Kasseler Panzerbauer haben volle Bücher und erwarten weitere Aufträge

Rheinmetall gut gerüstet

Kassel. Der Heerestechnik-Hersteller Rheinmetall bekennt sich klar zu seinem Produktionsstandort Kassel. „Kassel ist und bleibt das Zentrum für taktische Rad - und Kettenfahrzeuge im Rheinmetall-Verbund“, sagte Klaus Sander im Gespräch mit dieser Zeitung. Der 60-jährige Manager verantwortet sämtliche Fahrzeug-Aktivitäten der Rüstungssparte des Düsseldorfer Konzerns.

Demnächst wird er die Geschäftsführung des neu gegründeten Gemeinschaftsunternehmens Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) übernehmen, in dem die beiden beteiligten Unternehmen ihr Geschäft mit militärischen Radfahrzeugen bündeln. Rheinmetall wird mit 51 Prozent der Anteile die operative Führung bei RMMV übernehmen.

Für den Standort Kassel mit seinen derzeit rund 940 Beschäftigten bedeutet dies die Ausgründung der Radaktivitäten in das neue Unternehmen. Davon betroffen sind etwa 440 Mitarbeiter. Sie wechseln formal den Arbeitgeber, behalten aber ihre Jobs in Kassel. An ihren Arbeitsbedingungen ändere sich nichts, betonte Sander. Derzeit laufe die Entflechtung des historisch gewachsenen Rad- und Kettenfahrzeugbaus. Zu RMMV gehören neben der Kasseler Fertigung das Militär-Lkw-Werk von MAN in Wien mit 730 Beschäftigten, die Planungs- und Vertriebsabteilung in München mit 80 Mitarbeitern sowie ein Standort in den Niederlanden mit 120 Leuten. Dort baut Rheinmetall derzeit die Montagelinie für die 200 Transport-Radpanzer des Typs Boxer für die niederländische Armee auf.

Zur Person

Klaus Sander führt die Rheinmetall-Fahrzeug-Aktivitäten seit 2007. Seit 1978 ist der Kieler für den Rüstungskonzern tätig. Der Nachrichten- und Wirtschaftsingenieur absolvierte sein Studium in seiner Heimatstadt und in Bielefeld. Sander ist verheiratet, hat drei Kinder und vier Enkelkinder. Wenn es seine Zeit erlaubt, spielt der 60-Jährige gern Golf, wandert und joggt. Sein Dienstsitz wird künftig in München sein.

„Das Schöne an der Fusion unserer Radfahrzeugaktivitäten ist, dass es keine Überschneidungen gibt. MAN liefert die Versorgungs-, wir liefern die taktischen Fahrzeuge - eine ideale Ergänzung“, erklärte Sander. Gemeinsam könne man vor allem auch auf den Exportmärkten noch stärker und kompakter auftreten als bislang. Die Internationalisierung solle weiter vorangetrieben werden. Davon werde vor allem auch Kassel profitieren. „Daher wird es keinen Arbeitsplatzabbau geben - weder in Kassel, Wien oder München“, unterstrich der Geschäftsführer.

Wenngleich es in Deutschland und Europa infolge der krisenbedingten Sparzwänge einige Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Wehretats gibt, sieht Rheinmetall insgesamt sehr gute Perspektiven für sein Geschäft mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen. Derzeit werden große Beschaffungsprojekte im Mittleren Osten, Australien, Indien und Kanada vorbereitet. „Da bieten wir natürlich mit“, sagte Sander.

Aber schon jetzt erfreut sich das Werk in Kassel einer hervorragenden Beschäftigungslage. Durch zahlreiche Instandhaltungsaufträge, die 60 Prozent zur Auslastung beitragen, sowie durch die bevorstehenden Produktionsanläufe für 82 deutsche Boxer sowie 203 neue Schützenpanzer des Typs Puma ist die Beschäftigung laut Sander aus heutiger Sicht bis 2016 gesichert.

Kurzfristig erwarten die Kasseler Panzerbauer außerdem Aufträge zum Bau von 39 Radfahrzeugen des Typs Yak und zur Generalmodernisierung von 65 alten Füchsen.

Von José Pinto

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