Die Europäische Union will künftig gleiche Konfektionsmaße in allen Ländern

Rock soll überall passen

Brüssel. Ausgerechnet ein Mann schickt sich an, Ordnung in Europas Kleiderschränke zu bringen. Toine Manders (54, Niederländer, Liberaler, Mitglied des Europäischen Parlamentes) hat das Durcheinander bei den Konfektionsgrößen satt. Wenige Tage nach Ostern startet er seinen Vorstoß gegen das Kleider-Chaos in der EU. „Egal ob man in Amsterdam, London oder Madrid einkauft, Größe 38 muss überall Größe 38 sein“, sagt er.

Zwar hat die Kommission bereits vor Jahren die europäische Norm EN 13402 erlassen. Den Herstellern kann die Vorschrift allerdings egal sein, denn es handelt sich nur um eine Empfehlung. Die Designer in den EU-Modenzentren kümmern sich somit nicht um die gewohnten Angaben in den verschiedenen Ländern. Deshalb fallen beispielsweise italienische Größen stets um drei Nummern höher aus als die deutschen, die französischen Werte liegen wiederum um zwei Stufen unter den italienischen und eine über den hiesigen. Eine deutsche Größe 38 entspricht also der Größe 44 in Italien und der 40 in Frankreich. In einer Studie der EU-Generaldirektion für den Binnenmarkt und Verbraucherschutz heißt es: „Die Bereitschaft der Industrie, sich auf einheitliche Konfektionsgrößen zu verständigen, ist gering.“ Das liege wohl nicht zuletzt an den Kosten in der Übergangsphase, obwohl „danach erhebliche Einsparungen zu erwarten sind“.

Textil-Fabrikanten und Importeure müssen bisher schon zahllose europäische Vorschriften bei der Kennzeichnung ihrer Produkte einhalten. Neben den bekannten Pflege-Hinweisen gehören dazu eingenähte Schilder, die zum Beispiel über die Inhaltsstoffe und eventuelle Gefahren für Allergiker aufklären. Auch das ist Manders ein Dorn im Auge. „Etiketten dürfen den Tragekomfort eines Kleidungsstückes nicht beeinträchtigen“, heißt es in seiner Vorlage für die Beratungen. Zum Beweis für eine völlig überzogene Kennzeichnung hält Manders Kollegen schon mal einen Damenslip vor die Nase. Bei diesen Artikeln sei das Etikett oft größer als die Stofffläche des Kleidungsstückes. Nun fordert er die Kommission auf zu prüfen, welche „Angaben für den Verbraucher unverzichtbar sind und welche ihm auf andere Weise zugänglich gemacht werden können.“

Bestimmte Hinweise könnten zum Beispiel auf der Verpackung oder im Internet stehen, statt auf dem Etikett. Die Kommission, die schon Anfang 2009 einen Vorschlag zur Überarbeitung der bisherigen Norm vorgelegt hatte, zeigt sich offenbar bereit, Manders Anregungen aufzugreifen. Auch die Hersteller betonten bei entsprechenden Umfragen mehrfach, sie würden ein EU-Gesetz gegenüber freiwilligen Regelungen vorziehen. Die Hoffnung auf mehr Ordnung in Europas Kleiderschränken ist also durchaus berechtigt.

Von Detlef Drewes

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