Rohstoffpreise bereits stark gestiegen – Wirtschaft abhängig von wenigen Lieferanten und Ländern

„Recycling kann allenfalls ergänzen“

Wird die Rohstoffversorgung zur Achillesferse der Wirtschaft?

Henrike Sievers: So scharf würde ich es nicht formulieren, aber es ist richtig: die Wirtschaft in Deutschland und Europa ist auf die Importe von Rohstoffen angewiesen.

Bei Baurohstoffen ist Deutschland recht gut aufgestellt. Aber wie sieht es bei den strategischen Rohstoffen aus? Also jenen, die für die Elektroproduktion gebraucht werden.

Sievers: Für Elektronikmetalle wie Seltene Erden, Indium oder Germanium gibt es in Europa keine bekannten großen Rohstoffvorkommen Aber es geht nicht nur um kritische Rohstoffe. Wir sind nicht nur von Seltenen Erden oder anderen Rohstoffen für High Tech-Produkte auf Importe angewiesen, sondern auch bei Massenrohstoffen wie Kupfer, Kobalt und Eisen.

Bei Rohstoffen ist China derzeit das Thema. Gibt es bereits Engpässe?

Sievers: Derzeit wird das Thema Rohstoffe über den Preis ausgetragen. Zwar sichern sich Unternehmen Rohstoffe langfristig, doch die Preise sind aufgrund der Nachfrage und zu einem gewissen Teil aufgrund von Spekulationen gestiegen. Noch werden aber alle Rohstoffe geliefert, wenn auch zu deutlich höheren Preisen.

China schützt nicht nur eigene Ressourcen , sondern sichert sich auch Vorkommen auf anderen Kontinenten etwa Lithium in Südamerika. Können Deutschland und Europa noch mithalten?

Sievers: Deutschland kann beim weltweiten Run auf Rohstoffvorkommen kaum mithalten, da es in Deutschland beispielsweise kaum noch Metall-Bergbaufirmen gibt. In Europa sieht es besser aus. Es gibt noch große Firmen in Großbritannien oder Skandinavien mit Bergbauexpertise, die weltweit aktiv sind.

Gibt es weitere Konzentrationen bei Lieferanten?

Sievers: Platin kommt zu 77 Prozent aus Südafrika, Palladium zu 43 Prozent aus Russland und China liefert etwa 80 Prozent des verbrauchten Magnesiums.

Alles Länder, die nicht gerade für ihre politische Stabilität bekannt sind. Wie entscheidend ist sie letztlich?

Sievers: Dieser Faktor ist nicht unerheblich. Eine funktionierende Rohstofflieferkette ist natürlich im Interesse Europas.

Doch woher kommen diese Abhängigkeit bei Rohstoffen?

Sievers: Deutschland und Europa sind bereits vor Jahren aus der Förderung von Rohstoffen ausgestiegen. Minen wurden stillgelegt, weil sie sich wirtschaftlich nicht rechneten. Nun sind die Preise für Rohstoffe gestiegen, dadurch rentiert sich die ein oder andere wieder. In zwei Jahren wird voraussichtlich in den USA eine bereits geschlossene Mine für Seltene Erden wieder eröffnet. Um neue Lagerstätten zu erschließen dauert es acht bis zehn Jahre. Generell müssen sich die Unternehmen aber nach neuen Lieferquellen umschauen und wesentlich effizienter mit den Rohstoffen umgehen.

Wie sieht es denn mit Alternativen zur Rohstoff-Gewinnung aus?

Sievers: Recycling von Rohstoffen und der effiziente Umgang mit ihnen wird an Bedeutung gewinnen, aber die vorhandenen Mengen, die benötigt werden, können über das Recycling oder die Rückgewinnung aus Deponien den Bedarf nicht decken, sondern allenfalls ergänzen.

† Sievers referiert am Montag, 13. Dezember, ab 18 Uhr, bei K+S in Kassel, Bertha-von Suttner-Str. 7, über das Thema.

Von Martina Wewetzer

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