Riesige Ressourcen in der Region

Vertrauen ist gut, nachmessen ist besser: Projektleiter Roland Heibert am Windmessmast der Städtischen Werke im Söhrewald.

Stauseen, Offshore-Windparks, Pumpspeicherkraftwerke, Sonnenkraftwerke in der Wüste – die Liste möglicher Projekte ist lang. A llen gemein ist, dass sie technisch und politisch anspruchsvoll umzusetzen und teuer sind. Außerdem folgen sie der Logik, Energie in wenigen, großen Kraftwerken zentral zu erzeugen und über weite Strecken zu verteilen. Aus diesem Grund sind die Großprojekte bei Energiekonzernen sehr beliebt.

Doch gerade kleine Projekte in den Regionen, Städten und Kommunen bieten riesige Ressourcen. Man muss sie nur nutzen – so wie die Städtischen Werke aus Kassel. Damit stärken sie nachhaltig die Wirtschaftskraft der Region. Sie schaffen neue, qualifizierte Arbeitsplätze, die nicht von Umstrukturierungen entfernter Konzernzentralen in Frage gestellt werden. Die regionale Wertschöpfung steigt. Denn Aufträge gehen an Unternehmen aus Nordhessen. Und der Finanzabfluss sinkt. Denn Energie, die vor Ort produziert wird, muss nicht zugekauft werden.

Vorreiter in Deutschland

Nordhessen ist führend bei der Photovoltaik. Forschung, Industrieproduktion und Erzeugung machen die Region zum deutschen Vorreiter. Mit dabei sind die Städtischen Werke und ihre Schwestergesellschaften. Mit 15 eigenen Anlagen produzieren sie fast 800 000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Zwei große Freilandanlagen mit 710 beziehungsweise 550 Kilowatt Spitzenleistung sollen in diesem Jahr entstehen. Großanlagen auf Industriegebäuden folgen. Im Jahr 2013 werden die Städtischen Werke 1000 Haushalte mit eigenem Strom aus PV-Anlagen versorgen.

Wind wird in Zukunft der größte regenerative Stromerzeuger sein. Der Kasseler Versorger verlässt sich nicht auf grobe Potenzialschätzungen. Deshalb erfassen Werke-Ingenieure mit ihrem 100 Meter hohen Windmessmast ein Jahr lang die Windverhältnisse – nach einer ersten Station steht er derzeit im Söhrewald. Konkret in Planung sind mehrere Windparks, die in Zukunft mit über 100 Megawatt installierter Leistung bis zu 230 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren sollen – genug für fast 85 000 Menschen.

Windkraft ist nicht unumstritten. Doch für die Energiewende ist sie unverzichtbar. Die Akzeptanz von Windprojekten steigt, wenn die Bürger von Anfang an mit eingebunden werden und frühzeitig und transparent informiert werden.

Wichtig und vor allem fair ist es, die Bürger finanziell in die Projekte einzubinden, damit sie von den Erträgen profitieren. Die Städtischen Werke ermöglichen durch Bürgergenossenschaften, sich an Projekten durch Anteilskauf zu beteiligen. Eine andere Form ist der Energiesparbrief, den die Städtischen Werke gemeinsam mit der Kasseler Sparkasse vor anderthalb Jahren aufgelegt hat. Der Clou dabei war: die attraktive, feststehende Verzinsung und die Garantie, dass das gesamte Kapital in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließt. Immerhin fünf Millionen Euro, die hauptsächlich in Nordhessen investiert werden. Eine Neuauflage folgt, sobald die ersten fünf Millionen Euro investiert sind.

Grundlage dieser Entwicklungen muss zudem ein energiewirtschaftliches Gesamtkonzept sein, das dafür sorgt, dass auch dann Strom fließt, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint. Auch daran arbeiten die Städtischen Werke. Gemeinsam mit ihren Partnern aus der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN) und dem Fraunhofer IWES wurde das Projekt „Energiewende Nordhessen“ gestartet. Gezeigt werden soll, wie die Stromversorgung in Nordhessen auf dezentrale und erneuerbare Quellen umgestellt werden kann. NH L

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