Psychologen und Neurologen helfen bei Demenz

Wenn Menschen vergessen

Manchmal etwas zu vergessen, das gehört für ältere Menschen zum Alltag. Doch wenn das Gedächtnis häufiger versagt, die Orientierung verloren geht und sich die Persönlichkeit verändert, dann lautet die Diagnose oft: Demenz. Mehr als 50 Formen der Erkrankung gibt es.

Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums leiden rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland daran – Tendenz steigend.

Fast immer sind, wie bei der bekannten Alzheimer-Krankheit, Menschen ab 65 Jahren betroffen. Doch auch Jüngere können an einer Demenz erkranken: „Diese Menschen fallen völlig aus dem Alltag“, umschreibt es Prof. Richard Dodel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Siegen.

Doch dieses Symptom ist charakteristisch für die Frontotemporale Demenz, kurz FTD. Wie bei allen Formen der Demenz sterben dabei Gehirnzellen, in diesem Fall im Stirnhirn und im Schläfenlappen. „Bei der Frontotemporalen Demenz können Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltens- und Sprachstörungen auftreten“, sagt Experte Richard Dodel, der auch Neurologie-Professor an der Philipps-Universität Marburg ist. Betroffene selbst registrierten die Persönlichkeitsveränderung in der Regel nicht, für das Umfeld sind sie extrem belastend.

Bei der Alzheimer-Krankheit, an der zwei Drittel der Demenz-Betroffenen leiden, lassen die kognitiven Fähigkeiten nach. Zu den typischen Erinnerungslücken kommen Orientierungslosigkeit und Konzentrationsschwächen. Auch Alzheimer trifft vereinzelt jüngere Menschen. „Dabei handelt es sich immer um eine erbliche Veranlagung“, sagt Prof. Christian Haass, Demenzforscher im Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in München.

Gezielt auf Demenz untersucht

Vom Hausarzt wird ein Patient mit Demenzverdacht zum Neurologen, Psychologen oder zur Gedächtnisambulanz – auch „Memory Clinic“ genannt – geschickt. Dort wird gezielt auf Demenz untersucht, unter anderem mithilfe einer Computer- und Magnetresonanztomografie des Kopfes. „Damit werden vor allem organische Ursachen ausgeschlossen“, erklärt Prof. Dodel. Denn in allen Altersgruppen kann Demenz die Folge von anderen Krankheiten sein, etwa einer Schilddrüsenstörung und von Schlaganfällen. Alzheimer, FTD und die meisten anderen Arten der fortschreitenden Demenz sind nicht heilbar – auch wenn die Forschung immer neue Erkenntnisse gewinnt. Umso wichtiger ist daher die Betreuung.

„Sport ist das Einzige, was man gegen Demenz machen kann“, sagt Prof. Haass. „Es ist durch Tierversuche belegt, dass körperliche und geistige Betätigung die Demenz zwar nicht verhindert, aber den Verlauf hinauszögert.“ (tmn)

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