Finanzgericht Düsseldorf

Reiserabatte sind kein Arbeitslohn - Einspruch einlegen

+
Wer in einem Reisebüro arbeitet, erhält oft einen Reiserabatt. Laut einem Urteil dürfen Finanzämter auf diesen Preisvorteil jedoch keine Lohnsteuer erheben. Foto: Katharina Hölter/dpa

Bei vielen Firmen, die bestimmte Dienstleistungen oder Produkte anbieten, erhalten Mitarbeiter beim Kauf bevorzugte Konditionen. Doch müssen diese Vergünstigungen als Arbeitslohn versteuert werden? Ein Gerichtsurteil gibt Aufschluss.

Berlin (dpa/tmn) - Reisebüroangestellte, bei denen das Finanzamt Lohnsteuer wegen gewährter Reiserabatte verlangt, sollten dies nicht hinnehmen. Der Rabatt, den ein Reiseveranstalter einer Angestellten gewährt, stellt keinen steuerpflichtigen Arbeitslohn dar, entschied das Finanzgericht Düsseldorf.

"Das Urteil lässt vor allem die Touristikbranche aufhorchen", ergänzt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. In dem Fall (Az.: 5 K 2504/14 E) buchte die Angestellte eines Reisebüros eine Kreuzfahrt für sich und ihren Ehemann. Der Veranstalter der Hochseekreuzfahrt bot Reisebüroinhabern und dessen Angestellten zur Sicherung der Geschäftsbeziehung Rabatte von über 80 Prozent an, sodass die Angestellte für ihre Reise statt 6330 Euro lediglich 1540 Euro bezahlte. Im Rahmen einer Lohnsteueraußenprüfung behandelte das Finanzamt den Rabatt als geldwerten Vorteil und rechnete ihn zum Arbeitslohn der Angestellten hinzu.

Das Finanzgericht Düsseldorf entschied zugunsten der Angestellten: Ein geldwerter Vorteil läge nur dann vor, wenn der Reiseveranstalter die Vergünstigung im Interesse des Arbeitgebers gewährt hätte. Hier wurde der Rabatt jedoch aus eigenwirtschaftlichem Interesse des Veranstalters eingeräumt. Darunter fallen beispielsweise die Optimierung von Kapazitäten oder die Reduzierung von Kosten. Es seien zudem keine Anhaltspunkte erkennbar, dass der Veranstalter die individuelle Arbeitsleistung der Frau entlohnen wollte, sodass eine Qualifizierung des Rabatts als Arbeitslohn nicht in Betracht komme.

"Wird in ähnlichen Fällen eine Reisevergünstigung der Lohnsteuer unterworfen, so sollten Reisebüroangestellte sich auf das vorliegende Urteil beziehen", rät Klocke. Gegebenenfalls sollte gegen den Einkommensteuerbescheid Einspruch eingelegt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.