Post vom Finanzamt - Daten kritisch prüfen

+
Die Lohnsteuerkarte aus Papier hat endgültig ausgedient: Ab 2012 erfolgt der Datenaustausch nur noch elektronisch.

Berlin - Die Steuerzahler in Deutschland bekommen derzeit Post vom Finanzamt. Darin werden sie darüber aufgeklärt, welche Daten über sie bei den Behörden gespeichert sind. Ein kritischer Blick lohnt.

Das Schreiben ist in der Regel formlos und knapp. Auf etwa einer DIN-A-4 Seite werden alle Steuerzahler in Deutschland derzeit darüber aufgeklärt, welche Daten das zuständige Finanzamt von ihnen gespeichert hat. Hintergrund ist die Umstellung auf die elektronische Verwaltung der Steuerdaten. Damit solle die Kommunikation zwischen Bürgern, Unternehmen und dem Finanzamt erleichtert und beschleunigt werden, erklärt die Bundessteuerberaterkammer.

Die alten Lohnsteuerkarten haben nun ausgedient. Sie waren 2010 zum letzten Mal ausgestellt worden und übergangsweise auch für 2011 gültig. Ab dem kommenden Jahr erhält das Lohnbüro des Arbeitgebers die Informationen zum Steuerabzug dann aus dem zentralen Datenspeicher der Finanzverwaltung.

“Was bisher auf der Lohnsteuerkarte aus Pappe stand, ist jetzt im zentralen Datenspeicher erfasst“, erklärt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Bis Ende November sollen alle Steuerzahler daher über die “Elektronischen LohnsteuerAbzugsMerkmale - ELStAM“ aufgeklärt sein. In der Regel sind das die Daten, die bisher auf der Vorderseite der Lohnsteuerkarte vermerkt waren. Die Schreiben der Finanzverwaltung enthalten neben der Anschrift und Steueridentifikationsnummer (ID) die Steuerklasse, Religionszugehörigkeit und Freibeträge etwa für Kinder oder bei körperlichen Behinderungen.

Steuersenkungen: Wer davon profitiert

Mit dem “Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ wollen Union und FDP das erste Steuersenkungspaket umsetzen. Von links der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer, der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). © dpa
Die von Schwarz-Gelb beschlossenen Entlastungen von jährlich 8,5 Milliarden Euro sollen von Januar 2010 an greifen. Es gibt aber Widerstand aus den Ländern. Das sind die Eckpunkte der Steuersenkungen: © dpa
FAMILIEN: Der jährliche Kinderfreibetrag soll von 6024 auf 7008 Euro angehoben werden. © dpa
Das monatliche Kindergeld wird um jeweils 20 Euro erhöht - also auf 184 für das erste und zweite Kind, auf 190 Euro für das dritte Kind und auf je 215 Euro für das vierte sowie weitere Kinder. © dpa
Kosten pro Jahr: bis zu 4,6 Milliarden Euro. © dpa
MEHRWERTSTEUER: Zum 1. Januar 2010 soll für Übernachtungen im Hotel- und Gaststättengewerbe der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent gelten. © dpa
Kosten pro Jahr: fast eine Milliarde Euro. © dpa
UNTERNEHMENSSTEUER: Elemente der Unternehmenssteuerreform von 2008 werden korrigiert. © dpa
Kosten pro Jahr: fast 2,4 Milliarden Euro. © dpa
Einige Punkte der Unternehmenssteuerreform: Die “Zinsschranke“ - der Aufwand für Zinsen bei der Berechnung der Steuerlast - wird gelockert. © dpa
Sanierungs-Übernahmen werden erleichtert. © dpa
Bei der Gewerbesteuer soll der Teil der Aufwendungen für Immobilienmieten gekürzt werden, der bei Ermittlung der Gewerbesteuerlast hinzugerechnet und versteuert werden muss. © dpa
ERBSCHAFTSTEUER: Geschwister, Nichten und Neffen werden entlastet. © dpa
Für sie soll es einen neuen Stufentarif von 15 bis 43 Prozent geben. © dpa
Für Firmenerben wird die Arbeitsplatzauflage für eine Steuerbefreiung gelockert. © dpa
Kosten pro Jahr: bis zu 420 Millionen Euro. © dpa
BIOKRAFTSTOFF: Der Steuervorteil für reine Biokraftstoffe wird nicht reduziert und der Entlastungssatz in den Jahren 2009 bis 2011 fortgeschrieben. © dpa
Kosten pro Jahr: bis zu 127 Millionen Euro. © dpa

Der Brief vom Finanzamt sollte auf keinen Fall achtlos weggeheftet werden, empfehlen Steuerexperten. “Jeder sollte selbst kontrollieren, ob die gespeicherten Angaben stimmen“, empfiehlt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. “Arbeitgeber sind nicht verpflichtet zu prüfen, ob die Daten, die sie von den Finanzbehörden bekommen, richtig sind.“ Doch ein fehlender Eintrag kann für Arbeitnehmer unter Umständen böse Folgen haben. Denn falsche Angaben führen dazu, dass - zumindest zeitweise - mehr Steuern gezahlt werden müssen. Oder die Abgaben sind zu gering, dann werden später Nachzahlungen fällig.

“Eine Korrektur der gespeicherten Daten ist nur über das zuständige Finanzamt möglich, nicht mehr bei der Gemeinde“, erklärt Uwe Rauhöft. Weil die richtigen Daten dem Finanzamt aus den Steuererklärungen oft bekannt sind, könne bereits ein Anruf helfen. Wegen der vielen Nachfragen seien manche Finanzämter derzeit jedoch schlecht erreichbar. Dann empfiehlt sich ein Schreiben per Post, Fax oder E-Mail mit einem Vordruck.

“Freibeträge wegen höherer Aufwendungen, zum Beispiel für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, müssen bis zum Jahresende in jedem Fall neu beantragt werden, um ab Januar 2012 bei der Lohnabrechnung berücksichtigt werden zu können“, erklärt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. Das gleiche gilt auch für Ehepaare, die statt der Steuerklassenkombination III und V lieber den Faktor zur Steuerklasse IV nutzen wollen. Dieses Verfahren führt bei größeren Einkommensunterschieden zu geringeren Lohnsteuern und bei Arbeitslosigkeit zu höheren Leistungen.

Einsicht im Internet

Jeder kann mit seiner Steueridentifikationsnummer (ID), die allen Bundesbürgern seit 2008 mitgeteilt wurde, Einsicht in seine gespeicherten Lohnsteuerabzugsmerkmale nehmen. Hierzu muss er sich im elektronischen Elster-Online-Portal unter http://www.elster.de registrieren. Liegt die ID nicht mehr vor, teilt das Bundeszentralamt für Steuern diese auf Anfrage schriftlich mit.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.