Nordhessen Champions

Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner: Aus Faszination wird durch Nachdenken Inspiration

Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner beim Kosmodrom Baikonur.
+
Ein faszinierender Anblick: Das Kosmodrom Baikonur ist der weltweit erste und derzeit größte Weltraumbahnhof. Es war sowohl Startplatz für den ersten künstlichen Satelliten Sputnik 1 als auch für den ersten bemannten Raumflug.

Ein Besuch der alten Schule ist für viele Menschen faszinierend, weckt er doch hoffentlich schöne Erinnerungen. Für Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich („Jan“) Wörner, Generaldirektor der ESA (European Space Agency) war der Aufenthalt in der Albert-Schweitzer-Schule in Hofgeismar mit einem ausführlichen Interview verbunden.

In der Reihe „Talk und mehr in der ASS“ lädt das Kulturforum Hofgeismar regelmäßig ehemalige Absolventen des Gymnasiums ein und unterhält sich mit ihnen über ihren persönlichen und beruflichen Werdegang. Vor 47 Jahren machte Jan Wörner sein Abitur an der Schule und erinnert sich heute mit gemischten Gefühlen an diese Zeit: „Ich bin nicht so wahnsinnig gerne in die Schule gegangen. Mathe und Physik habe ich durchaus genossen und ich wollte auch ein guter Schüler sein. Aber das hat mit meiner Zeitplanung nicht hingehauen. Am Ende hatte ich das Abi mit einem Durchschnitt von 3,2 in der Tasche. Darüber war ich nicht glücklich, aber ich habe es hingenommen.“

Talk in der Albert-Schweitzer-Schule (ASS): Gerne folgte Prof. Wörner der Einladung des Kulturforums Hofgeismar zum Gespräch mit dem Journalisten Burkhard Rabe von Papenheim und gab dabei viele Erinnerungen, Ansichten aber auch Ideen preis.

Ein beeindruckender Werdegang

Für die weitere Berufsplanung bedeutete diese Note jedoch Einschränkungen: „Ich wollte entweder Pfarrer werden – dazu fehlte mir die Kraft. Oder Arzt – da fehlte mir die Energie, die Wartezeit auf den Studienplatz durchzustehen. Aber da bereits mein Vater und mein Bruder Bauingenieure waren, habe ich mich auch dazu entschieden. Ich dachte mir: Machste was Einfaches.“ Das Studium führte den 1954 in Kassel geborenen Wörner nach Berlin und Darmstadt, wo er 1985 promovierte und 1990 zum Professor für Bauingenieurswesen ernannt wurde und die Leitung der Prüf- und Versuchsanstalt übernahm. 1995 wurde er zum Präsidenten der TU Darmstadt gewählt und war Dekan des neuen Fachbereichs Bau­ingenieurwesen. Von 2007 bis 2015 war Jan Wörner Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und ist seit 2015 Generaldirektor bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA – ein beeindruckender Werdegang.

Zurück zur Schule: In der Albert-Schweitzer-Schule in Hofgeismar machte Prof. Dr. Jan Wörner 1973 sein Abitur mit einem Notendurchschnitt von 3,2. Obwohl er darauf nicht stolz ist, kann der gebürtige Kasseler doch auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Heute ist er Generaldirektor der ESA.

Als ihm die Stelle beim DLR offeriert wurde, sagte Jan Wörner zunächst ab. Erst als man ihm sagte, er hätte ohnehin keine Chance auf den Posten gehabt, bewarb er sich: „Natürlich gab es bessere für diesen Posten – aber ich habe es geschafft. Glück und Frechheit ziehen sich durch meinen Lebenslauf. Ich hatte jedoch oft Schwierigkeiten, weil ich nicht diplomatisch war und nie sein werde. Der Grat zwischen Diplomatie und Lüge ist mir zu schmal. Da sage ich lieber gleich die Wahrheit und dann ist gut. Ich wäre kein guter Politiker.“

Als Generaldirektor der ESA ist Wörner viel unterwegs, besucht regelmäßig alle 22 Mitgliedstaaten. „Meine Familie lebt in Darmstadt, ich habe eine Wohnung in Paris und lebe mein Leben derzeit nach dem Drei-Wetter-Taft-Prinzip. Heute bin ich noch in Hofgeismar und morgen schon wieder in Rom. Für mich ist der Begriff Heimat nicht besetzt – auch nicht mit Hofgeismar, wo ich aufgewachsen bin. Die Ahle Wurst vermisse ich aber schon in der Ferne.“

Kosmodrom Baikonur: Jan Wörner besuchte den Weltraumbahnhof im Süden Kasachstans, von wo aus die Astronauten der ESA zur ISS starten.

Die Kraft zum Begeistern

An der Arbeit bei der ESA gefällt Prof. Wörner unter anderem, dass Raumfahrt die Kraft zum Begeistern hat. Er selbst hat sich die totale Neugier am Thema bewahrt, ist fasziniert von Schwarzen Löchern und Dunkler Materie, dem Urknall und der Motivationskette, die bei vielen Leuten geweckt wird: „Aus Faszination wird durch Nachdenken Inspiration. Der nächste Schritt ist die Motivation.

Viele Probleme auf der Erde lassen sich umfassend nur aus dem Weltall beobachten, so zum Beispiel der Klimawandel. Dieser ist heute sogar schon auf der Venus entdeckt worden“, so Wörner.

Selbstverständlich hat sich Jan Wörner die Gelegenheit, an mehreren Parabelflügen teilzunehmen, nicht entgehen lassen. „Wenn man es richtig macht, wird einem dabei auch nicht übel“, beruhigt er und fügt hinzu, dass die Schwerelosigkeit eigentlich gar nicht so interessant sei. „Es ist viel spannender, die Anziehungskraft auf dem Mond oder dem Mars zu simulieren und unter diesen Konditionen einarmige Liegestütze zu machen.“ Für den Sportmuffel Wörner, der Joggen um fünf Uhr morgens als grausam aber notwendig empfindet, wäre das eine reizvolle Alternative zum Sport auf der Erde. Entspannung findet der Vielflieger als passionierter Schrauber an Autos und Haushaltsgeräten.

Im Alter von drei Jahren: Wörner ist in Kassel geboren und in Hofgeismar aufgewachsen.

„Man hat da wenigstens das Gefühl, dass man was geschafft hat. Es entspannt mich“, so Wörner, der natürlich auch auf die obligatorische Frage, was er denn besser finde, Star Wars oder Star Trek, eine individuelle Antwort hat: „Star Trek natürlich. Aber eigentlich bin ich ein Fan von der Raumpatrouille Orion. Und erst vor Kurzem habe ich ,2001: Odyssee im Weltraum’ geguckt. Der ist wirklich heiß!“ (ZGI)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.