Rekordgewinn: SMA profitabel wie nie

Erwartet sinkende Umsätze und Erträge: SMA-Vorstandssprecher Günther Cramer. Foto: Koch

Kassel. Der Solartechnik-Produzent SMA in Niestetal bei Kassel ist eines der profitabelsten Industrie-Unternehmen Deutschlands. Es verdiente in den ersten neun Monaten des Jahres unterm Strich 297 Millionen Euro - dreieinhalb mal mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Umsatz verzweieinhalbfachte sich auf 1,44 Milliarden Euro. Damit lag die Umsatzrendite - also das Verhältnis von Umsatz zum Reingewinn - bei rekordverdächtigen 20,6 Prozent. Das heißt: Von einem Euro Umsatz bleiben SMA 20,6 Cent als Reingewinn. Zum Vergleich: In der Autoindustrie freut man sich schon über vier bis sechs Cent Gewinn je umgesetzten Euro. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) verdiente SMA 418 Mio. Euro - im Vorjahreszeitraum waren es 121 Mio.

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Diese auch für die meisten Analysten überraschend guten Zahlen haben dem Aktienkurs nichts genutzt. Im Sog der am Mittwochabend eingesetzten kollektiven Talfahrt fast aller wichtigen Solarwerte verlor SMA bis zum Abend 5,35 Prozent auf 71 Euro. Innerhalb von nur zwei Tagen rauschte der Wert der Aktie um mehr als 14 Euro in die Tiefe. Auch Solarworld, Manz, Roth&Rau und Centrotherm gaben wie am Vortag nach.

Grund für den Ausverkauf der deutschen Solarwerte ist vor allem die Unsicherheit am Markt. Denn niemand weiß derzeit genau, wohin die Reise in den aktuellen Solar-Boom-Ländern Frankreich, Italien und Tschechien geht. Branchenkenner erwarten dort eine Deckelung beim Bau neuer Solaranlagen. „Die Aussichten für 2011 sind extrem vage“, beschreibt die Solarexpertin der NordLB, Karin Meybeyer, die Situation. Und der tendenziell sinkenden Nachfrage in Europa steht ein ungebremster Ausbau der Solarmodul-Kapazitäten fernöstlicher Anbieter gegenüber, die die Märkte immer stärker mit Billigprodukten fluten.

Nichtsdestotrotz hält die Renditeperle SMA an der Jahresprognose von 1,7 bis 1,9 Mrd. Euro Umsatz und 450 bis 540 Mio. Euro Ebit fest. Im nächsten Jahr allerdings erwartet das Unternehmen einen Umsatzknick auf 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro und eine rückläufige Ebit-Marge von 21 bis 25 Prozent, was einem Vorsteuergewinn von 315 bis 425 Mio. Euro entspräche. Dieser verhaltene Ausblick drückte zusätzlich auf den Kurs des einstigen Börsenlieblings.

In einem Interview mit unserer Zeitung hatte SMA-Vorstand Günther Cramer erst unlängst erklärt, dass das Unternehmen mit dem genannten Umsatz- und Ergebnisrückgang gut leben könne.

Wie berichtet, hat SMA angekündigt, sich bis Jahresende von 900 seiner 2100 Zeitarbeiter trennen zu wollen. Begründet wurde der Schritt mit einem unerwartet starken Umsatzeinbruch Anfang Oktober. Genaue Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Diese Entwicklung spiegelt sich erst in den Geschäftszahlen des laufenden Quartals wider. Da SMA in den ersten drei Quartalen beim Ebit bereits die Untergrenze der Ganzjahresprognose nahezu erreicht hat, dürfte es beim Jahresgewinn keine bösen Überraschungen geben.

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