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Wenn die Rente nicht zum Leben reicht: Wo Rentner Hilfe bekommen

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Von: Constantin Hoppe

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Immer mehr Menschen droht die Altersarmut trotz Rente. Die Grundsicherung hilft dabei, über die Runden zu kommen - und es gibt noch mehr Hilfen.

Frankfurt – Mitte der 2030er Jahre könnte jeder fünfte Rentner und jede fünfte Rentnerin in Deutschland von Altersarmut betroffen sein. Das fand die Bertelsmann Stiftung im Rahmen einer Studie zur Entwicklung der Altersarmut heraus. Diese Zahlen spiegeln aber nur eine Zusammenfassung verschiedener Gruppen wider: So wird sich das Armutsrisiko für Menschen aus Ostdeutschland verglichen, mit denen in Westdeutschland bis 2036 verdoppeln.

Einer der Gründe dafür: Mit dem 2004 beschlossenen Gesetz zur Sicherung der gesetzlichen Rentenversicherung wurde eine schrittweise Senkung der gesetzlichen Rente eingeführt. Die Bundesregierung legte darin fest, dass das ursprünglich auf 52,9 Prozent festgesetzte Rentenniveau im Jahr 2020 auf 46 Prozent und im Jahr 2030 auf 43 Prozent sinken soll.

Hilfen bei Altersarmut: Für viele Menschen reicht die Rente nicht mehr aus

Das bedeutet, dass bei vielen Menschen, die die Altersgrenze erreichen, die gesetzliche Rente ohne spezielle Altersvorsorge nicht für ein Einkommen oberhalb der Armutsgrenze ausreichen wird.

Als arm gilt, wer ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 60 Prozent des mittleren Einkommens bezieht. In Deutschland entsprechen 60 Prozent des mittleren Einkommens aktuell einem Wert von 924 Euro. Allerdings gibt es Sozialleistungen, die eine Altersarmut abfedern können.

Drohende Altersarmut trotz Rente? Grundsicherung soll Lebensunterhalt sichern

Denn wer die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht hat und seinen Lebensunterhalt durch die Höhe der Rente dauerhaft nicht selbst finanzieren kann, wird nicht alleine gelassen, wie die Deutsche Rentenversicherung erklärt. Wer als arm gilt, hat einen Anspruch auf die Grundsicherung im Alter. Sie muss beim zuständigen Sozialamt beantragt werden und wird für einen Zeitraum von zwölf Monaten gewährt – danach muss ein neuer Antrag gestellt werden.

Diese Leistung soll Personen mit niedrigem Einkommen dabei helfen, ihren notwendigen Lebensunterhalt, Miete und Krankenversicherungskosten zu tragen. Die Höhe der Grundsicherung berechnet sich anhand der vorhandenen Bedarfe, ob man verheiratet ist oder nicht und am vorhandenen Einkommen aus Rente oder Minijob.

Pflegebedarf in der Rente: Hilfen zur Pflege können Pflegekosten auffangen

Doch daneben gibt es noch weiter Unterstützungs-Möglichkeiten: Wer im Alter pflegebedürftig wird und die Kosten nicht durch seiner Rente tragen kann, hat einen Anspruch auf Hilfen zur Pflege. Denn eine Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der entstehenden Kosten, wie das Bundesgesundheitsministerium erklärt.

Rentner dürfen sich ab Juli 2022 über eine satte Erhöhung ihrer Bezüge freuen.
Bis 2036 könnte jeder fünfte Rentner im Alter von Armut betroffen sein. Doch es gibt staatliche Hilfen. (Symbolbild) © Florian Gaertner/IMAGO

Die Voraussetzung für die Hilfe zur Pflege ist, dass eine Pflegebedürftigkeit gemäß § 61a Sozialgesetzbuch 12 (SGB XII) vorliegt und dem Betroffenen ein Pflegegrad zugeordnet worden ist. Um Hilfen zur Pflege zu beantragen, reicht es aus, das Sozialamt oder die Gemeinde zu informieren. Die Behörde ist verpflichtet, selbst zu ermitteln und zu entscheiden, ob sie die Hilfe zur Pflege gewährt.

Hilfen bei drohender AltersarmutWann Möglich
GrundsicherungWenn das Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt
Hilfen zur PflegeBei Pflegebedürftigkeit
WohngeldWenn das Einkommen nicht zur Begleichung der Miete ausreicht

Drohende Altersarmut trotz Rente: Wohngeld kann bei kleinem Einkommen helfen

Wer aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse nicht mehr in der Lage ist, für seine Miete aufzukommen, hat einen Anspruch auf Wohngeld. Die Voraussetzung dafür ist, dass man ein Einkommen – etwa eine Rente – bezieht, welches aber nicht ausreicht, um die Mietkosten zu decken.

Die Höhe des Wohngelds hängt ab von der Anzahl der Personen, die in der Wohnung leben, dem monatlichen Einkommen der Personen und der Höhe der Miete ab. Mit dem Wohngeldrechner des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen können Sie berechnen, wie viel Wohngeld Sie voraussichtlich bekommen können.

Geht es nach Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf, soll das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre steigen. SPD-Fraktionschef Mützenich lehnt das ab.

Armut trotz Rente: Nicht alle Hilfen für Rentnerinnen und Rentner lassen sich kombinieren

Das Wohngeld muss schriftlich bei der zuständigen Wohngeldbehörde beantragt werden. Es wird wie die Grundsicherung für einen Zeitraum von zwölf Monaten gewährt. Ein Nachteil ist jedoch, dass sich diese beiden Hilfen ausschließen. Wer bereits Grundsicherung bekommt, kann kein Wohngeld beantragen. Das gilt auch umgekehrt, wie man dem Wohngeldgesetz entnehmen kann. (con)

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