KWS streitet vor US-Gerichten um gentechnisch veränderte Pflanzen

Rübe raus?

Zuckerrüben - hier konventionelle Sorten - sind für KWS ein wichtiger Umsatzbringer. Jetzt gibt es von US-Gerichten Saures. Foto: KWS

Einbeck. Der niedersächsische Saatguthersteller KWS beackert in den USA ein unsicheres Feld. Seit dem Sommer spitzt sich dort ein Streit um gentechnisch veränderte Zuckerrüben zu, die gegen das Herbizid Roundup Ready immun sind. Offen ist gegenwärtig, ob sie im kommenden Jahr ausgesät werden dürfen.

Die Rangelei um die Rübe gibt Gentechnik-Gegnern Auftrieb. Zur heutigen Hauptversammlung haben sie bereits Protestaktionen angekündigt. Überdies fordern einige von ihnen in Gegenanträgen, Vorstand und Aufsichtsrat wegen des Gentechnik-Engagements des Konzerns nicht zu entlasten.

Im August hatte ein kalifornisches Bezirksgericht auf die Klage von Umwelt- und Verbraucherverbänden entschieden, dass der Anbau der Genrübe ausgesetzt werden müsse, bis eine staatliche Umweltverträglichkeitsprüfung vorliege - und die ist wohl erst 2012 fertig. Die Pflanzen, die vor dem Richterspruch angebaut wurden, durften jedoch geerntet und verarbeitet werden. Das gleiche galt nach KWS-Angaben für die Produktion von Saatgut.

Anfang Dezember nahm jedoch ein Gericht diese Genehmigung zurück. Die Stecklinge, die einmal Saatgut liefern sollen, müssten zerstört werden. Knapp zehn Tage später konnten die Saatguthersteller punkten: Ein Berufungsgericht gab den Stecklingen Aufschub bis zum 23. Dezember.

Unklar ist bislang nicht nur, ob die Rübe raus muss, sondern auch, ob die Landwirte sie 2011 anbauen dürfen. Die zuständige Behörde Aphis (Animal and Plant Health Inspection Service) habe bereits Vorschläge ausgearbeitet, sagt Henning von der Ohe, Sprecher der KWS Saat AG. Bis zum 6. Dezember konnten Gruppierungen und Organisationen dazu Stellung nehmen. Eine Entscheidung wird bis Mitte Januar erwartet.

Vorschläge

Aphis schlägt unter anderem ein Standortregister für die Felder der Genrübenzucht vor. Außerdem müssen bestimmte Abstände zu konventionell bewirtschafteten Feldern eingehalten werden. Bauern, die Genrüben anbauen, müssen Schosser entfernen, das sind Rüben, die vorzeitig blühen und Samen bilden. KWS gibt sich gelassen. „Unsere Annahme ist, dass der Anbau im nächsten Jahr stattfinden wird“, sagt von der Ohe. Daran hängt viel Geld. Denn die von den Einbeckern und dem Agrarkonzern Monsanto gemeinsam entwickelte Roundup-Ready-Rübe sprießt in den USA auf fast einer halben Million Hektar großen Anbaufläche. Ihr Marktanteil hat sich auf 95 Prozent ausge–wachsen. KWS wiederum hält am Saatgutmarkt für Zucker–rüben in den USA rund 65 Prozent mit einem Umsatz von 70 Millionen Euro. Insgesamt setzte der Konzern im Geschäftsjahr 2009/10 (30. Juni) 754,1 Mio. Euro um, 247,7 Mio. davon auf den weltweiten Rübenäckern. Falls er sich mit den Genpflanzen vom Acker machen muss, will der Konzern in den USA konventionelles Zuckerrübensaatgut verkaufen. Die Auswirkungen auf den Umsatz bezifferte das Unternehmen jedoch nicht.

Von Barbara Will

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