Hintergründe zur steigenden EEG-Umlage

Rechenspiele mit dem Öko-Strom - Fragen und Antworten

Hohe Hürden für den Stromverbraucher: Die Energiepreise steigen, die Ökostrom-Umlage trägt dazu bei. Foto: dpa

Kassel. Mehr als fünf Cent pro Kilowattstunde Strom wird jeden Verbraucher im nächsten Jahr der Ausbau erneuerbarer Energien kosten. Inzwischen regt sich Widerstand gegen die stetig steigende EEG-Umlage.

Doch wie und an wen wird das Geld eigentlich verteilt?

Wer legt die EEG-Umlage fest?

Die Betreiber der vier großen Übertragungsnetze, 50 Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW. Ihnen gehören gewissermaßen die Autobahnen des Stromtransports.

Wie wird die Umlage berechnet?

Vereinfacht gesagt, rechnen die Netzbetreiber, beziehungsweise ihre Gutachter, hoch, wie viel Strom im nächsten Jahr aus erneuerbaren Quellen bei ihnen eingespeist wird. Wieviel der Erzeuger dafür bekommt, ist gesetzlich garantiert. Es ist viel mehr, als die Netzbetreiber erhalten, wenn sie den Strom über die Energiebörse weiterverkaufen. Die Differenz holen sie sich vom Verbraucher über die EEG-Umlage.

Wie sieht die Hochrechnung für 2013 aus?

Die Netzbetreiber werden etwa 18,5 Milliarden Euro EEG-Vergütungen für den eingespeisten Strom ausgeben. An der Börse wird er aber nur 2,5 Mrd. Euro einbringen. Hinzu kommen weitere Kosten der Netzbetreiber. Alles in allem müssen 20,3 Mrd. Euro auf die Verbraucher umgelegt werden - das sind 5,28 Cent je Kilowattstunde Strom. Mit Mehrwertsteuer landet man bei 6,28 Cent.

Bezahlt die EEG-Umlage jeder?

Jeder Privathaushalt schon, aber nicht jedes Unternehmen. Betriebe, die viel Strom verbrauchen, werden vom Öko-Obolus ganz oder teilweise verschont - damit sie wettbewerbsfähig bleiben, argumentiert der Gesetzgeber. Die Politik habe die EEG-Umlage mit immer neuen Zusatzkosten aufgebläht, kritisiert etwa Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). Nach seinen Berechnungen fließen 2013 nur 43 Prozent der EEG-Umlage in die Förderung der Erneuerbaren Energie. Ein Viertel der Umlage macht laut BEE das Industrieprivileg aus.

Bekommt jeder Erzeuger von erneuerbarer Energie eine garantierte Vergütung?

Nein. Denn nicht jede Anlage ist ein Zuschussbetrieb, den man mit Subventionen aufpäppeln muss. So fallen die meisten Wasserkraftanlagen zum Beispiel aus der EEG-Förderung heraus.

Welche Energieerzeuger bekommen das meiste Geld aus der EEG-Umlage?

Fast die Hälfte, etwa 8,7 Mrd. von insgesamt gut 18 Mrd. Euro EEG-Geld, werden in diesem Jahr die Betreiber von Solaranlagen - vom Einfamilienhaus bis zum Gewerbebetrieb - kassieren, rechnet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hoch - und das, obwohl die Sonnenkraft nur zwölf Prozent des Ökostroms liefert.

Muss die Vergütung für Solarstrom also sinken?

Er ist bereits kräftig gesunken und wird weiter abgebaut. Dass die Fotovoltaik so stark zu Buche schlägt, ist eine Hypothek aus der Vergangenheit. So waren die Einspeisevergütungen in den Jahren 2009 und 2010, in denen viele Anlagen ans Netz gingen, mehr als doppelt so hoch wie heute - und diese Zahlungen sind für 20 Jahre garantiert.

Wie wird Ökostrom in anderen Ländern gefördert?

Auf unterschiedliche Weise. So schreiben Schweden und Polen zum Beispiel Quoten für Ökostrom fest. Einspeisevergütungen gibt es außer in Deutschland auch in Frankreich, Spanien, Italien, England, Irland, Österreich, Ungarn und Portugal.

Von Barbara Will

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