Fragen und Antworten

Prokon hat Insolvenz angemeldet

Der Windparkinvestor Prokon hat Insolvenz angemeldet. Der Konzern hatte vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass es in Schieflage geraten ist. Laut "Wirtschaftswoche" hat das Amtsgericht Itzehoe hat das Insolvenzverfahren gegen Prokon eröffnet. Hier lesen Sie Fragen und Antworten zu diesem Thema.

Über 75.000 Anleger haben Prokon-Genussrechte gezeichnet. Sind sie Kreditgeber oder Mit-Unternehmer? 

„Genussrechte sind eine Mischform von Eigen- und Fremdkapital“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Anleger bekommen Zinsen wie ein Kreditgeber, sind aber auch an Unternehmensverlusten beteiligt wie ein Miteigentümer.

Welche Rechte haben die Anleger bei der Insolvenz? 

Sie können ihre Forderungen erst anmelden, falls das Insolvenzverfahren später eröffnet wird, erklärt der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Rückzahlungen von Kapital oder Zinsen seien „derzeit nicht möglich“. Doch Forderungen aus Genussrechten werden nachrangig bedient, sagt Daniel Bauer, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Erst bekommen Sozialkassen, Mitarbeiter, Banken, Lieferanten und andere Gläubiger ihr Geld.

Haben Anleger, die ihre Genussscheine schon gekündigt haben, bessere Chancen, ihr Geld wiederzusehen? 

Darüber streiten die Juristen. Einige Rechtsanwälte vertraten die Ansicht, dass Genussrechts-Anleger, die vorab kündigten, mit Vorrang behandelt werden, und ihr Geld vollständig zurück erhalten, heißt es bei der SdK. Die von den Anlegerschützern befragten Juristen seien hingegen alle zu dem Ergebnis gekommen, dass eine vorzeitige Kündigung keinen Vorteil bringe. Das betonte auch Prokon.

Lohnt sich eine Klage, um Ansprüche durchzusetzen?

Nur bedingt, etwa wenn es um sehr hohe Summen geht. Für einen Durchschnittsanleger, der bis zu 20.000 Euro investiert und keine Rechtschutzversicherungt hat, sei das Kostenrisiko größer als die Erfolgsaussicht, so die SdK.

Wie kam es zu den Problemen? 

Prokon finanziert langfristige Investitionen, wie Windkraftanlagen, mit Kapital, das kurzfristig abgezogen werden kann. Mit Genussrechten waren 1,4 Milliarden Euro eingesammelt worden. Wird zuviel Geld abgezogen, fehlt es – etwa, um laufende Verbindlichkeiten zu bezahlen.

Wie geht es mit dem Unternehmen jetzt weiter? 

Der Insolvenzantrag muss geprüft werden, was einige Monate dauern kann. „Der vorläufiger Insolvenzverwalter und unsere Berater werden uns in dieser Zeit begleiten“, erklärte Prokon auf seiner Internetseite. Wieviel Geld Anleger erwarten können, ist völlig offen. Ende Oktober 2013 bezifferte Prokon das Sachanlagevermögen auf 1,17 Milliarden Euro. Das Geld floss in Windkraftanlagen, in eine Ölmühle, in Wälder und Holzverarbeitung sowie in Biomasse-Anlagen. Aber eine testierte Konzernbilanz gibt es nicht.

Von Barbara Will

www.prokon.net

www.sjpp.de

Rubriklistenbild: © dpa

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