Inflation frisst Plus bei den Altersbezügen auf – hohe Abschläge für den vorzeitigen Ruhestand

Rentner können weniger kaufen

Rentner bekommen 2011 und 2012 weniger fürs Geld: Die gesetzlichen Renten steigen zwar, aber die Inflation ist stärker. Fast jede zweite Frau und gut 40 Prozent der Männer gehen vorzeitig in den Ruhestand – und nehmen finanzielle Einschnitte in Kauf. Foto: dpa

Berlin. Die knapp 20 Millionen Rentner in Deutschland können sich in diesem und im nächsten Jahr voraussichtlich weniger leisten. Denn ihre gesetzlichen Altersbezüge werden weniger stark steigen als die Preise, sagt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) voraus.

Der Konjunkturchef des Instituts, Ferdinand Fichtner, rechnet mit einer Rentenanhebung von einem Prozent in diesem Juli und 0,4 Prozent im kommenden Jahr. Dem stünden Inflationsraten von 1,6 Prozent und 1,7 Prozent gegenüber. Der Kaufkraftverlust falle in diesem Jahr zwar nur leicht, 2012 aber deutlich aus, sagte Fichtner gegenüber dieser Zeitung. Das schlage sich beim Konsum nieder.

2010 hätten die Renten eigentlich sinken müssen, weil in der Wirtschaftskrise die Löhne real gesunken waren. Mit einer Rentengarantie wurde dies vermieden. Stattdessen gab es eine Nullrunde für die Senioren. Die ausgesetzten Kürzungen müssen aber schrittweise nachgeholt werden. Deshalb werden die Rentenerhöhungen erst einmal niedrig ausfallen. Bei den Nettolöhnen rechnet Fichtner hingegen mit einem Anstieg von 2,4 Prozent.

Rentenabstriche

Ohnehin müssen immer mehr Senioren Abstriche bei den Altersbezügen hinnehmen. Nach einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund gingen 2009 insgesamt 42,1 Prozent der Männer und 48,7 Prozent der Frauen vorzeitig in den Ruhestand. Die Abschläge waren mit 127,44 Euro im Monat bei Männern und 105,35 Euro bei Frauen so hoch wie noch nie zuvor.

Der Grund: Wer sich vor dem 65. Geburtstag in den Ruhestand verabschiedet, bekommt nicht nur eine geringere Rente, weil Beitragsjahre fehlen. Vom aktuellen Rentenwert werden außerdem noch 0,3 Prozent für jeden Monat des vorzeitigen Abschieds abgezogen. Dieses Minus bleibt über die gesamte Rentenzeit. Steigt die Rente, erhöht sich der Betrag des Abschlags auch.

Weil 2009 die Rente weiter vorverlegt wurde – Männer gingen im Durchschnitt 32,78 Monate vor dem 65. Geburtstag in den Ruhestand – stiegen auch die Abschläge.

Frauen gehen noch öfter vorzeitig in Rente als Männer, obwohl sie dann nur im Durchschnitt etwas mehr als 620 Euro im Monat netto bekommen. Dass die Zahlen bei ihnen besonders stark gestiegen sind, liegt daran, dass das gesetzliche Rentenalter bei Frauen ebenfalls auf 65 Jahre angehoben wurde. Oft folgen sie auch ihren älteren Ehepartnern in den Ruhestand.

Manch einer wechselt aber auch in den Ruhestand, weil der Arbeitsmarkt ihn nicht mehr will: Nach der Statistik ging nur jeder Fünfte aus einem sozialversicherungspflichtigen Job in Rente.

Von Barbara Will

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