Vom ersten Angebot bis zum endgültigen Nein

Potash beendet Wirtschaftskrimi - Chronologie der versuchten Übernahme von K+S

Die Übernahme von K+S durch den Rivalen Potash ist vorerst abgewendet: Auf dem oberen Bild zu sehen ist das Kali-Bergwerk Sigmundshall nordwestlich von Hannover. Mit großen Schaufelladern wird das Rohsalz abtransportiert. Rechts: K+S-Chef Norbert Steiner. Foto: K+S/nh

Kassel. Kanadier lassen vom Kasseler Dax-Konzern K+S ab. Eine Chronologie.

Mit der Aufgabe seiner Pläne, den Kasseler Kali- und Salzproduzenten K+S zu übernehmen, hat der kanadische Rivale Potash am Montag einen Schlusspunkt unter einen monatelangen Wirtschaftskrimi gesetzt. Dieser hatte Management und Gewerkschaft auf Trab sowie Kommunal- und Landerspolitiker auf Trab gehalten. Ein Überblick.

Das erste Angebot

Es sind prächtige Quartalszahlen, die der Kasseler Kali- und Salzproduzent am 12. Mai präsentiert: Der Umsatz im ersten Quartal 2015 legt um 16 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro zu. Unterm Strich bleiben dem Dax-Konzern 198 Millionen Euro - 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Am 31. Mai flattert dann ein Angebot in die Kasseler Zentrale um K+S-Chef Norbert Steiner. 41 Euro je Aktie werden geboten - 7,85 Mrd. Euro für das gesamte Unternehmen. Potash würde zum weltweiten Branchenprimus auf dem Kalimarkt. Das Angebot wird am 25. Juni bekannt. Das Pokern beginnt.

Angst um Arbeitsplätze

Potash plant zu diesem Zeitpunkt, den Kalihersteller aus Kassel mit einem freundlichen Angebot im Einvernehmen mit Vorstand, Aufsichtsrat und Belegschaft zu übernehmen. Kernfrage für Beschäftigte und die Landespolitiker bleibt, was aus den weltweit 14 300 Mitarbeitern werden würde, von denen 6000 in Nord- und Osthessen beschäftigt werden. Analysten und Arbeitnehmer sehen Arbeitsplätze und Standorte in Gefahr.

K+S lehnt Angebot ab A

m 2. Juli lehnt K+S das Angebot aus Kanada ab. K+S-Chef Norbert Steiner bezeichnet es als zu niedrig. Potash lässt nicht locker - fordert den Vorstand zu Gesprächen auf. Schließlich hat der Konzern auch andere Möglichkeiten: eine feindliche Übernahme, denn der Großteil der Aktien befindet sich im Streubesitz. K+S hat keinen starken Anteilseigner, der den Käufer hätte abwehren können. Das bangen geht weiter

Bouffier macht sich stark

Die Landespolitik schreitet ein. Ganz vorne dabei, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). K+S soll nordhessisch und eigenständig bleiben, sagt Bouffier. Die Regierung zweifelt daran, dass Potash die Standorte in Hessen langfristig erhalten werde.

Potash konkretisiert

Am 6. August konkretisiert Potash sein Angebot. Die Kandier versprechen den Vorständen Posten im neuen Konzern, mehr Geld sowie eine Europazentrale in Kassel und geben Arbeitsplatz- und Standortgarantieren ab - allerdings mit sehr vielen Einschränkungen. K+S lehnt auch dieses Mal ab. Ende August befragt K+S seine Privataktionäre. 96 Prozent sind gegen die Übernahme.

Durchsuchung bei K+S

Am 9. und 10. September umzingeln 150 Ermittler und Polizisten aus Thüringen in einem vorbereiteten Großeinsatz das Gebäude am ICE-Bahnhof. Die Beamten suchen Belege dafür, dass K+S zwischen 1999 und 2007 rund 9,5 Mio. Kubikmeter Salzabwasser illegal in den Untergrund der Gerstunger Mulde südlich von Eisenach versenkt hat. K+S weist die Vorwürfe zurück - schließlich liegen entsprechende Genehmigung des Bergamtes vor.

K+S sagt endgültig Nein

Der kanadische Düngemittelriese lässt von K+S ab und zieht sein Angebot von Ende Mai zurück. Somit können die Kasseler vorerst selbstständig bleiben. Ein mit den Vorgängen Vertrauter aus dem Potash-Lager kommentierte den Rückzug mit den Worten: „Die finanzielle Disziplin hat nichts anderes zugelassen“.

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