Robins Nest bei Schloss Berlepsch ist Nordhessens einziges Baumhotel

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Nachts knarzen und knurren die Quartiere im Wind: Vor den Baumhäusern sind seit April Zelte gespannt, in denen die Gäste auf schwankendem Grund in eineinhalb Metern Höhe schlafen.

Witzenhausen. Nein, Robins Nest liegt nicht im Sherwood Forest. Obwohl Nordhessens einziges Baumhotel direkt neben dem mittelalterlichen Schloss Berlepsch bei Witzenhausen im Werra-Meißner-Kreis durchaus als schöner Schlupfwinkel des Rächers der Enterbten taugen würde.

Doch statt räuberischer Desperados suchen hier, in der abgeschiedenen Waldeinsamkeit, seit der Eröffnung im April 2014 Menschen aus der ganzen Republik und sogar aus Übersee wie Afrika und China das einfache Leben im lichten Buchenwald.

Bis zu acht Meter hoch in die Wipfel alter Buchen hat Chef Peter Becker (33) seine fünf Baumhäuser mithilfe befreundeter Handwerker aus der Nachbarschaft gepflanzt. Wenn starke Winde wehen, schwanken die rustikalen Domizile knarzend und knurrend hin und her. Mit dem ersten Tageslicht zwitschern die Vögel die Besucher aus dem Schlaf. Und die Außenwelt mit ihrem Zivilsationsgelärme, der Hektik und der Zeitnot ist plötzlich ganz weit weg.

Peter Becker

Ja, es gibt Wlan und Internet – aber nur für die Hotelbetreiber. „Unsere Gäste sollen sich unterhalten und nicht ständig auf ihren Handys herumtippen“, sagt mit pädagogischem Augenzwinkern Alexandra Peter, die zusammen mit dem Chef den Laden am Laufen hält. Für ganz wichtige Kontakte signalisiert das Handy immerhin mit zwei Balken Verbindung in die Außenwelt. Das Baumhotel wirkt wie aus dem Stammholz der Grünen geschnitzt. „Wir duzen uns hier. Im Wald sind alle gleich“, meint die junge Frau. lakonisch. Die Speisekarte in der urigen Waldbar ist selbstverständlich vegetarisch. Wer ein blutiges Steak medium partout nicht vermissen will, ist in drei Gehminuten an den Fleischtöpfen der Schlossküche. Immerhin hat jedes Haus ein Plumpsklo und ein Bad, bestehend aus einer Waschschüssel. Geduscht wird auch im Schloss.

Alexandra Peter

Wer denkt, dass der Zuschnitt auf ein Publikum mit einwandfreiem grünen Bewusstsein dem Zuspruch für das Baumhotel abträglich ist, der irrt. Die 30 Betten sind meist auf Monate hinaus ausgebucht. Alexandra Peter: „Es entstehen hier echte Freundschaften. Die finden das toll. Die suchen das einfache Leben mitten in der Natur.“

Und das bei Preisen zwischen 150 und 250 Euro pro Nacht und Baumhaus. Im Winter ist alles 30 Prozent billiger und, jawohl, es ist auch bei 20 Grad Minus kuschelig warm zwischen den Holzwänden.

Robins Nest hat ja auch einiges zu bieten: Der Fernwanderweg „Burgensteig“ führt direkt daran vorbei und erschließt ein weitläufiges Wanderrevier. Die Häuser in den Wipfeln, jedes mit eigener Aussichtsterrasse, sind unschlagbar romantisch. Beim abendlichen Lagerfeuer fühlt sich auch das Großelternpaar an alte Pfadfinderzeiten erinnert. Im Indianer-Tipi gibt es Massagen, in der Holzofensauna kann herrlich geschwitzt werden.

Wegen der großen Nachfrage hat Hotelchef Becker die Kapazität im April um einige Baumzelte erweitert. Zwischen den Buchen sind jetzt straffe Gurte gespannt, der Einstieg in die dazwischen schwebenden Zelte liegt in eineinhalb Metern Höhe. Auf den schwankenden Liegeflächen wird im eigenen Schlafsack genächtigt.

Kuscheliger Traum: Die Baumkugel ist das jüngste Mitglied der fünf Baumhäuser und Paaren vorbehalten.

Und die Zukunft? Große Pläne gibt es erst mal nicht: „So wie es ist, ist es gut“, sagte Alexandra Peter. Peter Becker hatte übrigens keine Zeit für die Zeitung, weil er die Baumhäuser für die neuen Gäste putzen muss. Chefallüren? Mitten im Wald kann die sich keiner leisten.

So kam Hotelchef Peter Becker auf die Idee

Die Idee zum Baumhotel mit seinem naturnahen, alternativen Wohnen kam Hotelchef Peter Becker auf seinen zahlreichen Reisen in alle möglichen Winkel der Welt. Zuletzt hatte der 33-Jährige so ziemlich das Gegenteil vom Leben im Witzenhäuser Wald geführt: Er betrieb eine Bar und eine Galerie in Berlin. Das hippe Leben der Millionenstadt tauschte er gegen das beschauliche Werratal-Dorf Gertenbach, wo er in den Recycling-Betrieb des Vaters einsteigen sollte. 

Bis zu acht Meter hoch, aber bombefest: Die Hütten in Robins Nest bei Schloss Berlepsch hat Hotelchef Peter Becker nach Ideen des Berliner Architekturbüros Luftschlösser mithilfe heimischer Handwerker errichtet.

Doch irgendwie war das nichts für den jungen Weltenbummler. „Ich wollte lieber etwas Eigenes machen – und das ist das Baumhotel“, sagt er. Die Statik ließ er sich vom Berliner Architekturbüro Luftschlösser berechnen. Gebaut wurden die bisher fünf Baumhäuser mit befreundeten Handwerkern aus Witzenhausen. Die meisten Gäste wiederum, junge Paar, Großeltern oder ganze Familien, kommt aus Großstädten, aus Süddeutschland, der Schweiz. Doch inzwischen gilt der Prophet auch im eigenen Land etwas: Immer mehr Besucher kommen aus Nordhessen und Südniedersachsen. 

Kontakt: Tel: 05542/6198658; www.robins-nest.de

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