Deutschlands Verbot von Leerverkäufen verunsichert die Börsen weltweit

Dax rauscht in die Tiefe

Frankfurt. Ein Verbot von Leerverkäufen, eine geplante Finanzmarktsteuer, eine angeschobene Regulierung von Hedge-Fonds: Deutschland prescht mit neuen Regeln für die Finanzmärkte vor.

Diese Aktionen bringen die Europäische Union in Zugzwang. Laut des portugiesischen EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso sind jetzt rasch Beschlüsse zur neuen europäischen Börsenaufsicht gefordert. Verhandelt werden Pläne seit geraumer Zeit, Deutschland hat nun den Anfang gemacht, und das macht die Händler an den Börsen nervös.

Die Hoffnung auf eine Erholung der Kurse nach dem Einbruch vom Mittwoch haben sich am gestrigen Nachmittag zerschlagen. Der Dax rauschte zeitweise in die Tiefe. Bis zum Handelsschluss um 17.30 Uhr verlor der Deutsche Leitindex 136,8 Punkte auf 5851 Zähler. In fünf Handelstagen verlor der Dax damit 375 Punkte.

An den Börsen widersprachen sich Meldungen, ob nun ein europaweites Verbot von Leerverkäufen ausgesprochen werden solle. Nach einer Berg- und Talfahrt der Indizes, an deren Schwankungen sich die anhaltende Unsicherheit ablesen ließ, übernahmen letztlich die Verkäufer das Ruder.

Auch aus den USA kam keine Unterstützung für die europäische Händler an den Börsen. Als Reaktion auf die schwachen US–Arbeitsmarktdaten weitete der Dax seine Verluste aus und fiel zeitweise um bis zu 3,2 Prozent auf 5795 Punkte, das war der tiefste Stand seit zwei Wochen. In den USA waren die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 471 000 Arbeitssuchenden deutlich höher ausgefallen als erwartet. Prognostiziert waren 440 000. Damit hat die Hoffnung auf eine rasche Besserung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt einen Dämpfer erhalten.

Kein Blick für Unternehmen

Auch die Sorge vor weiteren Kursabschlägen wegen der europäischen Schuldenkrise belastete die Wall Street. US-Händler hefteten gestern den Blick einzig auf den Euro-Kurs, der ein halbes Prozent schwächer bei 1,237 Dollar notierte und die US-Aktienmärkte ebenfalls nach unten drückte. „Gute Unternehmensnachrichten haben an solchen Tagen kaum Auswirkungen“, sagte ein Analyst. So musste die VW-Aktie ihre Gewinne wieder abgeben, obwohl die Deutsche Bank die Aktie mit der Einschätzung „Halten“ und einem Kursziel von 75 Euro aufgenommen hatte.

Alles drehte sich gestern einzig um Europa. Somit sorgte sich die Wall Street um die Stärke des Dollars. „Das hat die Risikobereitschaft der Anleger gedämpft.“ Das in Deutschland am Mittwoch erlassene Verbot bestimmter Leerverkäufe beschäftigte die Wall Street weiterhin. Einzelne US-Analysten gingen soweit, dass sie den Alleingang Deutschland als ersten Schritt zu einer Auflösung der Europäischen Union werteten, sagte ein Marktstratege auf den Nachrichtenportalen der US-Börsen.

Von Martina Wewetzer

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