Konjunkturprogramme und anziehende Investitionsbereitschaft sorgen für Aufträge

Bau in Region zufrieden

Harald Richter

Kassel. Das nordhessische Bauhauptgewerbe hat vor allem wegen der Konjunkturprogramme von Bund und Ländern ein gutes Jahr 2010 hinter sich und blickt optimistisch nach vorn. „Wir erwarten im laufenden Jahr ein insgesamt stabiles Auftragsniveau“, sagte der Vorsitzende des Bezirkgruppe Nordhessen des Bauindustrieverbandes, Harald Richter.

Sein Kollege vom Verband baugewerblicher Unternehmen, Thilko Gerke, rechnet wegen des Auslaufens der Konjunkturprogramme zwar mit einem Auftragsrückgang seitens der öffentlichen Hand. Dafür aber verzeichnet der Unternehmer ein Anziehen der Nachfrage bei der Sanierung von Wohngebäuden sowie im Gewerbe- und Industriebau, der 2009 und 2010 stark rückläufig war.

Rund 400 mittlere und große Bauunternehmen mit insgesamt 11 000 Beschäftigten sind in Nordhessen in den beiden Verbänden organisiert. Mit den Mitarbeitern in den nicht organisierten, zumeist kleinen Betrieben beschäftigt das Bauhauptgewerbe rund 15 000 Menschen in der Region. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr einem Umsatz von rund zwei Milliarden Euro - etwa zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

Aber die Entwicklung verlief von Bereich zu Bereich zum Teil sehr unterschiedlich. Während es im Wohnungsneu- und Gewerbebau eher schlecht lief, war die Auftragslage in der Gebäudesanierung (Bauen im Bestand) sehr gut und im Tiefbau besser als in den Vorjahren.

Für Richter und Gerke ist dies aber kein Anlass zum Jubeln. „Der Preisdruck ist nach wie vor sehr hoch“, sagte er. Vor allem die Konkurrenz aus dem benachbarten Thüringen dränge angesichts ausbleibender Aufträge im eigenen Land „mit erheblichen Kapazitäten in den Markt“ und sorge mit deutlich niedrigeren Tariflöhnen für ein weiter sinkendes Preisniveau. Gerke sieht das Problem allerdings nicht nur im thüringischen Wettbewerb. Zunehmend drückten auch heimische Betriebe sowie Unternehmen aus dem nahen Ostwestfalen, die keinem Verband angehörten und somit nicht an Tarifvereinbarungen gebunden seien, kräftig auf die Preise.

Trotz aller Probleme bescheinigen die Geschäftsführer der beiden Regionalverbände, Andreas Lieberknecht (Baugewerbe) und Burkhard Siebert (Bauindustrie), der Branche eine insgesamt gute Perspektive. Angesichts des Investitionsstaus in der kommunalen sowie Verkehrsinfrastruktur, der notwendigen Gebäudesanierung und des anziehenden Gewerbebaus „sind und bleiben wir ein Wirtschaftszweig mit Zukunft“, sagte Siebert.

Sorgen bereitet ihm und Lieberknecht aber der Fachkräftemangel. Trotz guter Löhne und Entwicklungschancen werde qualifiziertes Personal knapp. Laut Lieberknecht werden unter anderem Poliere, Maschinenführer, Techniker und Ingenieure gesucht.

Von José Pinto

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