Medizintechnik-Hersteller B.Braun baut in Hanoi – ein schwieriges Projekt

Qualität made in Vietnam

B.Braun Melsungen baut in Ha Tay im Südwesten von Hanoi eine neue Medical-Produktionsstätte. Neben dem Baufeld gibt es ein Hüttendorf für die Arbeiter. Foto: Lache-Elsen

Hanoi / melsungen. Die B.Braun Melsungen AG baut im Südwesten von Hanoi eine neue Medical-Produktionsstätte. Als zweites deutsches Unternehmen startete die B.Braun Melsungen AG vor zehn Jahren in Vietnam die Produktion von Infusionslösungen und Überleitsystemen. Der aktuelle Standort, einst am Stadtrand errichtet, liegt heute in der Stadtmitte, erreichbar über die Duong La Thanh, durch die sich täglich zig Tausende Motorräder drängeln. Vietnam, ein Entwicklungsland, das mit rasanten Wachstumsraten von sich Reden macht, die auf einem niedrigen Niveau basieren, fordert seinen Investoren einiges ab an Nerven, Improvisationskunst und Geduld.

Eines der größten Probleme ist der Mangel an ausgebildeten Arbeitern und Fachkräften, sagt der Architekt Klaus Bathe, Gebäude-Projektleiter der Produktionsstätte von B.Braun in Ha Tay. Qualität nach annähernd deutschem Standard zu schaffen ist eine Kunst in einem Land, in dem es keine ausgebildeten Hoch- und Tiefbauer, Installateure, Fliesenleger oder Elektriker gibt. Jeder macht und „kann“ alles. In einem Land, in dem leidenschaftlich gern mit Silikon, Sekundenkleber, Isolier- und Gummiband gearbeitet und repariert wird, ist Nachhaltigkeit ein Fremdwort.

Auch am Bau. Der Glanz neuer Gebäude ist meist schnell dahin. Grund sind schlechtes Baumaterial und schlampige Ausführung. Manche Gewerke, die in Deutschland von vier Leuten gemanagt werden, erfordern hier 25 Mann. Während in Deutschland bei großen Bauvorhaben viel Wissen von Zulieferfirmen eingebracht wird, kann man in Vietnam bei modernen Projekten darauf nicht zurückgreifen. Kontrollierte Wasserführung wie Dachrinnen sind weitgehend unbekannt. Wer sie will, muss die Arbeiter vor Ort ausbilden.

Auch die Arbeitsmoral ist eine andere. Während der Reisernte waren 200 Leute weg. Ohne sich abzumelden, waren sie in ihre Dörfer gegangen. Klaus Bathe läuft in mehreren Takten etwa fünf Stunden über die Baustelle und kontrolliert alle Arbeiten, sieben Tage die Woche. Oft muss drei- bis viermal nachgebessert werden, bis es passt.

Ganz Hanoi ist mehr oder weniger ein Sumpf. Für ein stabiles Fundament wurden 250 Betonbohrpfähle mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern in die Erde gegossen, jeder 48 Meter tief. Eine ähnliche Art Betonpfähle bilden das Fundament des 257 Meter hohen Messeturms in Frankfurt. In Hanoi ist solch ein Fundament notwendig für ein zweigeschossiges Produktionsgebäude mit Reinräumen. Andernfalls bilden sich Risse. Auch Strom ist eine haarige Angelegenheit in Vietnam. Grund ist, dass es kaum Sicherheitsanforderungen dafür gibt. Um dies zu beheben, wurde ein Sicherheitsingenieur ins Boot geholt, vielleicht ein Novum in Vietnam.

Von Alexandra Lache-Elsen

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