Trendwende bei der Rente

So verändert sich die Rente in Deutschland – das sind die Folgen

Zwei ältere Menschen sitzen auf einer Parkbank in der Sonne
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Ein älteres Paar geniest die Sonne

In Deutschland zeichnet sich eine Trendwende bei der Rente ab. Doch was verändert sich jetzt? Und: Was sind die Folgen?

  • Der neue Rentenatlas 2020 der Deutschen Rentenversicherung Bund zeigt eine klare Trendwende
  • Deutsche gehen später in Rente* und beziehen diese dennoch länger
  • Wie passen diese beiden Trends zusammen?

Frankfurt - Der Trend hatte sich in den vergangenen Jahren bereits abgezeichnet. Die Menschen in Deutschland beziehen immer länger Rente. Und das, obwohl die Menschen zugleich auch immer länger arbeiten. Ein Trend, der die Rentenkasse belastet. Doch wie passt das zusammen? Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt auch von der Politik ab.

Die Deutschen beziehen immer länger Rente

Die Deutschen erhalten ihre Rentenbezüge immer länger. Das zeigt der neue Rentenatlas 2020 der Deutschen Rentenversicherung. So erhielten Männer vor zehn Jahren noch im Schnitt 15,8 Jahre die Rente. Im vergangenen Jahr lag dieser Schnitt bei 18,2 Jahren. Ein ähnlicher Trend ist bei den Frauen zu erkennen, wo die Bezugsdauer von 20,7 auf 21,7 Jahre gestiegen ist. Lediglich seit 2017 ist dieser Trend etwas abgeflacht. Seither stieg die Dauer des Rentenbezugs bei den Männern um 0,3 Jahre, bei den Frauen sank sie sogar um 0,1 Jahre.

Obwohl sie immer später in Rente gehen, beziehen Menschen in Deutschland das Ruhestandsgeld immer länger.

Eintrittsalter in Rente steigt in Deutschland

Gleichzeitig gehen die Menschen in Deutschland immer später in Rente. Dabei hat sich das Durchschnittsalter bei Männern und Frauen seit 1999 wie folgt verändert:

  • Rentenbeginn bei Männern 1999: 62,1 Jahre
  • Rentenbeginn bei Männern 2009: 63,5 Jahre
  • Rentenbeginn bei Männern 2019: 64 Jahre
  • Rentenbeginn bei Frauen 1999: 62,2 Jahre
  • Rentenbeginn bei Frauen 2009: 62,9 Jahre
  • Rentenbeginn bei Frauen 2019: 64, 5 Jahre

Bei den Frauen lag der Wert 2018 noch bei 64,1 Jahren. Das große Plus innerhalb eines Jahres liegt an der zum 1. Januar 2019 erweiterten Mütterrente, durch die viele ältere Frauen erstmalig überhaupt Rente bekamen.

Warum das Eintrittsalter in die Rente in Deutschland steigt

Doch warum steigt das Eintrittsalter in die Rente in Deutschland? Laut Rentenversicherung hängt das vor allem damit zusammen, dass man früher teilweise schon mit 60 in Rente gehen konnte. In den vergangenen Jahren wurde das Eintrittsalter jedoch angehoben. So liegt das Eintrittsalter für jemanden, der oder die 1964 oder später geboren ist, bei 67 Jahren. Laut Deutscher Rentenversicherung wechselten 2019 816.000 Personen in die Rente.

Dabei lag der Anteil der Renten mit Abschlägen bei 22,5 Prozent. Anno 2010 waren es sogar 47,5 Prozent (Knapp 320.000 von 674.000 Personen). Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Menschen arbeiten im Schnitt länger und gehen somit auch später in Rente. Die durchschnittliche Höhe der Abschläge lag 2019 bei 96,49 Euro brutto. Gleichzeitig sind aber auch 253.492 Arbeitnehmer 2019 abschlagsfrei mit 63 in Rente gegangen*. Das geht nach mindestens 45 Versicherungsjahren. Die monatlichen Altersbezüge von Männern und Frauen sahen 2019 wie folgt aus:

  • Monatlicher Altersbezug Männer im Westen: 1.557 Euro
  • Monatlicher Altersbezug Männer im Osten: 1.262 Euro
  • Monatlicher Altersbezug Frauen im Westen: 1.142 Euro
  • Monatlicher Altersbezug Frauen im Osten: 1.204 Euro

Wie passen die Trends von Rentenbezugsdauer und Eintrittsalter zusammen?

Wie aber passen die Trends, dass sowohl das Eintrittsalter als auch die Bezugsdauer der Rente steigen? Die Rentenversicherung klärt auf. Demnach ist es keineswegs ein Widerspruch. Schließlich handele es sich bei den einen um Personen, die aktuell in Rente gehen, während bei der Berechnung der Bezugsdauer hingegen Renten angeschaut werden, die nicht mehr gezahlt werden. Grund dafür kann etwa sein, dass ein Rentner schon verstorben ist, erklärte ein Sprecher gegenüber der „dpa“.

Die Antwort auf die Frage ist also simpel: Es werden schlicht unterschiedliche Gruppen angeschaut. Dennoch zeichnet sich das Bild des steigenden Rentenbezugs trotz längerem Arbeiten ab. Immerhin steigt auch die Lebenserwartung in Deutschland.

Rente unter Druck: Wie geht es jetzt weiter?

Der Druck auf die Rente erhöht sich in die nächsten Jahren zusätzlich, weil die Babyboomer in den Ruhestand gehen. Wie kann man dem entgegen wirken? Eine Arbeitsgruppe der Unionsfraktion im Bundestag hatte den Vorschlag gemacht, mehr Lebenszeit jeweils zur Hälfte zwischen Arbeits- und Rentenzeit aufzuteilen. Sprich: Das Problem soll durch längeres Arbeiten abgefedert werden. Ein Vorschlag, der bei den Gewerkschaften und der SPD gar nicht gut ankam. Auch die Rentenkommission der Bundesregierung konnte im März keine klare Antwort auf dieses Problem liefern.

Bis Herbst wollte Sozialminister Hubertus Heil (SPD) nun konkrete Vorschläge machen, wie man die Weichen für die Zeit nach 2025 ausrichtet. Die Rentenversicherung gibt sich trotz allem optimistisch. Trotz längerer Rentenbezugsdauer sei der Beitragssatz mit 18,6 Prozent so niedrig wie zuletzt vor 25 Jahren, heißt es und die Schlussfolgerung: „Das Rentensystem wird sich auch weiterhin an den sich verändernden Rahmenbedingungen ausrichten und so auch langfristig leistungsfähig und stabil bleiben.“

Unterdessen könnte es erstmals seit der Finanzkrise 2021 wegen der Corona-Krise keine Rentenerhöhung geben. Stattdessen könnten die Rentenbeiträge bald steigen. *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Quelle: dpa

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