Nordhessen Champions

Torschütze des Monats: Kick it like Inge

Ingmar Merle ist Torschütze des Monats März.
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Torschütze des Monats: Im März wählte das Sportschau-Publikum Ingmar Merles 50-Meter-Hammer zum Tor des Monats.

Am 6. März dieses Jahres trat der Regionalligist KSV Hessen Kassel beim FC Homburg an. Es lief die 13. Spielminute, als Außenbahnspieler Ingmar Merle sich am rechten Flügel mit dem Ball am Fuß in Richtung der Mittellinie aufmachte. Er schaute, ging noch zwei Schritte und zog einfach mal ab.

Der Ball beschrieb eine unglaubliche Flugbahn über mehr als 50 Meter und senkte sich hinter Homburgs offensiv postierten Keeper in die Maschen – ein Traumtor. Die Löwen gewannen das Spiel am Ende mit 2:1. Fraglos drei wichtige Punkte, über die aber heute wohl keiner mehr sprechen würde, wäre da nicht Merles Sonntagsschuss in jener 13. Minute gewesen. Dem geneigten Beobachter war sofort klar: Das wird das Tor des Monats! Und so sah es auch das ARD-Sportschau-Publikum, das den Treffer mit knapp 35 Prozent aller abgegebenen Stimmen zum Tor des Monats März kürte.

Sein Verein: Beim KSV Hessen Kassel steht Ingmar Merle bereits zum zweiten Mal unter Vertrag. Bei den Löwen wie auch in der Region fühlt er sich rundum wohl.

Ingmar Merle, den alle nur „Inge“ nennen, kommentiert seine Wahl zum Torschützen des Monats gewohnt unaufgeregt als „schöne Sache“. Es erfülle ihn mit Stolz, denn man verewige sich in einer Liste, in der eigentlich eher andere Fußballer zu finden seien. Zugleich hebt er die Bedeutung der Auszeichnung für den Verein hervor: „Dreieinhalb Minuten in der Sportschau sind auf dieser Ebene unbezahlbar, es ist die beste Werbung für den Spieler und den Verein.“ Und habe man einmal diese Publicity, so müsse man sie auch nutzen, sagt Merle und tat es: Als von Fanclubs und dem Fanpoint ein T-Shirt entworfen wurde, das den Torschützen in Jubelpose unter der Aufschrift „Kick it like Inge“ zeigt, gab er sofort sein Okay. „Eine super Aktion“, so der Außenverteidiger, auf dessen Wunsch die Erlöse aus dem T-Shirt-Verkauf der Frühchenstation des Kasseler Klinikums zugutekommen.

Ingmar Merle fühlt sich auf dem Fußballfeld sehr wohl.

Doch eigentlich betreibt „Inge“ regelmäßig Werbung in eigener Sache. Ein ähnlicher Kunstschuss gelang ihm bereits 2012 gegen Alzenau: „Allerdings wurde das damals nur unscharf mit dem Handy festgehalten“, erinnert sich Merle. Auch nach dem Tor des Monats März legte er im April ein weiteres Traumtor nach, was der 31-Jährige mit einem Augenzwinkern kommentiert: „Das Schießen wurde mir halt in die Wiege gelegt.“ Doch so einfach ist es natürlich nicht. „Es gehört schon etwas Talent dazu, aber das allein reicht nicht. Es braucht viel Fleiß, Biss und harte Arbeit“, so Merle, der es wissen muss. Schließlich stand er am Anfang seiner Karriere in Paderborn an der Schwelle zum Profifußball. „Man muss aber auch Glück haben und gesund bleiben“, weiß Ingmar Merle, dem gerade letzteres nicht immer vergönnt war. Mit 20 Jahren habe er sich dann entschieden, es beim semi-professionellen Fußball zu belassen und nebenher Geld zu verdienen. Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat und für die Nordhessen

das passende Umfeld bietet: Mit VW in Baunatal hat er einen Arbeitgeber, der ihm die nötigen Freiräume für den Sport gewährt und mit dem KSV Hessen Kassel einen Verein, der ihn als flexiblen, mannschaftsdienlichen Spieler und feinen Menschen gleichermaßen schätzt. Dort genießt er ein Standing, das ihm das nötige Selbstvertrauen gibt, auch mal einen vermeintlich unmöglichen Treffer zu erzielen. „Eine gewisse Überzeugung und Kaltschnäuzigkeit

Ingmar Merle in seinem Element.

gehört schon dazu“, so Merle, der sich mit einem Schmunzeln als selbstbewussten, starken Typen mit weichem Kern bezeichnet. Als gebürtiger Ziegenhainer ist „Inge“ ohnehin in der Region verwurzelt, seine Frau stammt aus Kassel und auch seine Tochter kam hier zur Welt. Beim KSV, dessen Farben er bereits zum zweiten Mal trägt, fühlt er sich rundum wohl: „Um hier wegzugehen, muss schon richtig was kommen.“ Aber es kam kein Angebot, das ihn ernsthaft ins Grübeln brachte, berichtet Merle ohne eine Spur von Wehmut. Ganz im Gegenteil: Hier hat er seine Familie und seine Freunde, die ihm den nötigen Ausgleich zu Job und Sport bieten. „Ich bin ein Freiheitsmensch, im Urlaub geht es immer raus in die Natur.“ Und wenn die Urlaubsplanung gerade durch eine Pandemie eingeschränkt ist, dann bietet auch die Region herrliche Naturerlebnisse: „Ich schätze hier die kurzen Wege ins Grüne – sowohl in der Stadt mit ihren Parks als auch im Umland, das ich gerade in den vergangenen Monaten mit meiner Familie und unserem Hund ganz neu entdeckt habe. Das hat geholfen, mir in diesen schwierigen Zeiten eine positive Einstellung zu bewahren.“ (PEE)

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