nicht unerhebliche steuerliche und juristische Hürden vor uns.“ Konkreter wird Winterkorn nicht.

Die Probleme sind Altlasten und Risiken aus der Ära des Porsche-Altvorstand-Chefs Wendelin Wiedeking, die sich Winterkorn nicht aufhalsen will. Zwar hat die Holding den Schuldenberg durch den Verkauf von 49,9 Prozent des Porsche-Sportwagengeschäfts an VW und eine Kapitalerhöhung massiv abgetragen. Aber auf die Dauer der Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft haben die Wolfsburger keinen Einfluss.

Die Staatsanwälte ermitteln gegen Ex-Porsche-Chef Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter wegen des Verdachts der Untreue. Zudem wird gegen drei Verantwortliche aus dem einstigen Porsche-Finanzbereich wegen des Verdachts des Kreditbetrugs ermittelt. Die Untersuchungen wegen des Verdachts falscher Information im Zusammenhang mit dem Kauf von VW-Aktien 2007 bis 2009 laufen weiter.

Wiedeking hatte versucht, VW mittels riskanter Finanzgeschäfte zu schlucken. Da diese Ermittlungen „äußerst aufwendig und zeitintensiv sind, werden sie nicht vor Ende diesen Jahres abgeschlossen werden“, hieß es gestern bei der Staatsanwaltschaft in Stuttgart.

Mehrfach haben Hedgefonds versucht, Porsche für die Folgen der Übernahmeschlacht zur Verantwortung zu ziehen, da sie sich vom Management über die wahren Absichten der Übernahme getäuscht fühlen – bislang erfolglos. Nun haben sie einen neuen Versuch gestartet und im Frühjahr Klage eingereicht. Sie verlangen eine Milliarde Dollar (709 Mio. Euro).

Noch im März hatten Winterkorn und VW-Finanzvorstand Dieter Pötsch die Chance auf eine Verschmelzung 2011 mit 50 Prozent bewertet. Analysten der Deutschen Bank haben bereits den Schaden für das Nichtzustandekommens der Fusion berechnet. Im ärgsten Fall gehen sie bei VW „von zwei Milliarden Euro aus“.

Mit jedem Monat steigt so die Wahrscheinlichkeit eines Plan B. Eine Möglichkeit: VW übernimmt die verbliebenen 50,1 Prozent Anteile an der Porsche AG. Somit würde VW das komplette operative Porsche-Sportwagengeschäft erhalten – ohne die Probleme der SE Holding. Sie bliebe bestehen und müsste allein mit den Problemen klar kommen (Hintergrund). Die Fusion wird kaum platzen – offen ist aber, wann sie kommt.

Von Martina Wewetzer

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